"Papa, Onkel Donalds Neffe ist ein Nazi!"
Hakenkreuz auf Micky-Maus-Kalenderblatt sorgt für sozialehtische Verwirrung
von Thomas Brehl


vergrößern Während sich ihr Onkel Donald Duck in den 40-er Jahren noch willfährig vor den Karren der antideutschen, us-amerikanischen Hetzpropaganda spannen ließ und in zahlreichen Comicfilmchen das amerikanische Kinopublikum auf Roosevelts Eintritt in den Zweiten Weltkrieg einstimmen half, scheinen die kleinen Neffen etwas aus der Art geschlagen zu sein.

Diesen Eindruck hatte jedenfalls der 9-jährige Julius, ein begeisterter Micky-Maus-Leser, wie uns die Zeitung "Fulda-Aktuell" wissen läßt. Grund für die erhebliche sozialethische Verwirrung des Kleinen war ein Kalenderblatt im Micky-Maus-Kalender 2007. Dieses zeigt für den Monat November eine "Halloween"-Szene im Geldspeicher von Dagobert Duck. Neben Dagobert und einigen anderen Entenhausener Ureinwohnern, stehen da auch brav die Neffen Tick, Trick und Track und tragen stolz ihre Pfadfinderuniformen. Und tatsächlich - auf der Brust des vordersten Duck-Neffen prangt neben zahlreichen anderen Auszeichnungen auch unübersehbar das Hakenkreuz.

Nun können natürlich alle "Halloween"-Masken zusammengenommen, nicht halb so viel Schrecken verbreiten wie ein kleines, zentimetergroßes Hakenkreuz. Und das weiß auch heute schon der Nachwuchs, so daß dem Vater zur Klärung der Frage seines Sohnemannes, ob denn Donald und seine Neffen Nazis seien, nur ein Anruf beim Egmont Ehapa-Verlag in Berlin blieb, der für das "perfide" Druckwerk verantwortlich ist.

Spätestens jetzt könnte man natürlich die Frage stellen, warum ich einen Artikel über ein so banales Geschehen schreibe und ich kann darauf nur antworten, daß es einfach immer wieder dokumentiert gehört, jenes immer mehr um sich greifende "induzierte Irresein" (Dr. Rigolf Hennig) der Deutschen. Es gibt sicher keine Parallele in der Geschichte, wo ein Symbol, dessen Geschichte selbst so alt ist wie die Menscheit, zu solch hysterischen Reaktionen geführt hat, wie in unseren Tagen das Hakenkreuz, selbst wenn es winzig klein und ohne jeden Bezug zum historischen Nationalsozialismus daher kommt.

Der Verlag gab sich denn auch alle Mühe zur Aufklärung und antwortete, bei dem Bild handele es sich um die Reproduktion eines Ölgemäldes von Donald-Duck-Erfinder Carl Barks. Der 1901 geborene Barks habe den Orden auf die Pfadfinderuniform gemalt, weil Baden Powell, der Begründer der Pfadfinderbewegung im Jahre 1908 eine solche Auszeichnung für die Truppe gestiftet habe, die dann auch bis 1935 verliehen worden sei. Frau Marion Egenberger vom Egmont Ehapa Verlag macht abschließend ihrem Unmut Luft, in dem sie schreibt, es sei "geradezu unfassbar", daß man die Welt von Entenhausen gedanklich auch nur in die Nähe von Nazi-Gedankengut rücken könne. Recht hat sie, die gute Frau...

Würde die Stigmatisierung des Hakenkreuzes und das strafrechtliche Verbot seiner öffentlichen Verwendung ja dem ursprünglich von den Gründern der Republik postulierten Ziel dienen, dieses Symbol aus dem öffentlichen Bewußtsein zu tilgen, so hätte das Ganze zumindest aus Sicht heutiger Gutmenschen durchaus seinen Sinn. Solange aber Herr "Professor" Guido Knopp nahezu jeden zweiten Abend ganze Hakenkreuzfahnenwälder auf die Bildschirme unserer Fernsehgeräte zaubert und jeder der ein qualitativ gutes Führerbild haben möchte, nur zu warten braucht, bis "STERN" oder "SPIEGEL" Adolf Hitler mal wieder abbilden und das natürlich vierfarbig, auf Hochglanzpapier und auf der Titelseite, solange ist jede Aufregung über ein Mini-Hakenkreuz in einem Comic-Kalender nur der Ausdruck eines von der Umerziehung antrainierten Pawlow'schen Reflexes, der ohne jedes weitere Nachdenken, stupide und als Automatismus vollzogen wird. Die Leute, die Opfer dieses Reflexes sind, das sind die selben, die auch einem Ritterkreuzträger seine Auszeichnung beschlagnahmen, weil das ein Zentimeter große Hakenkreuz für Sekundenbruchteile für eine Handvoll Leute zu sehen war und sich abends durch die Fernsehprogramme zappen und gar nicht regsitrieren, daß sie und Millionen anderer gleichzeitig Augenzeuge der millionenfachen Verwendung dieses angeblich "verbotenen" Symbols sind.

Man sollte sich fragen, ob sich Demokrat nennen darf, wer Lieder, Schriften, Grußformen Brustbilder oder gar Auffassungen zur Zeitgeschichte per Gesetz verbieten will?