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Im Sommer 1998 erreichte mich und einen mir unbekannt gebliebenen Personenkreis mehrere anonyme Rundschreiben, in denen unverhohlen der Aufbau einer illegalen SA propagiert wurde. Bei mir klingelten sämtliche Alarmglocken, hier hatte wohl einer den Chef gründlich mißverstanden. Kühnen war es bei seiner Vereidigung ausschließlich um den Geist der SA gegangen, der organisationsunabhängig seine treuesten Kameraden beseelen sollte und dem sie sich verpflichtet fühlen sollten. Niemals wäre ein kluger Taktierer wie Michael Kühnen auf die abstruse Idee gekommen, jetzt tatsächlich mit dem Aufbau einer Art „Untergrund-SA“ zu beginnen. Sowohl Arbeitsweise als auch technische Möglichkeiten aller Staatsschutzorgane waren uns hinreichend bekannt und so gab es in Bezug auf den Initiator dieser Bestrebungen eigentlich nur zwei Erklärungsmöglichkeiten: Entweder war der Kerl restlos naiv und dumm oder er stellte uns eine Falle, in die reinzutappen wir aber dann doch nicht blöd genug waren.
Da immer noch nicht mit letzter Sicherheit feststeht, wer das damals losgetreten hat, kann ich seinen Namen nicht nennen, er dürfte ohnehin nur ganz wenigen bekannt sein und er zählte auch nicht zu dem Kreis der im Sommer 1990 durch Michael Kühnen auf die SA vereidigten Kameraden. Nach Erhalt mehrerer anonymer Rundschreiben sah ich mich gezwungen, mich nun selber per Rundschreiben an meinen gesamten Verteiler zu wenden, um zu verhindern, daß sich vielleicht doch einige Aktivisten mit jugendlichem Elan und einer gehörigen Portion Blauäugigkeit in dieses Abenteuer mit relativ gewissem Ausgang stürzen würden. Am 27.07.1998 versandte ich daher folgenden Aufruf:
Betr.: Illegale SA-Arbeit
Liebe Kameraden! Langen, 27.07.1998
Ich habe in den letzten Tagen wiederholt anonyme Post aus München erhalten, die sich mit Gründung und Aufbau einer illegalen SA-Truppe beschäftigt. Ich erkläre hierzu folgendes:
Die Gründung einer illegalen SA-Truppe ist zum jetzigen Zeitpunkt
nicht nur brandgefährlich, sondern auch politisch sinnlos.
Ich habe dem mutmaßlichen Absender unmißverständlich zu verstehen gegeben, daß ich für solche Aktivitäten nicht zur Verfügung stehe. Wir leben in einem Überwachungsstaat, die Aufdeckung illegaler Aktivitäten ist trotz aller -im übrigen sehr nerven- und zeitaufwendigen- Gegenmaßnahmen nur eine Frage der Zeit. Aber selbst ohne eine solche Aufdeckung sehe ich keinen Nutzen in illegaler SA-Arbeit, die ohnehin nur eine Karikatur der historischen Kraftanstrengung dieser Frontorganisation sein kann. Ich verwahre mich auch dagegen, daß -wie in einem der Rundschreiben geschehen- sowohl unserem Chef („SA-Brigadeführer Kühnen“) als auch mir selbst irgendwelche SA-Dienstränge „verliehen“ werden, das ist eine Anmaßung des „Verleihenden“ und wird von mir nie akzeptiert werden. Dies in der absoluten Gewissheit, daß es der Chef auch nicht akzeptiert hätte. Ich möchte Euch eindringlich warnen, die oben beschriebenen Aktivitäten mitzutragen oder gar mitzuinitiieren. Ihr gefährdet unsere gesamte andere Arbeit. Ich bitte diese Problematik nicht am Telefon zu erörtern und darüber auch keinen schriftlichen Disput zu beginnen, wir werden uns ja sicher bald sehen, dann kann auch dieses Thema besprochen und abgehandelt werden. Mit besten Kampfesgrüßen
Thomas Brehl
Da die anonyme Post aus München gekommen war (damals noch am Poststempel ersichtlich), wandte ich mich auch noch mit einem gesonderten Schreiben an unseren Mann in München, Fred Eichner. Ihm erklärte ich mich noch etwas ausführlicher, in dem ich ihm ebenfalls mit Datum vom 27.07.1998 schrieb: Kamerad Langen, 27.07.1998
Fred Eichner
Lieber Fred!
Ich hoffe Du hast mittlerweile mein Schreiben zum Thema Illegale SA-Arbeit
erhalten!?! Das Thema hat mich nun den ganzen Tag dermaßen beschäftigt, daß ich Dir dazu noch einige Sätze schreiben möchte. Schon als ich das erste anonyme Rundschreiben in dieser Sache bekam, schrillten bei mir sämtliche Alarmglocken! Was, so fragte ich mich, kann jemand bezwecken, der auf eine solch blödsinnige Idee kommt? Schon die Bezeichnung „SA-Brigadeführer Michael Kühnen“, ließ mich erschaudern und vermuten, hier sind Verrückte am Werk. So weltfremd kann doch eigentlich niemand sein, daß er glaubt, die Gründung einer illegalen SA könnte (in der jetzigen Zeit) von politischem Nutzen sein. Hier, so dachte ich, will uns doch einer ein ganz großes Kuckucksei unterjubeln. Ich fühlte mich an Vorgänge wie die Sache mit „Bomben-Berthold“ erinnert, als uns ein offensichtlich staatlich gesteuerter Provokateur ein paar Kilo Plastiksprengstoff „schenken“ wollte. Nun steht für mich der Urheber natürlich fest und ich weigere mich zu glauben, er könne das alles initiiert haben um uns zu schaden. Aber eine andere Erklärung gibt´s ja schon fast nicht mehr. Jetzt illegale nationalsozialistische Strukturen schaffen zu wollen, hieße zwei Jahrzehnte Erfahrungen mit diesem System in den Wind schreiben. Es wäre ein Rückfall in die siebziger Jahre, nur daß heute die staatliche Überwachung und Verfolgung auf einem noch viel höheren Niveau angesiedelt ist wie damals. Politisch könnten wir nichts aber auch gar nichts erreichen, einziges Ergebnis wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unser aller Inhaftierung und Verurteilung innerhalb eines halben oder ganzen Jahres. Vermutlich würde der Verurteilung heute sogar „Gründung einer kriminellen Vereinigung“ zu Grunde gelegt, weil eine illegale SA ja eigentlich nur zum Zwecke der Begehung von Straftaten gegründet werden kann und seien es nur Straftaten gegen die einschlägigen §§ 86, 86 a, 130, 131… Man kann doch heute nicht auf Dauer eine ganze Organisationsstruktur „geheim“ halten, wer das glaubt, ist wohl mit einer Weltfremdheit ungeahnten Ausmaßes geschlagen. „Das kann doch alles gar nicht mehr wahr sein!“ möchte man ausrufen […] bei Leuten mit historischem Wissen, gerüttelter Allgemeinbildung und fundierten Kenntnissen über die Arbeitsweisen dieses Systems, kann ich soviel Naivität einfach nicht nachvollziehen. Und dann die Dienstgrade, die Verwendung von Begriffen wie „Der Reichorganisationsleiter“, „An sämtliche Gau- und Ortsgruppenleiter“ (wie heißen die, wo wohnen die und wann sind sie daheim?) wirkt mehr als lächerlich, eine Karikatur der historischen Truppe, der wir uns innerlich verbunden fühlen, auch ohne „Brigade-„ oder „Standartenführer“ zu sein. Welch ein bornierter Hochmut spricht aus dem Versuch der „Verleihung“ dieser Dienstgrade! Auch wehre ich mich dagegen, daß ich hier sozusagen überrumpelt werden soll, ohne gefragt worden zu sein, wer maßt sich das an? Ich habe seit dem Tod Michael Kühnens keinen irdischen Vorgesetzten mehr, das heißt nicht, daß ich mich nicht sofort einem Mann unterstellen würde, der zumindest an Klasse und Format an Michael heranreichen würde, ich laß mich aber doch nicht von einer anonymen „SA-Führung“ vereinnahmen und das in Zeiten des hochgerüstetsten Überwachungsstaates aller Zeiten. Ich kann über das alles nur den Kopf schütteln! Jetzt, wo wir endlich wieder legale Möglichkeiten zur Betätigung in unserem Sinne schaffen (dem diente ja auch das Langener Koordinierungstreffen vom Anfang des Monats, wo wir ja bei einstimmiger Beschlußlage sogar auf vermeintlich legale Strukturen verzichtet haben!), sollen wir das Ganze illegal ummänteln und damit zum sicheren Scheitern bringen? (Keiner soll übrigens glauben, man könne das was wir machen und beschlossen haben, von der illegalen Arbeit irgendwie trennen, das kauft uns kein Staatsanwalt ab!) Eine Zerschlagung der illegalen SA, die mit absoluter Sicherheit in absehbarer Zeit erfolgen würde, nähme uns dann aber wirklich für unabsehbare Zeit jede Möglichkeit der legalen Betätigung für unsere Idee, wer kann das wollen? Nebenbei wäre eine solche Zerschlagung ein gefundenes Fressen für alle unsere Gegner. Nationalsozialistische Untergrundgruppen sind genau das, was dem System zur Rechtfertigung weiterer Verfolgungsmaßnahmen noch fehlt. Auch die Linken würden sich bestätigt fühlen, sowas haben sie ja immer schon geahnt und davor gewarnt. Und vor allem: uns wäre man für die nächsten Jahre los, die letzten Getreuen des größten nationalsozialistischen Revolutionärs der Nachkriegszeit, Michael Kühnen! Aus dem Versuch der Gründung einer illegalen SA-Struktur spricht soviel Dummheit, soviel mangelnder Weitblick und mangelndes politisches Gespür, daß es eigentlich keinen geben kann, der wirklich so dumm, so zugenagelt sein kann! Ich weigere mich noch immer, hinter dem ganzen eine staatliche Aktion zur Zerschlagung unserer legalen Arbeitsmöglichkeiten zu sehen, ich will einfach nicht, daß das unsere Feinde angezettelt haben, so nach dem Motto: „…weil nicht sein kann, was nicht sein darf!“. Ich weiß aber auch, daß es das System nicht perfider und gründlicher hätte einfädeln können, wenn diese Gedanken einem Staatsschützer des BMI gekommen wären… Ich bin mir sicher, daß Ihr die Zeichen der Zeit erkannt habt und natürlich nicht blind in diese Falle rennen werdet, wer immer sie auch zu welchem Zweck aufgestellt hat. Ich sah mich aber gezwungen, in Ergänzung zu meinem Rundschreiben nochmals ausführlich und unmißverständlich auf diese seltsame Schurkenstück einzugehen. Ich hoffe, daß wir uns bald sehen, noch mehr hoffe ich allerdings, daß Ihr meine Ansichten in dieser Sache teilt, das wenigstens bitte ich mir kurz mitzuteilen, alles andere dann mündlich! Odin sei Dank teilten die Münchner und auch andere meine Sicht der Dinge und so wurde vermutlich in letzter Sekunde Schlimmeres verhindert. Es ist dabei ein großer Unterschied, ob man als politischer Revolutionär grundsätzlich bereit ist notfalls auch Freiheit und Leben für seine Idee einzusetzen und dieses Opfer bewußt bringt, in der Hoffnung damit ein wesentliches Ziel im Sinne der verfochtenen Idee zu erreichen oder ob man blind und ohne lange Überlegungen in ein Abenteuer rennt, dessen Ausgang fatale Folgen haben muß und zwar ohne auch nur das geringste im Sinne der ersehnten Revolution erreicht zu haben. Bei ungezählten Strafverfahren gegen nationale Aktivisten habe ich immer wieder beobachten können, wie im Grunde aufrechte und ehrliche Kameraden unter Gruppenzwang zu Straftätern geworden sind, freilich ohne jeden Nutzen für Deutschland. Alle Aktivisten sollten einem Unterführer nur dann folgen, wenn sie ihn für weitsichtig und verantwortungsbewußt genug halten, keinen blindwütigen Aktivismus zu entfachen, der nur die Gruppe und ihre einzelnen Mitglieder gefährdet, darüberhinaus aber ohne jeden politischen Nutzen ist. Der KDS - ein Experiment
Bereits im Jahre 1997 war ich auf einen Michael Koth aus Berlin aufmerksam geworden. Dieser hatte zu Michael Thiel Kontakt aufgenommen und schien ein ausgesprochen interessanter Charakter zu sein. Er kam aus der ultralinken Ecke und war stellvertretender Vorsitzender der KPD-Ost gewesen, mit hervorragenden Kontakten in die ehemalige Sowjetunion aber auch nach Nordkorea und den Irak. Koth habe dem internationalen Sozialismus abgeschworen und sei nunmehr der Auffassung, daß Sozialismus nur in den Farben der Völker möglich sei, also ein auf die jeweiligen Erfordernisse ausgerichteter nationaler Sozialimus.
Zwar hatte Michael Koth schon Kontakte zur NPD geknüpft und diese hatte ihm sogar einen kleinen Info-Stand auf ihrem Parteitag genehmigt, mit wirklich national-revolutionären Kräften war er allerdings noch nicht zusammengekommen, obwohl er verschiedenen Gruppen und Personen gegenüber Gesprächsbereitschaft signalisiert hatte. Thiel hatte seinerseits Interesse bekundet und so hatten wir uns einmal zwanglos zusammengesetzt, um uns kennenzulernen und über Trennendes, sowie Verbindendes zu sprechen. Das Verbindende überwog bei weitem, wenn auch einige Merkwürdigkeiten blieben. So z.B. die Verklärung der untergegangenen DDR und ein gewisses Faible für Josef Stalin.
Dem ersten Treffen von 1997 folgten weitere im Jahr 1998 und im Jahr 1999 schließlich schlug Michael Koth die Gründung einer Querfrontorganisation vor, die den Namen „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ (KDS) erhalten sollte. Mit einem Minimalkonsenz, nämlich dem Bekenntnis zu Volk und Heimat, sollte versucht werden revolutionäre Kräfte beider Lager an einen Tisch zu bekommen, um vielleicht gemeinsam handelnd den Kampf gegen Kapital, Globalismus und Multikultur aufzunehmen. Natürlich war ich mehr als skeptisch und schon gar nicht würde ich alleine den Sprung ins kalte Wasser wagen und so sah ich mich erstmal nach Verbündeten im eigenen Lager um. Michael Thiel war mit im Boot, das war klar und auch der blutjunge Axel Reitz, zu dem ich seit längerer Zeit in schriftlichem Kontakt stand, erklärte seine Mitarbeit. Nach einer weiteren Besprechung in Langen, sagte auch Frank Hübner, der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Alternative, seine Unterstützung zu. Es schien also, als würde man das Projekt gleich zu Beginn auf eine recht breite Basis stellen können, denn die beteiligten Kameraden wirkten ja ihrerseits auch nicht im luftleeren Raum, sondern verfügten alle über funktionsfähige Gruppen, die die Stammmitgliedschaft der neuen Organisation bilden würden.
So konnte das natürlich nichts werden und es zeigt sich rückblickend, daß das Experiment KDS nicht konzeptionell scheiterte, sondern an der mangelnden Unterstützung derer zu Grunde ging, die vorher alles versprochen und nachher nichts gehalten hatten. Am Ende fehlte dem KDS jede Basis im Nationalen Widerstand. Von wenigen Getreuen abgesehen, die mit nicht nachlassendem Elan den Aufbau voranzutreiben versuchten, verfiel die ganze Truppe nach und nach in Agonie und als selbst Axel Reitz keinen Sinn mehr in der Fortsetzung der KDS-Arbeit sah und der nominelle Organisationsleiter Thomas Gerlach keine Anstalten für den Umbau oder wenigstens den Erhalt des KDS zu sorgen machte, mußten wir das Experiment nach fast zehn Jahren Dauer einstellen. Wir waren am Ende unserer Möglichkeiten angekommen und es wäre pflichtvergessen gewesen, weitere Arbeit, Zeit und Geld in ein Projekt zu investieren, das nur noch von wenigen geliebt, von einigen gehaßt, von den meisten aber ganz einfach mit Gleichgültigkeit abgestraft wurde.
Um nicht mißverstanden zu werden, ich schätze den Kameraden Thomas Gerlach nach wie vor sehr und ich mache ausgerechnet ihm, der ja an vielen Fronten im Einsatz war und ist, keinen Vorwurf für sein Desinteresse am KDS. Das selbe gilt für Axel Reitz, den ich zu meinen Freunden zähle und der sich mit nicht erlahmenden Elan an vielen, vielen Projekten des Nationalen Widerstandes beteiligte und beteiligt. Sie schätzten sogar die Lage realistischer ein, als ich selber. Ich war es nicht gewohnt, eine Organisation freiwillig aufzugeben, man wurde verboten oder machte weiter aber der eigentliche Unterschied war ja der, daß wir nunmehr fast zehn Jahre vor uns hinwurstelten und nach diesen zehn Jahren schlechter da standen als vorher. Zwei Jahre vor dem Ende des KDS war ich freiwillig aus der Organisationsleitung ausgeschieden, weil ich glaubte, ich sei eine Bremse für die angestrebte, wirklich revolutionäre Weichenstellung der Truppe und mit der Verabschiedung des „Revolutionären Manifestes“, sollte diese Weichenstellung öffentlich gemacht werden. Natürlich in der Hoffnung mit diesem frischen Wind endlich auch jene anzusprechen, die uns bisher zweifelnd, abwartend oder aber eben gleichgültig gegenüber gestanden hatten. Es war vergeblich, die Zeit war wohl einfach noch nicht reif für eine revolutionäre Querfrontorganisation, der ohnehin immer sehr viel mehr Rechte als Linke angehört hatten.
KDS - Werbeclip 2008 Nun hätten wir natürlich nicht zehn Jahre gearbeitet und gekämpft, wenn wir ausschließlich von Mißerfolg zu Mißerfolg geeilt wären. Immer wieder interessierten wir die Medien für unsere „Querfrontarbeit“, zahlreiche Artikel in der Linkspresse künden noch heute davon. Auch gab ich in dieser Zeit eine ganze Menge Fernsehinterviews, sei es für Dokumentationen wie „Radikale Rechte rüsten auf“ oder für Politikmagazine wie FRONTAL, welches ausgiebig über unsere Irak-Kontakte berichtete und auch Interviews mit Axel Reitz, Michael Koth und mir zeigte. Und auch die guten Kontakte zu den Irakern zählen noch heute zu den Leistungen des KDS und vor allem des Michael Koth, dem es auch zu verdanken ist, daß wir die bereits vorher bestehenden Kontakte zu Nordkorea und Rußland ausbauen konnten. Der Empfang eine KDS-Delegation in Moskau beim Parteitag der großrussichen Partei war ein „innerer Reichsparteitag“ nicht nur für die Beteiligten und als ich plötzlich eine persönliche Einladung des irakischen Botschafters zu einem Empfang in der Reichshauptstadt in den Händen hielt, machte mich das stolz und ich sah es als Zeichen dafür an, daß wir auf dem richtigen Weg waren.
Wir
erfinden einen „Ordnerdienst“
Es gibt auch eine ganze Reihe von Anekdoten aus KDS-Zeiten, die ich nicht aus meinem Gedächtnis streichen möchte, so z.B. die Verhandlungen mit Kölns Polizeiführung über Verlauf und Ablauf einer von Axel Reitz angemeldeten Demo. Ich war mit meinem alten Kampfgefährten Heinz K. nach Köln gereist, um an der Vorbesprechung im Kölner Polizeipräsidium teilzunehmen. Hier saßen wir der politischen und polizeilichen Führung der Stadt Köln gegenüber, an der Spitze der Kölner Polizeipräsident Steffenhagen. Da wir ja irgendwie die Anwesenheit des Kameraden Heinz erklären mußten, ernannten wir ihn kurzerhand und sehr spontan zum „Leiter des Ordnungsdienstes des KDS“, den es zu diesem Zeitpunkt gar nicht gab. Genau wie Axel Reitz hielt ich das für eine gute und tragfähige Idee, was sich jedoch änderte, als die Polizeiführung dazu überging, ausgerechnet unserem „Leiter des OD“ Fragen zu seinen Planungen bezgl. der Demo zu stellen. Da wir damit nicht gerechnet hatten, war der gute Heinz auch nicht auf eine solche Befragung vorbereitet worden und so blieb nur zu hoffen, daß er sich als Improvisationskünstler erweisen möge. Der für seine Schlagfertigkeit auch im Alltag bekannte Heinz enttäuschte uns nicht, obwohl es mir nochmal heiß und kalt wurde, als einer der Polizeiführer nachfragte, was denn die Männer seines Ordnerdienstes während der Demo mitführen würden. Als Heinz antwortete, die hätten alles dabei, was sie brauchten, ahnte ich Schlimmes. Das Demonstrationsrecht verbietet ja alles, was auch nur entfernt als Waffe dienen könnte, auch dann, wenn es im Alltag erlaubt ist. Auf nochmalige Nachfrage, was denn das nun sei, was die Männer brauchen würden, lehnte sich unser Heinz staatsmännisch zurück und sagte: „Na ja, ihre Arme, ihre Beine, ihre Hände… mehr brauchen die nicht!“ Na, das war ja noch mal auf famose Art gutgegangen.
Im
Hexenkessel Frankfurt
Auch bei der großen Frankfurter Demo zum 1. Mai 2001, die von der NPD angemeldet worden war und an der wir als KDS´ler teilnahmen, war Heinz K. wieder an vorderster Front zu finden. Mit ihm, Axel Reitz und einem weiteren Langener Kameraden war ich in die Innenstadt aufgebrochen, die in weiten Teilen einem Hexenkessel glich. Die Linken hatten voll mobilisiert und im Verlauf der Demo gab es brennende Barrikaden, Straßenschlachten und eine demolierte U-Bahn. Die BILD-Zeitung widmete Tags drauf ihre Titelseite den schweren Krawallen, bei denen auch Verletzte zu beklagen waren. Die Schwester von Heinz K. hatte uns in Demo-Nähe abgesetzt und wir waren in der heiteren Illusion aufgebrochen, zu Fuß zu den Kameraden der Demo stoßen zu können. Vielleicht wäre das ja sogar gelungen, wenn nicht…, ja, wenn uns nicht ein freundlicher Polizeibeamter in die falsche Richtung geschickt hätte, wo wir uns plötzlich einer immer größer werdenden Zahl von teils vermummten Gegendemonstranten gegenübersahen. Kleinere Gruppen schlichen verdächtig nahe um uns herum und irgendwie sahen wir auch so gar nicht „links“ aus, was die Neugier der jugendlichen Krawalleros noch verstärkte. Bevor man uns zweifelsfrei erkannte, mußten wir da rausgefunden haben, sonst konnte uns niemand mehr helfen. Ich entschied mich für eine spontane Improvisation und steuerte eine durch ein großes Schild erkennbare Arztpraxis an. Die Praxis hatte ge- und die Tür war verschlossen und immer mehr neugierige Blicke richteten sich auf uns. Da holte ich lächelnd mein Handy aus der Tasche und begann ein fiktives Gespräch mit einer ebenso fiktiven Oma. Nein, wir könnten ihr Rezept leider nicht mitbringen. Hier wäre alles geschlossen, wegen irgendsoeiner „dussligen Demo“, alles wäre voll Polizei und Demonstranten und wir würden ihr Rezept und die Medikamente dann eben morgen mitbringen. In heiklen Situationen entwicklelt man bisweilen die Fähigkeiten eines Burgschauspielers, die Nummer kam jedenfalls so überzeugend rüber, daß das Interesse der umherschleichenden Kommunarden schlagartig nachließ und man uns „links liegen ließ“, na ja, man ließ uns wohl eher „rechts liegen“.
Die
KDS-Gautreffen
Wenn auch KDS´ler bei allen größeren Aktionen und Treffen des Nationalen Widerstandes mitmischten, so gab es ja kaum Veranstaltungen, die der KDS selbst ausrichtete. Die bemerkenswerteste war da noch die Kranzniederlegung für zwei durch die Kommune ermordete SA-Männer im Jahre 2003. Neben Axel Reitz und Paul Breuer sprach auch ich zu den Anwesenden und das unter den wachsamen Augen der Politischen Polizei die aber nicht eingriff, so daß wir die Versammlung zu einem würdigen Ende bringen konnten. Paul Breuer gehört im übrigen auch zur alten Kölner Garde und hat sich an der Seite von Axel Reitz in so manchem Sturm bewährt. Nach Verbüßung seiner Haft, zu der er in Folge einer körperlichen Auseinandersetzung mit der militanten Antifa verurteilt worden war, meldete er sich sofort wieder an die politische Front zurück und ist damit -genau wie Axels Stellvertreter „Helle“- ein Garant für die Kontinuität der Arbeit der Kameradschaft Köln. „Helle“ kann ebenfalls mittlerweile getrost als „Alter Kämpfer“ bezeichnet werden und ist lebender Beweis, daß die Querfront funktionieren kann, wenn sich nur die richtigen Leute zusammenfinden. „Helles“ sozialrevolutionärer Weg führte ihn zunächst über MLPD und KPD zu NF und FAP und schließlich zur Kameradschaft Köln und den KDS. Da er schon mehrfach ausgedehnte Auslandsreisen fernab der Touristengebiete gemacht hat, kann er getrost als unser „Auslandsexperte“ bezeichnet werden und als eine KDS-Delegation die irakische Botschaft in Bonn besuchte, war „Helle“ natürlich dabei.
In den Anfangsjahren des KDS besuchte ich häufiger den Großraum Köln, auch um mit Axel Reitz den Kontakt zu ein paar Altaktivistinnen und Aktivisten zu pflegen, von denen in jedem Fall auch Wilhelm („Willi“) Kuhl namentlich genannt werden muß. Willi Kuhl war Kriegsfreiwilliger der Waffen-SS (Divison „Hitlerjugend“) gewesen und gehörte bereits zu den Unterstützern Michael Kühnens, wobei sich diese Unterstützung keineswegs nur in gelegentlichen finanziellen Zuwendungen erschöpfte. Auf Bitten des Chefs war er seinerzeit Geschäftsführer der Deutschen Alternative gworden und auch deren Schatzmeister. Er war Ehrenmitglied der Kölner Kameradschaft und des KDS und bei letzterem auch für die Finanzen zuständig, solange es ihm seine angeschlagene Gesundheit erlaubte. Zu seinem Tod veröffentlichte der KDS folgende Traueranzeige auf zahlreichen Internetseiten:
Trauer um Willi Kuhl
Der Kampfbund Deutscher Sozialisten trauert um seinen langjährigen Kassenwart Willi Kuhl. Der ehemalige Frontsoldat und Kriegsfreiwillge der Waffen-SS (Division „Hitlerjugend“) verstarb bereits in der vergangenen Woche in seiner Heimatstadt Köln. Kamerad Willi Kuhl stand auch nach dem Krieg immer wieder für Sonderaufgaben innerhalb des Nationalen Widerstandes zur Verfügung. Er war enger Vertrauter von Michael Kühnen, für den er auch die Aufgabe des Bundeskassenwarts der Deutschen Alternative (DA) wahrnahm. Willi Kuhl stand nie im Rampenlicht und war doch stets ein treuer Parteisoldat. Vielfach sind es die Unauffälligen und Unscheinbaren, die mit ihrem stillen Wirken am großen Werk mitarbeiten und sich auch dadurch unvergängliche Verdienste erwerben. Wer Willi gekannt hat, verliert in ihm einen verlässlichen, treuen Kameraden, der Nationale Widerstand verliert einen unermüdlichen Arbeiter und Kämpfer um Ehre und Wiedererstarken der Nation. Unsere Gedanken sind in dieser Stunde auch bei seiner trauernden Witwe.
Die Organisationsleitung des KDS Berlin, im Januar 2007
Der
„Aufstand der Anständigen“
Als im Oktober 2000 zum Jahrestag der deutschen Teilwiedervereinigung ein Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge verübt wurde und in der Folge der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder den „Aufstand der Anständigen“ ausrief entging ich mit Axel Reitz wohl nur knapp einer Festnahme. Es sind schon seltsame Kapriolen, die das Leben manchmal schlägt, denn wer -außer den Tätern- konnte ahnen, daß es ausgerechnet an jenem 02. Oktober 2000 zu solch einem Anschlag kommen würde?
Wieder einmal hatten wir Willi Kuhl besucht und der nächste Termin stand schon auf der Agenda. Wir wollten zu Frau Renate Stahlschmidt nach Düsseldorf. Altgedienten Angehörigen des Widerstandes ist Frau Stahlschmidt ebenso wie ihre gute Bekannte Frau Rothe sicher noch bekannt. Die beiden älteren Damen fungierten als treue Aktivistinnen und Unterstützerinnen vielerlei rechter Organisationen und Aktionen. Auch Renate Stahlschmidt hatte bereits Michael Kühnen unterstützt und war immer froh, wenn gerade junge Kameraden sie besuchten und ein offenes Ohr für ihre zahlreichen Anekdoten und Geschichten aus Deutschlands bewegendster Zeit hatten. Seit längerem war der Besuch bei Frau Stahlschmidt fest eingeplant und ich ändere eigentlich höchst ungern meine Pläne aber an diesem Tag waren mehrere widrige Umstände zusammengekommen. Erstens mußten wir uns mangels Kameraden mit Fahrzeug per öffentlicher Verkehrsmittel bewegen, was zu zweit nicht ganz ungefährlich war, weil gerade Axel Reitz jetzt immer öfter in den Zeitungen und damit auf der „braunen Liste“ der Antifa stand. Zweitens war es später geworden als ursprünglich erwartet und drittens war uns das Geld ausgegangen, was letztendlich den Ausschlag gab.
Wir taten -ohne es zu wissen- sehr gut daran, an diesem Montag nicht nach Düsseldorf zu fahren. In Folge des Anschlags auf die Synagoge war es zu einem riesigen Polizeieinsatz gekommen, bei dem nicht nur Teile der Düssledorfer Innenstadt abgesperrt, sondern insbesondere auch die öffentlichen Verkehrsmittel systematisch durchsucht wurden und jeder halbwegs Verdächtige vorläufig festgenommen wurde. Man stelle sich das Szenario nur mal vor: An der Düsseldorfer Synagoge explodiert ein Sprengsatz, die Polizei sperrt die Innenstadt und findet bei der Durchsuchung der öffentlichen Verkehrsmittel mit Axel Reitz und Thomas Brehl zwei bundesweit bekannte Rechtsextremisten in unmittelbarer Tatortnähe. Alle unsere Erklärungsversuche wären vermutlich erstmal vergeblich gewesen, zumal nach Wiederholungs-, Verdunklungs- und Fluchtgefahr auch der Terrorismusverdacht mittlerweile zu den Haftgründen zählte. Als wir die Meldungen im Radio hörten, trauten wir unseren Ohren kaum. 20,-- DM mehr in der Tasche und wir wären unbewußt in diesen Hexenkessel nach Düsseldorf gefahren. Schicksal, deine Wege sind unergründlich… schade ist es eigentlich nur um die entgangenen Schlagzeilen, es lag ja schon wieder einige Zeit zurück, daß mich die Presse als „Terrornazi“ bezeichnet hatte.
Der
„Fall Martin Wiese“
Als Martin Wiese am 6. September 2003 verhaftet wurde, konnte dadurch angeblich in letzter Minute ein Sprengstoffanschlag verhindert werden, den Wiese und Konsorten für den Tag der Grundsteinlegung des neuen Jüdischen Kulturzentrums am Münchner Jakobs-Platz, am geschichtsträchtigen 9. November geplant haben sollen. Tatsächlich wurde Wiese später zu sieben Jahren Haft verurteilt und nicht nur die Medien, auch viele seiner ehemaligen Kameraden gingen hart zu Gericht mit diesem Martin Wiese, der politisch gesehen im Münchner Raum „verbrannte Erde“ hinterlassen hatte, unabhängig davon, was an den kolportierten Geschichten nun wahr oder was von sensationslüsternen Medienvertretern so zusammengereimt wurde.
Ich halte es nach wie vor nicht für erwiesen, daß der Waffennarr Wiese tatsächlich einen Anschlag plante, kann es aber auch nicht ausschließen. Fest steht, daß Wiese sich in seiner mitteldeutschen Heimat Waffen besorgt hatte und daß in seinem Rucksack auch Sprengstoff transportiert wurde. Wiese trat gerne martialisch auf, ein „Mann für´s Grobe“, dem man -auch vor dem Hintergrund seines eigenen Verhaltens- Gewalttaten durchaus zutraute. Ihm war es wohl auch lieber gefürchtet, als beliebt zu sein und er war trotz seiner mitteldeutschen Herkunft in und um München sehr schnell zu einer festen Größe im Nationalen Widerstand geworden. Christian Worch lobte sein Organisationstalent und nach der Verhaftung von Norman Bordin -KDS-Mitglied und Gründer der Kameradschaft-Süd- übernahm Wiese dessen Position in der Kameradschaft, ohne freilich KDS-Mitglied zu werden. Daß Wiese einem Durchschnittsbürger nicht eben sympathisch vorkam und er mit seinem Hang zur Gewalt auch innerhalb der Szene nicht nur Freunde hatte, war kein Wunder, trotzdem hielt ich es für völlig daneben, wie Ex-Kameraden ihn belasteten, um für sich selber mildere Urteile herauszuholen oder gar, daß die NPD gleich behauptete, bei Wiese müsse es sich um einen Agenten handeln, den der Staatsschutz zur „rechten“ Zeit aus dem Hut gezaubert habe. Zwar schloß ich das bis zu seiner Verurteilung auch nicht aus, hütete mich aber davor, es -wie verschiedene Repräsentanten der NPD- als Tatsachenbehauptung zu verbreiten.
Ich war sogar damals von Wieses subjektiver Ehrlichkeit überzeugt und halte ihn heute noch weniger als damals für einen Provokateur oder gar Agenten, vermutlich war es eher so, daß er das System der BRD abgrundtief hasste und keine andere Möglichkeit sah, als notfalls gewaltsam gegen diesen Staat vorzugehen. Mich hat es immer wütend gemacht, wenn gerade junge, gutgläubige Aktivisten in eine solche Falle tappten. Ein bißchen Beschäftigung mit dem Wesen dieses Staates und seiner mittlerweile erlangten Stabilität, führen schnell zu der Erkenntnis, daß man die Bundesrepublik sicher nicht wegbomben oder -schießen kann. Die von uns immer als „RAFis“ bezeichneten Angehörigen der „Rote-Armee-Fraktion“ hatten das unter Aufbietung erheblicher logistischer Mittel schon in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts vergeblich versucht. Auch jenseits aller moralischen Erwägungen, die für mich persönlich sicher eine größere Rolle spielten, als für viele meiner Kameraden, war der Einsatz von Waffen und Sprengstoff gegen diesen Staat einfach unsinnig, weil nicht zielführend.
Leider schadeten sich die Propagandisten der Gewaltschiene nicht nur selber, sondern dem gesamten Nationalen Widerstand, weil sie einerseits dem Staat die Rechtfertigung für immer regidere Gesetze lieferten und andererseits auch jene demokratiefeindlichen Sympathisanten im Volk verschreckten, die durchaus mit dem Nationalsozialismus liebäugelten, sich aber nicht vorstellen konnten, wie man durch Schießen oder Bomben solche Positionen würde populär machen können. Nachdem unsere Münchner Kameraden -allen voran Fred Eichner und Norman Bordin- meine Sicht der Dinge teilten, schrieb ich eine Presseerklärung für den KDS und zusätzlich einen Leserbrief an den SPIEGEL, die unsere Position des gewaltfreien Widerstandes propagierten und sich natürlich auch gegen die Person Martin Wieses richteten, allerdings nur in soweit, als er dem Widerstand mehr geschadet hatte, als er ihm durch Gewalttaten je hätte nutzen können.
Die Szene verstand meine Presseerklärung und den Leserbrief überwiegend genauso, wie sie auch gemeint waren. Die Presse wollte allerdings auf ihre Weise Kapital aus meinen Stellungnahmen ziehen und der SPIEGEL versuchte -nicht ohne Geschick- aus dieser Pro- und Antigewaltdebatte begründet auf der Herkunft Wieses einen Kampf „Wessis gegen Ossis“ zu machen. Das konnte ich so nicht stehen lassen und antwortete daher in einem erneuten Text und unter ausdrücklichem Bezug auf den SPIEGEL-Artikel in deutlichen Worten. Unter anderem schrieb ich:
„Unter völliger Verdrehung der
wahren Intensionen der KDS-Pressererklärung und meines Leserbriefes an den
„SPIEGEL“ versuchen dessen Redakteure in ihrer Ausgabe 40/2003 den Eindruck zu
erwecken, in der sogenannten rechten Szene finde derzeit wegen der Waffen- und
Munitionsfunde in München ein Kampf „Wessis gegen Ossis“ statt. Nein, meine
Herren, zu früh gefreut! Einen Kampf „Wessis gegen Ossis“ gibt es sicher nicht
im rechten Lager… […] Jeder, der an führender Stelle im NATIONALEN WIDERSTAND
tätig ist und gleichzeitig Waffen und Munition hortet, hat sich die Titulierung
„Dumpfbacke“ redlich verdient, das allerdings völlig unabhängig davon, aus
welchem der deutschen Gaue er stammt.“
Die
„Affäre Hartenfels“
Wer einmal nur einen Hauch von dem begriffen hat, was wir wirklich wollen, wird niemals mehr in die Versuchung kommen mit dem herrschenden System zu paktieren und ein Teil der uns umgebenden Minuswelt zu werden“, so hatte es Michael Kühnen immer wieder betont und doch gibt es der Beispiele viele, wo Mitläufer oder sogar Unterführer des Nationalen Widerstandes diesem den Rücken kehrten, um fortan einen Kampf gegen jene zu führen, die doch einmal ihre Kameraden gewesen sind. Sie haben halt nichts begriffen, mag man ihnen vorwerfen, was in den meisten Fällen auch stimmen wird, bei verschiedenen Figuren sind die Kapriolen, die sie schlugen aber dennoch wert, etwas näher beleuchtet zu werden. Einer von denen, die zunächst „Mein Kampf“ für eine Offenbarung hielten, die deshalb Anschluß an die nationale Szene suchten, um fortan gegen die Nachkriegsordnung und für´s Deutsche Reich zu kämpfen und die stets beteuerten, daß sie die Systeme von BRD und DDR in gleichem Maße hassen würden, war Thomas Hartenfels. In begeisterten Briefen berichtete er mir von seinen Besuchen bei Frau Stahlschmidt, von seinem ersten Treffen mit Axel Reitz, dem Ausflug der Kameradschaft zum Geburtshaus von Dr. Goebbels in Rheydt und stets endeten seine Briefe mit „Heil und Sieg!“ Am Anfang schien dieser junge Aktivist ein echter Gewinn für den Widerstand zu sein. Er war intelligent und redegwandt und nahm für sein politisches Engagement erhebliche Nachteile, besonders im Elternhaus in Kauf. Er war natürlich nicht das erste personifizierte Strohfeuer das mir begegnete und so fiel mir zunächst auch gar nicht auf, daß er immer seltener schrieb um schließlich -so um den Jahreswechsel 1999/2000- wieder vollends in der Versenkung zu verschwinden.
Fünf Jahre später war er plötzlich wieder im Gespräch, diesesmal als CDU-Ratsherr und örtlicher Vorsitzender der Jungen Union, der Jugendorganisation der CDU. Die Antifa war seiner „braunen Vergangenheit“ auf die Schliche gekommen und Hartenfels begann nach den ersten Schlagzeilen einen Eiertanz, wie ein in die Ecke getriebener Strauchdieb. Ein Verhalten, wie es einige Dutzendgestalten immer wieder vollführen, wenn sie ihren Platz an den Futtertrögen irgendeines Systems verteidigen wollen. „CDU-Ratsherr im braunen Sumpf“, „Neonazi im Schafspelz?“ oder „CDU-Ratsherr als Neo-Nazi verdächtigt“ lauteten die Meldungen, die diverse Medien verbreiteten und zumindest in Nordrhein-Westfalen bestimmte die „Affäre Hartenfels“ tagelang die politische Berichterstattung der örtlichen Zeitungen. Zu Beginn hatte ich die Kampagne ebenso schweigend wie belustigt verfolgt. „Das hat er nun davon“, dachte ich mir und wäre sicher zur Tagesordnung übergegangen, hätte nicht Hartenfels plötzlich damit begonnen Lügen zu verbreiten, um seine Zugehörigkeit zum Nationalen Widerstand zu verschleiern. Da hörte der Spaß auf. Für mich war das Ausscheiden aus dem Nationalen Widerstand ein normaler Vorgang und nicht per se ein „Verrat“, ich würde aber nicht tatenlos zuschauen, wie ein Opportunist reinsten Wassers durch Verdrehungen und Halbwahrheiten auf unsere Kosten seine gutdotierten Posten würde behalten können. Natürlich befanden sich die „Hartenfels-Briefe“ noch in meinem Archiv und somit lag erdrückendes Beweismaterial in meinen Händen. Der Anwalt von Axel Reitz riet uns zu dieser Zeit sogar dazu, die Briefe an die Presse zu verkaufen, was ich nicht tat aber dem Kölner Stadtanzeiger schickte ich einen fotokopierten Ausriß, um nicht selbst in Verdacht zu geraten Falschmeldungen zu verbreiten, um einen CDU-Stadtrat „abzuschießen“.
Dieses Verhalten wurde mir sogar von einigen wenigen aus dem Nationalen Widerstand angekreidet und man argumentierte, es sei wohl gefährlich Briefe an mich zu richten, mit viel Pech würde man die später in den Systemmedien wiederfinden. Mal abgesehen davon, daß ich niemals Briefe von Kameraden gegen deren Willen veröffentlichen würde, war Hartenfels zu diesem Zeitpunkt ja alles andere als Kamerad für mich. Er hatte ja nicht nur dem Widerstand den Rücken gekehrt, sondern war Mitglied und Funktionsträger einer Systempartei geworden. Von einem Hasser des Systems war er zu einer seiner tragenden Säulen geworden, woher sollte da für mich eine Pflicht zu einer wie auch immer gearteten Rücksichtnahme erwachsen? Nein, Hartenfels war ein CDU-Bonze und versuchte mit wachsweichen Erklärungen zwischen Wahrheit und Fiktion seine Ämter und damit seine Stellung im System zu bewahren und in dem Moment, wo er uns namentlich ins Spiel gebracht hatte, wäre weiteres Schweigen pflichtvergessen gewesen. Zu meiner Vorgehensweise war kurze Zeit später auf der Weltnetzseite des KDS zu lesen:
Der "Fall Hartenfels" Hätte er geschwiegen, hätten wir es auch, so aber ließ uns der CDU-Stadtrat und Funktionär des RCDS keine andere Wahl: Auch wir schweigen nicht länger... Als Projektleiter im Öffentlichkeitsreferat des AStA-Köln hätte CDU-Politiker und Hoffnungsträger der JUNGEN UNION Thomas Hartenfels eigentlich wissen müssen, wie eben diese Öffentlichkeit auf die linken Enthüllungen an der Kölner Uni reagieren würde... Statt zu den Vorwürfen zu schweigen, wollte Hartenfels offenbar die Flucht nach vorne antreten und schoß aus allen Rohren gegen jene, die ihm vor Jahren eine politische Heimat gegeben hatten und in deren Gesellschaft er sich ausgesprochen wohl gefühlt hatte. Nein, "Nazi" sei er nie gewesen, höchstens mal durch Zufall in eine rechte Demo geraten, den Axel Reitz habe er nur einmal gesehen und als dieser ihn für dessen politische Ziele "vereinnahmen" wollte, habe er den Rückzug angetreten. Nie habe er sich mit rechtem Gedankengut identifiziert und dann folgte das übliche von allen Gutmenschen im Schlaf zu zitierende Ablästern über Deutschlands Geschichte, besonders die Zeit zwischen 1933 und 1945. Kein Wort mehr davon, daß er "Mein Kampf" für ein wegweisendes Buch hielt, das uns auch noch in heutiger Zeit viel zu sagen hätte, kein Wort von den zahlreichen Veranstaltungen und Kameradschaftsabenden unter der Leitung von Kamerad Axel Reitz, kein Wort vom Besuch des Goebbels'schen Geburtshauses in Rheydt und kein Wort von den eigenen hochtrabenden politischen Plänen vom Aufbau einer eigenen Kameradschaft... Kein Wort natürlich auch von den zahlreichen Briefen, die er -CDU-Stadtrat Thomas Hartenfels- über Monate hinweg an den Kameraden Thomas Brehl geschrieben hatte und auch kein Wort darüber, daß er diese an den "Kameraden Thomas" gerichteten Briefe mit "Heil und Sieg!" unterzeichnet hatte.
„Gaskammer
in Langen?“ – Ein Artikel ruiniert mich völlig
Im Laufe meiner publizistischen Arbeit hatte ich gelernt sehr vorsichtig zu sein. Wird man politisch „rechts“ verortet, ist diese Vorsicht mehr als angebracht, denn die gegen die freie Meinungsäußerung aufgestellten Fallen lauern überall und eigentlich sollte man Jura studiert haben, bevor man sich daran macht politisch inkorrekte Artikel zu verfassen.
Martin Walser hat die Wahrnehmung des Rechts auf freie Meinungsäußerung völlig zurecht als „unkalkulierbares Risiko“ bezeichnet. Zwar garantiert das Grundgesetz, dem seitens der Herrschenden immer wieder „Verfassungscharakter“ attestiert wird, jedem Bundesbürger das Recht zu, „seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten“ und man feiert den Zusatz „eine Zensur findet nicht statt“ als Ausdruck besonderer Freiheit, nur ist dieser Zusatz bereits die erste der von mir erwähnten Fallen, in die man allzu leicht tappt, wenn man das garantierte Recht auch wahrnimmt.
Ich hätte mir so oft eine Zensurbehörde gewünscht, der ich meine Schriften, meine Artikel, meine Gedichte usw. hätte vorlegen können mit den Worten: „Seht her, das will ich äußern, bzw. verbreiten, gibt es dagegen strafrechtliche Einwände?“ Eine solche Behörde gibt es aber nicht und so kann man zwar erstmal lustig drauf los publizieren, darf sich dann aber nicht über die eine oder andere Anklageschrift wundern, die einem dann evtl. ins Haus flattert. Alle meine Texte einem Anwalt vorlzulegen kann ich mir nicht leisten und so bleibt einem nur die Selbstzensur und das ständige Ringen um strafrechtlich nicht relevante Ausdrucksformen.
Aber manchesmal ist auch die größte Vorsicht vergebens, wie im Fall meines Artikels „Gaskammer in Langen?“ über den ich mich auch heute -nach Abschluß der straf- und zivilrechtlichen Auseinandersetzung- nicht frei äußern darf. Die Wiederholung der in meinem Text aufgestellten Behauptungen kann mit einer Strafe in einer Höhe bis zu 250.000,--€ geahndet werden und so bitte ich den geneigten Leser sich mit dem zufrieden zu geben, was ich hier in aller Vorsicht und bei Auslassung der entsprechenden Namen bekannt mache.
Alles begann mit einem der sporadischen Treffen zwischen Heinz „Nero“ Reisz und mir und einer abenteuerlich anmutenden Geschichte, die mir der alte Langener Kämpe eines Tages erzählte. Seine Enkelin sei aus der Schule gekommen und habe aufgeregt berichtet, daß kein Geringerer als der Rektor ihrer Schule behauptet habe, auch in Langen habe es im Dritten Reich eine Gaskammer gegeben. Auf Nachfrage wo denn das gewesen sei, habe der Rektor geantwortet: Im Alten Rathaus. Das sei doch einen Artikel wert, meinte Nero und zunächst war ich auch einverstanden, dazu ein paar Zeilen zu schreiben. Vorher aber teilte ich diese Geschichte nur einem kleinen Kreis von Kameraden mit, da mir nicht ganz wohl war, so eine Sache zu publizieren, zumal der Rektor das sicher nicht im Raum, bzw. Internet würde stehen lassen wollen. Heinz Reisz hatte für meine Bedenken vollstes Verständis und versuchte diese zu zerstreuen, in dem er mir kurz darauf eine Eidesstattliche Versicherung übergab, mit der die Enkelin die Richtigkeit ihrer Aussage untermauerte. Während ich noch überlegte, ob man mit dieser Erklärung im Rücken das Wagnis eingehen solle, hatten Kameraden meinen kurzen internen Bericht bereits in Form eines Artikels und unter meinem Namen ins Netz gestellt. Sicher nicht um mir zu schaden, sondern weil sie das mutmaßliche Verhalten des Rektors schlichtweg für einen Skandal hielten. Sie hätten es besser gelassen…
Kaum war der Artikel im Netz, nahm sich der Rektor einen Anwalt und verklagte mich. Das wäre natürlich überhaupt nicht nötig gewesen, man hätte mich lediglich kurz anrufen müssen und ich hätte schon dafür gesorgt, daß der Artikel wieder aus dem Netz verschwindet, denn die möglichen Folgen waren diesen Einsatz nicht wert. Ich rief den Rektor in der Schule an und führte sogar ein längeres Gespräch mit ihm. Er versicherte mir, daß es ihm nur um die Löschung des Textes im Internet ginge und nicht um eine strafrechtliche Verfolgung meiner Person. Entweder hat er mich schon da angelogen oder wurde von seinem Anwalt zu weiteren Schritten angestachelt, was naheliegt, da die Schreiben des Anwalts seinen Zorn auf mich und meine Weltanschauung nicht verbergen konnten und wohl auch nicht sollten. Der Kläger aber schadete sich selber, denn der Weg über die Gerichte und den Erlaß einer Einstweiligen Verfügung war der längere und teurere.
Kaum in Bewegung gesetzt, lief die Justiz dann aber gleich zur Hochform auf, man beschlagnahmte meine beiden Konten (Giro- und Sparkonto) und setzte sowohl ein Straf- als auch ein Zivilverfahren gegen mich in Gang. Nun war ich ja schon immer recht arm gewesen, hatte es aber bisher erfolgreich vermieden Schulden zu machen und stand somit auch nicht in der SCHUFA. Damit war Schluß, eine Kontopfändung wird umgehend eingetragen. Auf meinem Girokonto herrschte gewöhnlich sowieso Ebbe aber auf dem Sparkonto hatte ich mir in kleinen monatlichen Raten zu 20,--€ mittlerweile 200,--€ angespart, denn auch von einem „Hartz-IV-Empfänger“ wird erwartet, daß er sich kleine Rücklagen für Reparaturen im Haushalt bildet. Dem Gericht war das wurscht und so versuchte der Kläger vergeblich die immensen Kosten einzutreiben, die allein für die Inanspruchnahme seines Anwalts entstanden waren. Mit 200,--€ kommt man bei Anwälten nicht weit, das sieht die BRAGO (Bundesrechtsanwaltsgebührenordnung) schon für den festen Händedruck bei der Begrüßung zum Beratungsgespräch vor.
Die Gegenseite zog alle Register, ich mußte die „Eidesstattliche Versicherung“ abgeben (früher „Offenbarungseid“, in Südhesen immer noch „de Offenbacher“ genannt) und sah mich zwei Verhandlungen ausgesetzt. Die strafrechtliche Verfolgung (üble Nachrede, Verleumdung, Verletzung von Persönlichkeitsrechten) ging der zivilrechtlichen voraus. So fand ich mich einmal mehr vor den Schranken des Langener Amtsgerichts wieder und gab die Weitergabe der Geschichte an einen kleinen Personenkreis zu, bestritt aber wahrheitsgemäß den Artikel ins Netz gestellt zu haben. Der Rektor, der als Zeuge vernommen wurde, wirkte unkonzentriert und fahrig und muß auf das Gericht nicht eben einen guten Eindruck gemacht haben. Zunächst bestritt er sogar, jemals mit mir gesprochen zu haben und verneinte dies auch auf nochmalige Nachfrage der Richterin, die ihm geradezu eine Brücke baute. Ich machte natürlich von meinem Recht Gebrauch den Zeugen selbst befragen zu dürfen und fragte ihn frei heraus, ob er denn wirklich allen Ernstes vor diesem Gericht bestreiten wolle, daß wir miteinander telefoniert hatten und dies soagar in höflichem und gänzlich unaufgeregtem Plauderton. Als ich Einzelheiten aus diesem Gespräch nannte, knickte er ein, ja jetzt könne er sich wieder an dieses Gespräch erinnern, das sei ihm wohl entfallen gewesen usw. Nero, der ebenfalls Zeuge in diesem Verfahren war, versuchte mich nach Kräften zu entlasten und trotzdem war ich überrascht, als der Staatsanwalt plötzlich bemerkte, er sehe jetzt nur noch zwei Möglichkeiten, entweder man lädt weitere Zeugen, so zum Beispiel nicht nur die Enkelin von Heinz Reisz, sondern auch Klassenkameraden und Lehrerin oder aber man halte das für unverhältnismäßig und stelle das Verfahren ein. „Das habe ich mir auch schon überlegt“, sagte die Richterin daraufhin sinngemäß und am Ende wurde dieses ebenso lästige wie überflüssige Verfahren am 26.04.2007 vorläufig und am 21.05.2007 endgültig eingestellt.
Weniger Glück hatte ich mit dem in Frankfurt stattfindenden Zivilverfahren, obwohl sich mein Anwalt Dr. Sieg (sic!) redlich bemühte, wofür ich ihm heute noch sehr dankbar bin. Irgendwann war jeder Einwand vorgebracht und jeder mögliche Antrag gestellt und selbst die Einstellung des Strafverfahrens beeindruckte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main nicht. Mit Beschluß vom 10. März 2008 wurde ich zur Zahlung einer Geldbuße verurteilt und blieb einschließlich der Gerichts- und Anwaltskosten auf einem Schuldenberg von immerhin knapp unter 2.000,--€ sitzen. Nun mag das manchem nicht sonderlich hoch erscheinen aber für einen einzigen Artikel in einem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat ist es schon ganz schön happig. Viel ärgerlicher aber sind die Langzeitfolgen, denn für mich ist das eine Riesensumme, die ich von meinen paar „Hartz-IV“-Penunzen nie und nimmer bezahlen kann.
Zur Komplettierung der Geschichte sei noch angemerkt, daß ich zwar von dem mittlerweile pesionierten Rektor nie mehr was gehört habe, sein Anwalt allerdings seinen Kleinkrieg gegen mich lustig weiter führte. So schrieb er z.B. an den zuständigen Obergerichtsvollzieher, daß ich längst ein neues Konto eingerichtet habe und über eine Spendenaktion in meiner „Partei“ auch zu Geld gekommen sei. Beides ist völlig daneben, weder bin ich zu Geld gekommen, noch habe ich irgendwo ein neues Konto eingerichtet, was ich dem Gerichtsvollzieher natürlich auch mitteilte. Trotzdem mußte ich vor der Zeit den „Offenbacher“ erneuern. Sollte ich wider Erwarten doch noch zu Geld kommen, werde ich diese Prozeßkosten sogar vorrangig begleichen. Nicht aus eingestandener „Schuld“, sondern einfach nur, um wieder aus der SCHUFA zu kommen und über ein ganz normales Giro- und ein kleines Sparkonto zu verfügen.
Und
immer wieder schreiben, schreiben, schreiben…
Bereits im Jahre 2002 hatte ich unter dem Titel „Die Bewegung -eine Analyse“ eine kleine Broschüre herausgebracht, die die Grabenkämpfe im Nationalen Widerstand anprangerte und an die Vernunft der Kameradinnen und Kameraden appellierte, diese endlich zu beenden. Im Jahre 2004 publizierte ich dann eine 30 Seiten umfassende und reich bebilderte Broschüre unter dem Titel „Die Allianz der Vernunft“, wieder mit einem Appell an die weitsichtigen und aufbauwilligen Aktivisten und der dringenden Aufforderung endlich gegen die wahren Feinde unseres Volkes vorzugehen und die internen Auseinandersetzungen einzustellen.
Geburtshelfer meiner -von den Lebenserinnerungen mal abgesehen- bisher umfangreichsten Publikation, nämlich der über 80-seitigen und wiederum reich bebilderten Broschüre „Der Nationale Widerstand – Rückschau-Analyse-Aussichten – 40 Fragen an Thomas Brehl“, war mit Dr. Martin Thein ausgerechnet ein Mitarbeiter der TU-Dresden, der über den „Neonazismus im Wandel“ promovierte und seine Dissertation unter dem Titel „Wettlauf mit dem Zeitgeist“ veröffentlichte.
Martin Thein, damals noch ohne „Dr.“, hatte so um die Jahreswende 2006/2007 Kontakt zu mir aufgenommen, nachdem er mit seinem Versuch Interviewpartner für sein Projekt zu finden, auf ganzer Linie gescheitert war. Er räumte später auch frank und frei ein, daß ich es war, der ihm die Türen im Widerstand öffnete (z.B. in einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger vom 8. Februar 2009) und ihm dadurch letztlich auch ermöglichte zu seinem Wunschthema zu promovieren. Es gab für mich zwei wesentliche Gründe dem Herrn Thein zu den gewünschten Gesprächspartnern zu verhelfen. Erstens handelte es sich bei ihm um einen Wissenschaftler und nicht um einen sensationsgeilen Journalisten und zweitens war mir klar, daß Thein -wenn wir uns alle verweigern würden- mit jenen treffen würde, die sich einerseits nie verweigern, andererseits aber auch überwiegend „Klischee-Nazis“ sein würden, die letztlich nicht zu einer Revision des Zerrbildes über „die Rechten“ beitragen, sondern im Gegenteil dieses Zerrbild in allen seinen Facetten auch noch bestätigen würden.
Letztlich beteiligten sich aber mit Christian Worch, Axel Reitz, Thomas „Steiner“ Wulff, Thomas Gerlach und meiner Wenigkeit jene Schar von Aktivisten des Widerstandes, die ich im weitesten Sinne als „vernünftig“ und über den Tellerand hinausblickend bezeichnen möchte.
Egon
Krenz – Ein DDR-Betonkopf ist sauer auf mich
Da wir unsere Bestrebungen zur
Schaffung einer Querfront durchaus ernst meinten, hatte ich mich frühzeitig
nach Verbündeten umgesehen. Bereits 6 Jahre vor der Gründung des KDS hatte ich
mich an die „Initiative zur Vereinigung der revolutionären Jugend“ in Frankfurt
gewandt, nachdem ich deren „Programm Juli ´93“ gelesen hatte. Wörtlich schrieb
ich ihnen: „Ich sehe soviele Gemeinsamkeiten in der Beurteilung […] der weltweiten
Verschwörung kapitalistischer Kreise zur Ausbeutung von Mensch und Natur, so
daß ich in Euch nicht einfach eine Ansammlung von gewalttätigen Polit-Spinnern
erblicke, sondern durchaus auch von mir vertretene Postionen erkenne.“ Meine
Hoffnung auf Antwort erfüllte sich nicht, obwohl ich abschließend schon damals
warnend schrieb: „Denn wenn wir unsere revolutionären Energien im Kampf gegeneinander
verbrauchen sollten, wird unser einziger gemeinsamer Feind im jedem Fall der
lachende Dritte sein!“
Einen ähnlichen Tenor hatte auch jener Brief, den ich im Herbst 1997 an Egon Krenz, den letzten Staats- und Parteichef der untergegangenen DDR, in die Haft schrieb. Aber genau wie Frankfurts „revolutionäre Jugend“ sah auch Krenz keine Veranlassung mir zu antworten, obwohl mein Brief überaus freundlich abgefasst war und keinerlei Seitenhiebe oder gar Provokationen enthielt (im August 2001 schrieb ich dann erneut an Krenz, diesmal unter dem Logo des KDS und auch wieder vergeblich). Daß der Brief unabhängig von seinem Inhalt für Egon Krenz trotzdem eine Provokation gewesen war, erfuhr ich erst knapp 12 Jahre später. Denn als im Februar 2009 Krenz´ Buch „Gefängnis-Notizen“ erscheint, findet auch mein unbeantworteter Brief Erwähnung und Krenz stellt mit seiner Haltung gegenüber meinem Schreiben unmißverständlich klar, daß er ein Betonkopf der schlimmsten Sorte ist, der aus den eigenen Fehlern nichts gelernt hat und lieber mit der BRD-Justiz gemeinsame Sache macht, als einem nationalen Sozialisten über den längst begrabenen Irrtümern der Vergangenheit die Hand zu reichen.
Meinen ehemaligen KDS-Kameraden Michael Koth, der mich nach Lektüre des Krenz-Buches gebeten hatte noch einmal an ihn zu schreiben, ließ ich wissen: „Was Krenz betrifft: Nachdem ich
mir das jetzt vollends und im Zusammenhang durchgelesen habe, werde ich
natürlich den Teufel tun und diesem Ignoranten noch mal schreiben. Daß er mit
einem völlig überholten „Faschismusbegriff“ arbeitet, ist sein Sache und mir am
Ende egal, ich bin kein Faschist, basta. Daß er aber mein überaus freundliches
Schreiben an die BRD-Staatsanwaltschaft weitergeleitet hat, mit der Bitte es
auf einen strafrechtlichen Inhalt zu prüfen, zeigt, daß dieser Betonkopf
nichts, aber auch nichts gelernt hat und sogar mit der verhassten BRD-Justiz
gegen einen Auch-Sozialisten vorzugehen bereit ist. Hier liegt nicht einfach
die Verweigerung einer sicher fruchtbringenden Korrespondenz vor, hier regiert
der Haß und sein Haß auf uns Nationalsozialisten ist noch größer, als der auf
das BRD-System, mit dem er bereit ist gemeinsame Sache zu machen, wenn es nur
gegen „die Faschisten“ geht. Das hat diesen feinen Herrn in meinen Augen völlig
diskreditiert und bei dieser Geisteshaltung eines ehemaligen DDR-Bonzen mach
ich noch knapp 20 Jahre später ein Kreuz (mit Haken), daß solche Figuren und
ihresgleichen gescheitert sind.“
Ein Verleger bekommt kalte Füße
Im Jahre 2008, als schon ein Großteil dieser Lebenserinnerungen im Weltnetz zu lesen war, meldete sich ein Verleger bei mir. Er selbst sei Deutscher und Chef eines kleinen Schweizer Verlags und er würde meine Biographie gerne als Buch auf den Markt bringen. So richtig mit allem Drum und Dran, also auch einer ISBN, einer ,Internationalen Standardbuchnummer", so daß das Werk auch in jedem regulären Buchladen bestellt und gekauft werden könne.
Über dieses Angebot war ich naturgemäß hocherfreut, denn ich rechnete eigentlich nicht damit einen Verlag für mein Buch finden zu können, eine Druckerei schon eher, das war kein Problem, kam aber nicht in Frage, weil ich wegen völliger Mittellosigkeit keinen Druck hätte vorfinanzieren können. So aber wollte der Verlag das komplette unternehmerische Risiko tragen, ich sollte lediglich das übliche Autorenhonorar bekommen, womit ich mehr als zufrieden gewesen wäre.
In der Folge wurde das Projekt immer konkreter, wir legten die Maße fest, das Papier und sprachen darüber, wieviele Bilder wir reinnehmen können und wie diese im Buch angeordnet werden sollen. Als Herausgabetermin war grob der Oktober 2009 ins Auge gefasst worden. Hatte ich anfangs noch mit einem Scheitern des Projekts gerechnet, weil ich ja weiß, daß es einer gehörigen Portion Mut bedarf, die Lebenserinnerungen eines bekennenden Nationalsozialisten herauszubringen, zumindest dann, wenn es sich nicht um einen der zahlreichen sog. ,Aussteiger" handelt. Mittlerweile mit dem Verleger per Du, kam mir aber nach über einem Jahr konkreter Planungsphase kein Gedanke mehr an einen Rückzieher des Verlagsleiters, zu konkret waren die Planungen bereits geworden. Hatten wir noch wenige Tage vorher erneut über Einzelheiten in Sachen Papier und Format gesprochen, so erreichte mich am 28. Juni 2009 völlig überraschend die Absage des Verlagschefs. Das war ein Schock und Zorn und ohnmächtige Enttäuschung erfasste mich. Nicht ich hatte ja bettelnd einen Verlag gesucht, sondern der Verlag, bzw. dessen Leiter war an mich herangetreten, um unbedingt mein Buch herausbringen zu dürfen. Er stehe unter erheblichem Druck, schrieb er mir, freilich ohne das zu präzisieren. Das war´s dann, c.a. 5 Jahre Arbeit und dann das?
Umsonst -im Sinne von vergeblich- war meine Arbeit natürlich trotzdem nicht. Noch im Winter 2008 auf 2009 hatte ich ungezählte Archivkartons durchwühlt, das wichtigste an Bildern und Dokumenten herausgesucht, es eingescannt und so einen riesigen Datensatz zur Geschichte des Nationalen Widerstandes im allgemeinen und der Kühnen-Bewegung im besonderen erstellt. Außerdem waren die Lebenserinnerungen ja auch im Weltnetz abrufbar, unter www.kds-im-netz.net/schriften/brehl_bio.htm konnte sich jeder Interessierte einen Überblick verschaffen und bald kam auch eine weitere Idee zum Tragen, nämlich die Herausgabe von ,Bewegte Zeiten" als Hörbuch, das nunmehr ebenfalls der interessierten Öffentlichkeit vorliegt.
So bleibt zwar die Enttäuschung darüber, nun leider kein gedrucktes Buch in den Händen halten zu können aber auch diese Hoffnung habe ich nicht vollends aufgegeben und vielleicht findet sich ja doch eines Tages ein mutiger Verleger, der das Rissiko zu tragen bereit ist und keinen Rückzieher macht, wenn´s dann ernst wird.
Das endgültige Ende der alten Streitigkeiten
Völlig überraschend rief mich am 23.11.2009, Jürgen Mosler an. Auslöser war eine Debatte in den Kommentarspalten eines großen, rechten Internetnachrichtenportals.
Jürgen Mosler spielte beim Putsch gegen Michael Kühnen eine herausragende Rolle und niemals hätte ich gedacht, daß es nochmal zu einem Kontakt zwischen ihm und mir kommen könnte, bzw. würde.
In den Kommentarspalten der Nachrichtenplattform wollten jedenfalls einmal mehr einige anonyme Hetzer ihr zersetzendes Süppchen kochen und richteten besonders gegen mich ihre schweren Angriffe, wie ich sie aus den Zeiten nach dem Putsch gegen Kühnen nur zu gut kannte. Besonders clever wähnte man sich offenbar, indem man einen Kommentar unter meinem Namen abgab, der den Eindruck erwecken sollte, ich würde die gegen mich vorgebrachten Verleumdungen teilweise einräumen. Die Richtigkeit der Angriffe sollte zudem ein Kommentar suggerieren, den man im Namen von Jürgen Mosler abgab und der die Verleumdungen präzisierte. Dem Nichteingeweihten ergab sich also das Bild, daß ich gegen mich gerichtete Vorwürfe einräume, nachdem sie vom Zeitzeugen Jürgen Mosler bestätigt wurden. Einem anderen Forum war das direkt ein eigener ,thread" wert, der Plan der Hetzer schien aufzugehen.
Ziel war offenbar nicht nur die Diskreditierung meiner Person, sondern gleichzeitig sollte der Eindruck erweckt werden, die alten Grabenkriege wären mitnichten beigelegt, sondern wären im Gegenteil wieder aufgeflammt.
Jürgen Mosler durchschaute dieses Treiben genauso schnell wie ich, wir ,alten Hasen" haben manchesmal ein untrügliches Gespür für das infame Treiben unserer Gegner. Daß er mich aber anrufen würde, das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Jürgen Mosler versicherte mir nicht nur, daß der erwähnte Kommentar nicht von ihm sei, er regte als Reaktion darauf an, nunmehr auch zwischen uns beiden das alte Kriegsbeil endgültig zu begraben. Die unter der Ägide unseres unvergessenen Kameraden Jürgen Rieger ausgehandelte ,Gemeinsame Erklärung" zwischen dem Kühnen-Flügel und seinen Gegnern gelte für ihn ohnehin noch immer, vielleicht könne man ja über 20 Jahre nach dem Geschehen auch wieder in einen regelmäßigen Meinungs- und Informationsaustausch treten.
Spontan willigte ich ein, denn was immer auch vor vielen, vielen Jahren vorgefallen sein mag, es war in seinen ausufernden Konsequenzen nicht abzuschätzen und daher auch so von niemandem gewollt. Allen Beteiligten war irgendwann klar geworden, daß Grabenkriege innerhalb des Nationalen Widerstandes nur dessen Gegnern nutzen würden. Wir haben alle unsere Lektion gelernt und manchem wurde erst angesichts der Spaltung klar, wie wertvoll die Einheit des Nationalen Widerstandes ist und daß sie darum als Fernziel nie aus den Augen verloren werden darf. Dazu mahnen uns auch verstorbene Kameraden wie Friedhelm Busse, Otto Riehs und Jürgen Rieger. Jürgen Mosler und ich bleiben in Kontakt und werden künftig allen Spaltungsversuchen und jeder verleumderischen Hetze gemeinsam entgegentreten.
Eine abschließende Klärung
Ich hatte ja im Zusammenhang mit meinem Strafregisterauszug, den ich in dieser Biographie übrigens v o l l s t ä n d i g dokumentiere, darauf hingewiesen, daß ich stolz darauf sei, ausschließlich wegen politischer Delikte vorbestraft zu sein und daß selbst der unpolitisch anmutende Führerscheinentzug einen politischen Hintergrund hatte. Das will ich kurz erklären:
Auf die mahnenden Worte wohlmeinender Zeitgenossen ,Bei Alkohol: Hände weg vom Steuer!" konterten wir schon mal frech: ,Wie? Wenn ich besoffen bin, soll ich auch noch freihändig fahren?" und so mancher antwortete auf die Frage eines Polizeibeamten: ,Haben Sie überhaupt den Führerschein gemacht?" mit ,Bestimmt öfter als Sie!" aber auch für uns galt natürlich: ,Bei Alkohol, Hände weg vom Gaspedal!"
Nun wurde ja alkoholischen Getränken reichlich und gerne zugesprochen aber den Führerschein zu riskieren, war natürlich jedesmal ein zweischneidiges Schwert und eine Trunkenheitsfahrt ja auch mit erheblichen Risiken für Leib und Leben verbunden. Heute würde es mir im Traum nicht mehr einfallen angetrunken ein Kraftfahrzeug zu führen, wobei sich die Frage natürlich gar nicht mehr stellt, da ich ja sowieso nichts mehr alkoholisches trinke aber damals kam es ab und an mal vor, wobei wir in der irrigen Meinung ins Fahrzeug stiegen, wir könnten unsere Fahrtüchtigkeit selber abschätzen. So war es auch an jenem denkwürdigen 20. April 1986, dem Führergeburtstag. Von Mainz kommend, wo bei Kurt und Ursel Müller wie jedes Jahr zünftig gefeiert worden war, kam uns der -im Rückblick völlig überflüssige- Gedanke, die Feierlichkeiten im Kloster Kreuzberg in der Rhön fortzusetzen. Den Rausch der Vornacht noch nicht gänzlich überwunden, reichten ein paar Halbe des ausgesprochen schmackhaften Klosterbiers, um die gesetzlich festgesetzte Grenze an Blutalkohol um einiges zu überschreiten. Man kannte uns im Kloster und aus unserer Gesinnung machten wir nie einen Hehl, am 20. April schon gar nicht. So kam es, wie es vermutlich irgendwann einmal kommen mußte: Irgendwer schwärzte uns an und als ich nach Fulda zurückfahren wollte, winkte man mich per Polizeikelle aus einem Zivilfahrzeug aus der fahrenden Kolonne, stoppte mich und bat mich zur anschließenden Alkoholkontrolle.
Diesesmal reichte es zum Führerscheinentzug und so stand ich am Ende bei strömendem Regen des Nachts im bayerischen Oberweißenbrunn und wartete auf den Horst aus Fulda, den ich in meiner Not angerufen hatte und der dann auch umgehend sein Fahrzeug bestieg, um mich zu holen, wie ich es ja an anderer Stelle kurz erwähnt habe.
Als Randnotiz sei noch erwähnt, daß der Staatsanwalt beim anschließenden Prozeß im fränkischen Bad Neustadt an der Saale doch tatsächlich im Zusammenhang mit diesem Verfahren beantragte, mir meine Bewährung zu widerrufen. Da spielte aber die Richterin nicht mit, sah sie doch, daß ich kein Gewohnheitsverbrecher war, der das Strafgesetzbuch rauf und runter abarbeitete, sondern daß es stets meine politische Überzeugung gewesen war, die mich mit dem Gesetz in Konflikt gebracht hatte. Die vorliegende Straftat war somit keine ,einschlägige" und damit in ihren Augen auch nicht dazu geeignet, einen Bewährungswiderruf zu begründen.
Ein
vorsichtiges Resümee
Als Kinder hatten wir uns oft darüber Gedanken gemacht, wie die Welt wohl im Jahre 2000 aussehen würde und uns gelegentlich auch gefragt, ob wir das überhaupt erleben würden. Für einen 10-12-Jährigen sind 40-jährige praktisch alte Männer und für uns Jungs verbanden sich mit dem Jahr 2000 in unserer Vorstellung hauptsächlich technische Utopien. Wie viele Jungen meines Jahrgangs begeisterte ich mich schon früh für science-fiction, die Fernsehserie „Raumpatrouille“ hatte für uns Kultstatus und statt „Cowboy und Indianer“ spielten wir „Orion“. Mit einem erwachten politischen Bewußtsein trat die Technik in den Hintergrund und so interessierte uns im Jahre 1980 -als ich die Wehrsportgruppe Fulda gründete- eher die Frage, wie es um unser Vaterland, um unser Deutschland zur Jahrtausendwende bestellt sein würde. Um es klar zu sagen: Wir hatten uns mehr versprochen aber weder war die auch von den etablierten Politikern zwecks Machterhalt immer wieder versprochene geistig-moralische Wende eingetreten, noch hatte die deutsche Rechte eine Massenbasis im Volk aufbauen können. Sicher wäre ein Großteil des Elans von 1980 bereits wieder dahin gewesen, wenn wir gewußt hätten, daß wir es auch 20 Jahre später immer noch mit diesem seltsamen Gebilde namens BRD zu tun haben würden, über dessen Stabilität sich leider auch heute noch viele revolutionäre Kräfte grundfalsche Vorstellungen machen.
Um nicht mißverstanden zu werden: Über Nacht kann es aus sein mit dieser Stabilität. Bei geänderten Rahmenbedingungen kann Unzufriedenheit mitunter sehr schnell in Rebellion und die Rebellion auch blitzartig in eine Revolution umschlagen. Die Hoffnung, daß das passiert werde ich auch nicht aufgeben und sie beseelte mich auch in jenem Jahr 2000, in dem ich wieder häufiger den Schreibtisch verließ, um bundesweit für unsere Ziele zu trommeln. Als Steffen Hupka die „Revolutionäre Plattform“ in der NPD ins Leben rief, war ich vor Ort und ganz begeistert, mal wieder auf meinen alten Kameraden Thomas „Steiner“ Wulff zu treffen und als mich die Münchner zu einem Redevortrag in die „Hauptstadt der Bewegung“ baten, kam ich dieser Bitte nach und immer öfter war jetzt auch Axel Reitz dabei, dessen organisatorisches und vorallem rednerisches Talent sich schon damals abzeichnete. Es war ebenfalls im Jahr 2000, als Axel gemeinsam mit mir dem Magazin „stern“ ein erstes Interview gab und der damals gerade mal 17-Jährige schlug sich tapfer…
Ich war erstaunt aber auch erfreut, als ich Michael Swierczek unter den Besuchern des Münchner Informationsabends ausmachte. Auch Swierczek hatte zur Riege der Kühnen-Gegner gehört und nun war er gekommen, um meinen Vortrag zu hören. Dabei blieb es freilich nicht, ich ging anschließend noch zu ihm und wir wechselten einige versöhnliche Worte. Schon wärend meiner Rede hatte ich ihm für sein Kommen gedankt, setzte er damit doch ein Zeichen gegen die Grabenkriege der vergangenen Jahre und für eine Aussöhnung, die sich eigentlich alle wohlwollenden, aufrechten Kameraden insgeheim immer gewünscht hatten.
Auch nahm ich trotz angeschlagener Gesundheit wieder an Demonstrationen teil. So z.B. an jener von der Mahler-Vertrauten Annemarie Paulitsch in Frankfurt, wo ich auch mal wieder auf Christian Worch traf, den ich längere Zeit nicht gesehen hatte. Irgendwie hatte mir das gefehlt und es waren auch wieder schöne Gemeinschaftserlebnisse, die mir neue Zuversicht gaben. Unvergessen auch die Demonstration in Dortmund, wo Ralph Tegethoff, den ich noch aus seiner Zeit bei der Wiking-Jugend kannte, als Redner ausfiel und mich Christian Worch fragte, ob ich nicht einspringen und spontan ein paar kämpferische Worte zu den Versammelten sprechen könne? Natürlich stellte ich mich zur Verfügung und sprach nach langer Zeit wieder einmal auf einer Demo zu ungefähr 700 nationalen Aktivisten -und 2.500 Ordnungshütern.
Es war jene Demo an der auch Friedhelm Busse teilnahm, von dem ich lange Jahre glauben mußte, er stünde wegen seiner einstigen Gegnerschaft zu Michael Kühnen nicht für eine Versöhnung zur Verfügung. Zwischenzeitlich hatte ich aber schon mehrfach gehört, daß sich Busse im Kameradenkreis dahingehend geäußert hatte, er habe seinerzeit einen Fehler gemacht und man habe mit Kühnen lieber zusammenarbeiten sollen, wo es ohnehin ideologisch kaum Trennendes gegeben habe. Sven S., der bereits erwähnte Kameradschaftsführer hatte mich zuerst darüber informiert, später hörte ich das noch öfter. Und auch Christian Worch, der Friedhelm Busse nach dessen abfälligen Äußerungen über Kühnen ebenfalls ausgesprochen feindselig gegenübergestanden hatte, hatte offenbar seinen Frieden mit diesem Urgestein des Nationalen Widerstandes gemacht. Wie hätte ich mich da verweigern können? „Wenn Busse kein Problem damit hat, daß ich spreche, habe auch ich kein Problem damit, daß er spricht!“ hatte ich Christian Worch auf seine Frage erwidert. Und Friedhelm Busse hatte sich umgekehrt in ähnlicher Weise geäußert. Zum Schlüsselerlebnis wurde aber dann jener Vorgang, auf den ich zu Beginn meiner Biographie schon kurz zu sprechen kam. Friedhelm hatte Probleme vom Lautsprecherwagen runter zu klettern und da ich ihm als nachfolgender Redner am nächsten stand, reichte ich ihm meine Hand und half ihm vom Wagen. Seine Worte „Ach Thomas, man wird halt alt!“ habe ich noch heute im Ohr, da war kein Anflug von Feind- oder Gegnerschaft, da kam ehrliche Kameradschaft zum Ausdruck und ich bin dem Schicksal heute noch dankbar, daß es Friedhelm nicht zur Großen Armee abberufen hat, bevor es zu dieser Versöhnung kommen konnte.
Immer mal wieder wird gerade die geänderte Haltung von Friedhelm Busse in Bezug auf Michael Kühnen in Zweifel gezogen. Man befürchtet, hier sei der Wunsch der Vater des Gedanken gewesen. Ich zitiere daher aus einer vom NPD-Bundesvorstandsmitglied Thomas "Steiner" Wulff an mich gerichteten e-Post vom 04.09.2009, in der es heißt:
„Ja , das kann ich bestätigen. Ich saß mit ihm zusammen auf einem Empfang der Fraktion in Schwerin. Ich glaube, es war ein Neujahrsempfang. Wir beide hatten mit den dort versammelten Typen um […] nun wirklich nicht viel gemein und unterhielten uns über die Jahre des politischen Kampfes. Ich entschuldigte mich in diesem Zusammenhang - auch wegen seines stark verschlechterten Gesundheitszustandes - bei ihm als Nationalsozialist der er nun ja unbestritten gewesen ist, für meine zum Teil ehrverletzenden Angriffe gegen ihn, die ich damals geäußert habe. Ich wollte da zwischen uns reinen Tisch machen, wie man so sagt. Bei dieser Gelegenheit kamen wir natürlich auf all die Dinge zu sprechen, die uns damals so zerrissen haben. Wir kamen BEIDE zu der Überzeugung (ich hatte diese ja sowieso), daß es gerade heute eines politischen Kopfes wie den Michael Kühnen geben müsste. Das wir schon sehr viel weiter gewesen wären, wenn dieser Mann nicht gestorben wäre. In diesem Zusammenhang sagte der Friedhelm jene Sätze, die mich dann auch bewogen, ihm den letzten Wunsch mit der Fahne zu erfüllen. Er sagte (mit Tränen in den Augen): Mit dem Michael ist einer der Besten viel zu früh gegangen......!
Steiner“
Am selben Tag kam es aber auch noch zu einer weiteren Begegnung mit einem Mann aus den Reihen der Kühnen-Gegner. Es war Christian Malcoci, der am Vorabtreffpunkt am Düsseldorfer Bahnhof spontan auf mich zukam und mir die Hand drückte. Heute arbeitet dieser Christian Malcoci vertrauensvoll mit Axel Reitz zusammen, der aus seiner Verehrung für Michael Kühnen nie einen Hehl gemacht hat. Vielleicht mußte es rückblickend doch erst diesen Putsch mit seinen anschließenden verhängnisvollen Folgen für alle Beteiligten geben, um bei jedem damals Involvierten die Erkenntnis reifen zu lassen, daß der Nationale Widerstand nur vereint zu einer politischen Kraft werden kann und daß jede Zersplitterung nur unseren politischen Gegnern nutzen kann, wo immer sie auch stehen mögen.
Die Vertreter der Frontgeneration hattten -wie Ritterkreuzträger Otto Riehs- ohnehin kein Verständnis für Grabenkriege innerhalb des Widerstandes. Immer wieder riefen er und auch Jagdflieger Dipl. Ing. Reinhold Leidenfrost zur Einheit der nationalrevolutionären Kräfte auf und auch Dichter und Denker, wie der Veteran der Waffen-SS Heinz Mahncke, bauten unetwegt Brücken, traten mit uns auf Veranstaltungen auf und scheuten sich auch nicht uns -wie Kamerad Mahncke in seinen „Schwanengesängen“- lobend zu erwähnen.
Nun sind seit der Jahrtausendwende auch schon fast wieder zehn Jahre vergangen und die Gründung der Wehrsportgruppe Fulda liegt beinahe 30 Jahre zurück. Ich bereue nicht, diese 30 Jahre ganz im Dienst meiner Überzeugungen gelebt zu haben, auch -und gerade- weil es Ereignisse gab, die ich lieber nicht erlebt hätte. Nein, die individualistischen Vertreter der Spaßgesellschaft werden mich sicher nicht verstehen und sich fragen, wie jemand ohne Not eine glänzende Karriere im Dienste eines Staates opfern kann, der sich doch offenbar etabliert hat und gegen den zu kämpfen sie keine Notwendigkeit sehen. Trotzdem war für mich die Vorstellung eines finanziell abgesicherten Durchschnittslebens niemals eine Verlockung. Mein Weltbild machte den Kampf gegen Schuldkult, gegen Multikultur, gegen Nachkriegsordnung und die hemmungslose Ausbeutung unseres Planeten zur Pflicht, mögen das die umerzogenen Egoisten in ihrem schöngefärbten Wolkenkuckucksheim verstehen oder nicht. Ich bin rückblickend sehr stolz darauf, viele Jahre des Kampfes an der Seite von Michael Kühnen geführt zu haben, der für mich auch jetzt noch kilometerweit über jenen Dutzendgestalten steht, die heute vielfach glauben den Nationalen Widerstand repräsentieren zu können.
In
vielen Dingen habe ich mich geirrt, nicht nur was die Stabilität des heute
herrschenden Systems betrifft, auch die Durchsetzbarkeit
nationalsozialistischer Positionen schien mir zu Beginn meines politischen
Wirkens nur eine Frage der Zeit zu sein. Wovon ich selbst überzeugt war, das
sollte doch wohl mühelos auch einer Unzahl anderer Menschen nahegebracht werden
können. Nein, da lag ich falsch, dem durch eine gewaltige Medienmacht und mit
Unterstützung aller gesellschaftlich relevanten Kräfte immer weiter verbreiteten
Zerrbild über Deutschlands Vergangenheit, konnten wir wenigen Aktivisten kaum
etwas entgegensetzen. Gerne irritierte ich später meine Gesprächspartner mit
Aussagen wie: „Wenn das Dritte Reich wirklich so gewesen wäre, wie es uns heute
verkauft wird, wäre auch ich ein ganz entschiedener Gegner des
Nationalsozialismus!“
In
vielen Dingen behielt ich aber auch Recht, besonders was die
Einwanderungspolitik und ihre verheerenden Folgen für die deutsche Gesellschaft
betrifft. Wir prophezeiten bereits Ghettos für deutsche Städte und das Enstehen
von Parallelwelten, als bundesdeutsche Politiker nicht müde wurden dem Volk
weiszumachen, Deutschland sei kein Einwanderungsland und könne auch keines werden. Vereinfacht könnte man sagen, daß ich und meine Kameraden
mit unseren düsteren Prophezeiungen weitgehend Recht behielten, während wir
leider völlig daneben lagen, was die Duldsamkeit des deutschen Volkes betrifft
und seine Bereitschaft in einer starken nationalen Bewegung eine Chance für die
Zukunft zu sehen.
Da ich mich als Revolutionär immer auch als Politiker verstand und ich kein Prophet bin, verkneife ich mir am Ende eine Ausschau auf die nahe oder gar die fernere Zukunft. Wie sich nun alles weiter entwickelt, hängt von zu vielen Faktoren ab, als daß dies von einem Normalsterblichen abzuschätzen wäre. Seit ich keinen Kaffee mehr trinke, mangelt es mir am Satz, aus dem man gerüchteweise die Zukunft lesen kann. Das Pendel habe ich versetzt und seit mir die große Glaskugel aus der Erbmasse meiner im Wald lebenden Urgroßmutter heruntergefallen ist, gelingen mir nicht mal mehr 3 Richtige beim wöchentlichen Lottospiel.
Wichtiger als Prophezeiungen scheint mir indes die Rückbesinnung auf jene Werte, die unsere Vorväter zu ungeheuren und geschichtlich einmaligen Leistungen befähigt haben. Ehre, Treue, Zuverlässigkeit und Kameradschaft, jene als „Sekundärtugenden“ geschmähten Eigenschaften, werden jeder Gruppe die nach ihnen lebt, entscheidende Vorteile in jeder politischen Auseinandersetzung bieten, mag das Kräfteverhältnis noch so ungünstig erscheinen.
Die Welt, die unsere Gegner errichtet haben, wird für mich immer eine Minuswelt bleiben. Mit ihren ständigen Appellen an die niedersten Instinkte des Menschen hat sie für mich nichts Verlockendes oder gar Erhabenes, sondern sie umgibt der Gestank der Fäulnis und Vergänglichkeit. Die Traumblase vom unendlichen Wachstum in einer endlichen Welt hat dieser Tage durch die weltweite Rezession ihre ersten Risse bekommen und sie wird zerplatzen und damit wird das Ende der „Spaßgesellschaft“ gekommen sein. Der hemmungslosen Ausbeutung unseres Planeten, der Vergiftung der Meere, der Abholzung der Regenwälder und der Verpestung der Atemluft -angezettelt und verantwortet von einer ganz kleinen Clique gewissenloser Finanzhasardeure- wird eine wachsende Masse nach Freiheit strebender und erwachender Völker ein Ende bereiten. Der Erhalt der Völker und ihre Rückbesinnung auf nationale Traditionen wird den „One-world“-Träumereien ausbeuterischer Kapitalsverbrecher den entscheidenden Strich durch ihre ohnehin falsche Rechnung machen.
Es geht bei all dem nicht um einen Rückfall in Zeiten eines ungebremsten Chauvinismus und nationalistischer Egoismen, denn die Liebe zum eigenen Volk bedingt ja keinesfalls den Hass auf andere. Es geht aber darum, daß Menschen die stolz auf ihr Volk sind und ihre Heimat lieben, nicht tatenlos zusehen werden, wie ebenso wurzel- wie gewissenlose, geldgierige Elemente sie zu vernichten suchen. Ein geläuterter Nationaler Widerstand kann in Deutschland zum Garanten der Umkehr werden. Seinen Vertretern muß nicht nur das eigene Volk vertrauen, von seiner Lauterkeit und seinem Friedenswillen müssen auch die anderen Völker Europas überzeugt sein. Dann -und nur dann- wird die junge Garde des „alten Europa“ der Garant für den Erhalt dieses Kulturraums und seiner Völker sein. Solange ich atmen kann, will ich meine bescheidenen Kräfte in diesem Sinne einsetzen. Langen, den 20. April 2009 Ende
Rudolf Jordan - Politischer Lebenslauf Kindheit und Jugendzeit
Nachkriegszeit 1. Weltkrieg und Weimarer Republik
Tätigkeit in der NSDAP und die Kampfzeit
Nach der Machtergreifung
Zweiter Weltkrieg
Nachkriegszeit 2. Weltkrieg
Werke
Anmerkungen zu Gauleiter Jordan
Wieder einmal ließ sich die zeitgenössische Geschichtsschreibung die Chance entgehen, die Dinge so darzustellen, wie sie wirklich waren. Fragwürdig erscheint bereits der Versuch die beiden Gauleiter Eggeling und Jordan mieinander zu vergleichen, zumal die Biographie Jordans sehr viel differenzierter war, als im Film dargestellt. Schon in seinem Buch "Erlebt und erlitten" beweist Jordan einen durchaus kritischen Umgang mit dem Dritten Reich und mit seinem eigenen Leben. Von allen überlebenden Gauleitern haben sich ohnehin nur vier nach dem Krieg zu ihrem Lebenweg geäußert. Völlig unberücksichtigt bleibt im Film, daß Jordan in der Kampfzeit als Idealist zur NS-Bewegung stieß und wie viele andere ungeheure persönliche Opfer auf sich nahm. Brandt beschreibt den erst 18jährigen und weltanschaulich Suchenden als "politischen Hasardeuer", eine sehr arrogante Einschätzung, wie selbst neutrale Beobachter einräumen. Herr Brandt sollte sich mal überlegen, wie gefestigt sein eigenes politisches Weltbild mit 18 Jahren war. Die Fragwürdigkeit des ganzen Beitrages beginnt aber schon damit, daß Brandt jene Passagen aus Jordans Buch, die im Film zitiert werden, mit dem dramaturgischen Mittel eines Sprechers unterlegt, der den Sequenzen eine verkitschte und selbstherrliche Tendenz gibt. Diese Art des Sprechens hat mit sachlicher Dokumentation nur sehr wenig zu tun und trägt kaum dazu bei, den Zuschauer selber zu einem Urteil gelangen zu lassen. Nahezu jede Aussage eines jeden beliebigen Zeitgenossen kann mit Hilfe dieser Darstellungsweise lächerlich gemacht werden. Und gerade mit der Verächtlichmachung Jordans hat Filmemacher Brandt sich den Falschen ausgesucht. Innerhalb des ambivalenten Gauleiterkorps hätten sich tatsächlich einige zwielichtige Charaktere finden lassen, vom Despoten und Verbrecher, über den Unfähigen und Korrupten bis hin zum Typus des Parteisoldaten. Auch die Bermerkung, daß er niemals ein Todesurteil selber unterzeichnete, als würde er bereits wissen, wie am Ende alles ausgeht, zeigt den begrenzenden Blickwinkel der Sichtweise des Herrn Brandt. Daß dem auch eine völlig andere Motivation zu grunde liegen könnte, kommt dem "Zeitgeschichtler" Brandt offenbar gar nicht erst in den Sinn. Und Jordans Zeitung "Fuldaer Beobachter" als Kopie von Streichers "Stürmer" zu bezeichnen, ist sowas von daneben, daß man es schon als Lüge bezeichnen kann. Ohne jeden historisch abgesicherten Beleg ist aber die Absicht, Jordan als unfähigen, arbeitsscheuen, korrupten, ja "größenwahnsinnigen" Feigling darzustellen, der nichts besseres zu tun hatte, als sich in zwielichtigen Etablissements mit Frauen abzugeben, der seine Ehefrau angeblich in den Selbstmord trieb und dessen Unfähigkeit Hitler 1937 schließlich dazu bewogen haben soll, ihn abzusetzen. Diese Legende wurde jedoch bereits in der einschlägigen Literatur über die Gauleiter ad absurdum geführt, wobei nur die Standardwerke von Hüttenberger oder Moll genannt werden sollen, die auch für Herrn Brandt jederzeit hätten erreichbar sein können. All dem steht auch die Äußerung Hitlers vom 10. April 1937 gegenüber, welche von Joseph Goebbels in seinem Tagebuch erwähnt wird: "Der Führer schätzt zunehmend Jordan, der Reichsstatthalter und Gauleiter in Dessau wird". Dieser Eintrag von Goebbels wurde zu einem Zeitpunkt verfasst, während dem laut der Brandt'schen Darstellung Jordan jeden Kredit "in Berlin" verspielt haben soll. Es stellt sich zudem die Frage, in welch gehäufter Ansammlung jene bei Jordan angeblich festggestellten charakterlichen Defizite bei den Exponenten der politischen Klasse der Berliner Republik anzutreffen sind. Schaut man auf die Skandale von Regierung und Opposition im Deutschland der letzten Jahre, dann nehmen sich die Ernennung Jordans zum Ehrenbürger von Halle bzw. seine posthume "Beförderung" zum Volksschullehrer doch noch vergleichsweise harmlos aus. Und daß die Gauleiter als politische Vertreter Hitlers in den Ländern in einem Bildband über den jeweiligen Gau direkt hinter dem Foto Hitlers gezeigt wurden, ist doch wohl eine banale Selbstverständlichkeit, analog heute etwa der Rangfolge "Bundeskanzler" / "Ministerpräsident". Auch welche Nähe der im Film präsentierte "Zeitzeuge" Edgar Hauck zu Jordan hatte und welche Qualifikation der eigentlich mit bringt, um die intimsten Handlungen des ehemaligen Gauleiters zu schildern und darüber hinaus zu interpretieren, bleibt völlig im Dunkeln. Man fragt sich, wo Brandt diesen Hauck aufgelesen hat? In welcher Beziehung stand er zu Jordan? Verkehrte er in dessen Privathaus, innerhalb der Gauleitung, aß er am Tisch des Gauleiters, schlief er gar unter dessen Bett? Die Frage stellen, heißt sie zu beantworten! Die gesamte Darstellung ist unhistorisch und damit eine Geschichtsverfälschung. Am Ende des Films fragt sich der unvoreingenommene Zuschauer zudem, wo denn die von Brandt bereits im Titel beschworene"Blutspur" war? Dies um so mehr, als das bremsende Verhalten Jordans nach der "Reichskristallnacht" durchaus nicht in allen Gauen anzutreffen war. Im Zusammenhang mit der Freilassung Jordans aus sowjetischer Gefangenschaft wird süffisant erwähnt, daß auch zahlreiche "Kriegsverbrecher" wieder in die Heimat zurückkehren konnten, mit deutlicher Anspielung auf Jordan. Worin aber dessen "Kriegsverbrechen" bestanden haben sollen, läßt der Film offen. Jordans eigenes Leid in 10-jähriger Sowjethaft wird hingegen mit keinem Wort erwähnt. Abschließend bleibt festzustellen, daß Herr Brandt hier nicht als Historiker, sondern als Journalist tätig war, aber auch das hätte ihn nicht von der Verpflichtung wahrheitsgemäßer Berichterstattung entbunden. Herr Brandt, ein Kind des SED-Staates, hat doch den politischen Machthabern seinerzeit auch seinen Tribut gezollt, als er in der DDR journalistisch tätig war. Er sollte wissen, daß die Handlungsweisen eines jeden Menschen nur aus der jeweiligen Zeit begriffen werden können oder wie Jürgen Syberberg mal gesagt hat: "Es ist verhältnismäßig leicht kein Nationalsozialist zu sein, wenn es keinen Hitler gibt". So hat Herr Brandt der seriösen Geschichtsschreibung keinen Dienst erwiesen, seinen Auftraggebern aber sicher einen politischen, Herrn Knopp und Konsorten wird's freuen... |
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