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Gehe auf Seite 1.. 3.. 4.. 5.. 6.. 7.. 8.. Der "böse Wolf" Auch mit der Politischen Polizei machten wir natürlich so manche Erfahrung. Beim Kommissariat für politisch motivierte Straftaten (in Hessen war das damals üblicherweise das Kommissariat-14 [K-14], manchmal auch das Kommissariat-42 [K-42]), waren aber auch illustre Gestalten beschäftigt. Einer von ihnen hieß mit Nachnamen Wolf und wäre nie für einen Polizisten gehalten worden, so wie er aussah.
Lange Haare, wüster Bart, man war geneigt, ihn für wohnsitzlos und trunksüchtig zu halten. Letzteres war er womöglich wirklich, denn im Vollrausch sorgte er dafür, daß wir unseren Treffpunkt in Frankfurt verloren. Hatten wir es im ländlichen Harheim bei "unserem Pascal" so richtig familiär und gemütlich, so trafen wir uns in Frankfurt selbst immer im "Wienerwald" an der Katharinenkirche, mitten im Zentrum der Mainmetropole. Dort fanden – ich glaub’ es war donnerstags – die wöchentlichen Kameradschaftsabende statt. Als wir dort mal wieder tagten, hatte der sturzbetrunkene Wolf vom K-14 einen unserer Kameraden – es war Dietmar Gumpricht vom Ben-Gurion-Ring – vor dem "Wienerwald" stehend erkannt und war ihm in die Gaststätte gefolgt. Am Anfang fanden wir es ebenso witzig wie originell dem "bösen Wolf" auch mal außer Dienst zu begegnen, zumal er ja wirklich diesmal betrunkener war als wir alle zusammen. Aber spätestens als er den Kameraden Giebitz erkannt hatte, ging der Zirkus los. Zu Giebitz muß man natürlich folgendes wissen: Als die Gruppe um Odfried Hepp und Walther Kexel aufgeflogen war, hatte das Bundeskriminalamt auch eines der Waffen- und Munitionslager im Wald nahe Frankfurt ausgehoben. Die Sachen waren in Ölpapier wetterfest verpackt und dann in einer großen Metallkiste im Waldboden vergraben worden. Der Fund löste eine große Medienresonanz aus und so wurde im Fernsehen auch die Kiste eingeblendet. Giebitz, der mit Kexel und Hepp eng befreundet war, nicht aber ihrer Gruppe angehörte, hatte diese Kiste einst zur Verfügung gestellt, ohne freilich zu wissen, wofür die anderen sie brauchten. Als die Kiste nun über die Bildschirme flimmerte, hatte Giebitz nichts Besseres zu tun, als überall herumzuerzählen, daß die von ihm wäre. Die Folge war absehbar: Irgendwer steckte das Ganze der Kripo und in der allgemeinen Aufgeregtheit und Terrorismushysterie stürmten ganze Heerscharen von Polizisten das Anwesen der Familie Giebitz und nahmen die Bude von oben bis unten vollends auseinander. Nun stürzte also der volltrunkene Wolf vom K-14 auf den völlig erschrockenen Giebitz zu und schrie durch den Wienerwald: "Giebitz! Von allen Rechten in Frankfurt bist Du der größte Idiot!". Dabei verlor er das Gleichgewicht, stürzte vornüber und räumte beim Versuch sich abzustützen gleich den ganzen Tisch ab. Volle und halbleere Gläser flogen durch den Gastraum, ein riesiges Tohuwabohu brach los und der Betreiber der Lokalität, der vielleicht ohnehin nach einem Grund uns loszuwerden gesucht hatte, erteilte uns allen sofort Hausverbot. Das war das Ende der Kameradschaftsabende im Frankfurter "Wienerwald". Einige mutmaßten später, die Aktion könne getürkt gewesen sein, um uns das Lokal zu vermiesen. Ich glaube das nicht! Wolf war nachweislich betrunken und für ein Lokalverbot hätte es sicher gereicht, wenn die Polizei uniformiert und nüchtern beim Wirt des Lokals vorgesprochen hätte, um ihn vor den "bösen Neo-Nazis" zu warnen. Für einen so gekonnten Auftritt, wie Wolf ihn zelebrierte, gab es keinen wirklichen Grund. Außerdem war der Mann ja kein Burgschauspieler und hätte vom Aussehen her höchstens den Ersatzchristus bei den Passionsfestspielen in Oberammergau spielen können...
So neigte sich das Kampfjahr 1982 allmählich dem Ende zu und wir trafen uns zur alljährlichen Jahreshauptversammlung der HNG in Hüttenberg. Schon vorher war gerüchteweise verbreitet worden, daß möglicherweise Michael Kühnen anwesend sein könnte, da sich der Zeitpunkt seiner Freilassung in schnellen Schritten näherte. Er kam zwar nicht, aber später erfuhren wir, daß tatsächlich geplant war ihn früher freizulassen, dies aber mit entsprechenden Auflagen zu verbinden. Kühnen lehnte das rundweg ab. Er machte freiwillig auf Endstrafe, saß also bis zum letzten Tag seine Strafe ab; gleichwohl konnten sie ihm dafür auch keine Auflage "reinwürgen". Zu Hüttenberg fällt mir dann aber doch noch ein, daß es mal wieder eine ausgesprochen feuchtfröhliche Zusammenkunft war und wir die Nacht in den Autos auf dem Parkplatz vor dem Lokal verbrachten. Ansonsten gab es noch zwei kleinere, erwähnenswerte Vorkommnisse: Erstens fühlte sich mein Fuldaer Kamerad Norbert Veidt durch den während der Veranstaltung erfolgten Hinweis auf die zu niedrige Geburtenrate der Deutschen zur Tat gerufen und zeugte im Opel eines anderen Fuldaer Mitstreiters (Rudi L.) mit einer Frankfurter Kameradin ein Kind (ihm gereicht zur Ehre, daß er aus seinem Verhalten auch die Konsequenz zog: Er heiratete die Kameradin Helene und zog zu ihr nach Frankfurt. Das Kind, eine gesunde Tochter, ist mittlerweile selbst erwachsen und ihre Eltern sind noch immer verheiratet) und zweitens hatten die Wirtsleute am abend vergessen, die Kneipe abzuschließen und irgendjemandem war das am morgen aufgefallen und so leisteten wir uns noch einen kleinen Frühschoppen vor der Abreise. Die Unkosten – im Gegensatz zum vorabendlichen Umsatz ohnehin nicht ins Gewicht fallend – verbuchten wir als Kampfspende. Die Wiking-Jugend:
Die ersten der 80er Jahre – und hier besonders das Jahr 1982 – waren auch jene der intensiven Zusammenarbeit mit der WIKING-JUGEND. Seit es die Wehrsportgruppe gab, nahmen wir an den alljährlichen Mahnfeuern der völkischen Jugendorganisation in der Rhön teil. An Silvester gab es immer eine große Kundgebung in Hilders, begleitet von den obligatorischen Gegendemonstrationen, wobei damals noch der DGB federführend war. Anschließend zogen wir mit Fahnen, Trommeln, Fanfaren und Fackeln an die eigentliche Zonengrenze, um dort das Mahnfeuer zur deutschen Einheit zu entzünden. Während die Redner auf dem Marktplatz in Hilders wegen der Medienpräsenz und der anwesenden Öffentlichkeit noch ein gerüttelt Maß an Vorsicht walten lassen mußten, sprach Wolfgang Nahrath, der Bundesführer der WJ, in den eiskalten Nächten in der Hochrhön dankenswerterweise Klartext. Hier sah man keine Gegendemonstranten, denn die Salon-Antifaschisten hatten natürlich keine Lust ihre Silvesterfeier ausfallen zu lassen, um mit bzw. gegen uns bei zweistelligen Minusgraden den Unbilden der Natur zu trotzen und ein Zeichen zu setzen. Ich werde nie vergessen, wie Wolfgang Nahrath feierlich ausrief: "Wir werden an dieser Schandgrenze solange antreten, bis sie gefallen sein wird!" Das war immerhin zu einer Zeit, als außerhalb des Nationalen Widerstandes niemand mehr ernsthaft an die (Teil-)Wiedervereinigung Deutschlands glaubte. Bis zu einem Verbot der WIKING-JUGEND sollte es noch einige Jahre dauern aber der "antifaschistische Widerstand" in Hilders wurde von Jahr zu Jahr militanter. In den 50er und 60er Jahren war die WIKING-JUGEND noch jedes Jahr vom Bürgermeister der Rhöngemeinde begrüßt worden. Es herrschte lange ein sehr freundliches Verhältnis zwischen einheimischer Bevölkerung und volkstreuer Jugend, aber mittlerweile hatten die dauernden Haßparolen volksfeindlicher Kräfte und die Schmierartikel der örtlichen Zeitungen ihre Wirkung gezeigt. Und auch in Fulda wurde plötzlich Jahr für Jahr gegen die WJ demonstriert, was mich als Bürger dieser Stadt besonders ärgerte. Einmal aber konnten wir sie das Fürchten lehren, denn auch die Gliederungen der WIKING-JUGEND und die sie unterstützenden Verbände, darunter die NATIONALEN AKTIVISTEN trafen zunächst in Fulda zusammen, was bei den Sicherheitsbehörden zunehmend für Unruhe sorgte. Als dann eines schönen Tages auf dem Bahnhofsvorplatz so ca. 200 Kameradinnen und Kameraden zusammengekommen waren, erspähten wir kleine Gruppen von Linken, die in der Bahnhofstraße Richtung Gegendemo unterwegs waren. Nach all den Provokationen, den Lügen und der Hetze gab es für unsere Leute kein Halten mehr. Die Polizei war von dieser Situation völlig überrascht worden, denn das Hauptkontingent der Sicherheitskräfte hielt sich selbstverständlich im Innenstadtbereich auf, um die Demo abzusichern. Das Sammeln am Bahnhof hatten nur einige wenige Beamte überwacht. Plötzlich und ohne Befehl war der Sturm losgebrochen. Ungefähr 150 der 200 Volkstreuen, darunter alle Wehrfähigen, rannten plötzlich Richtung Bahnhofstraße, wo die Linken sofort die Nerven verloren und in alle Windrichtungen davonstoben. Die militärische Kleidung – einige Kameraden trugen sogar einen Stahlhelm – , das Geschrei und die Tatsache daß unsere Leute von oben nach unten stürmten, taten das ihrige. Völlig aufgelöst war auch die Einsatzleitung der Fuldaer Polizei. Ich weiß noch wie heute, daß Einsatzleiter Rothkugel (der hieß wirklich so!) aufgeregt auf mich zustürmte und mich anschrie: "Herr Brehl, halten sie die Leute auf!" Mich den Kameraden anschließend, brüllte ich im Rennen zurück: "Die hält keiner mehr auf!" Einige der völlig entnervten Roten wurden anschließend bis zum zwei Kilometer entfernten Busbahnhof gegenüber dem Stadtschloß gejagt, wo sie dann in irgendwelche Busse sprangen und es ihnen völlig egal schien, wohin die fahren würden, "Hauptsache weg!" war die Devise.
Aber auch in Hilders kam es indes zu einer kleinen Anekdote, die nicht unerwähnt bleiben soll. Nach Abschluß der Kundgebung auf dem Marktplatz waren uns die Linken gefährlich nahegekommen und alles sah nach Eskalation aus. Als ich bemerkte, daß eine kleine Gruppe ganz junger WJ'ler von der Masse abgedrängt zu werden drohte, schickte ich meinen einsatzbewährten Stellvertreter, Kamerad Dieter Weißmüller, hinzu, der sich auch gleich den kleinsten der "Wikinger" schnappte und auf den Arm nahm. Der Kleine war vielleicht 5 oder 6 Jahre alt, gehörte aber bereits zum Fanfarenzug und hielt nun sein Instrument fest umklammert. Weißmüller drängte nun das Kind auf dem Arm und die anderen im Schlepptau durch die vorgerückten Gegendemonstranten. In diesem Augenblick glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen, denn kurz bevor mein Stellvertreter aus der Gefahrenzone trat, um sich uns wieder anzuschließen, holte der kleine Knirps mit einer schwungvollen Handbewegung aus und drosch dem erstbesten und völlig verdutzten Linken die Fanfare auf den Kopf. Der knickte kurz ein und hielt sich jammernd eine sofort blutende Kopfwunde. Na ja, als "militant" waren wir ja ohnehin schon verschrien... Hatten wir zunächst als NATIONALE AKTIVISTEN formell Gästestatus bei der WJ, so wurden wir zwei Jahre später, nach dem Verbot der ANS/NA, als wehrfähige Verstärkung um unsere Unterstützung gebeten, denn die WIKING-JUGEND allein sah sich dem immer aggressiveren antifaschistischen Widerstand nicht mehr gewachsen. Natürlich versagten wir uns nicht, und das obwohl diese Unterstützung juristisch hochproblematisch war. Eigentlich gab es uns ja gar nicht mehr und trotzdem stellten wir unter Mißachtung des Verbots nochmal ein Kontingent von 150 wehrfähigen Männern ab und die Aktion wurde, einschließlich des Kameradschaftsabends in der Rhön-Halle in Tann, ein voller Erfolg. Doch davon wird später zu berichten sein... Rede in Harheim, 1982 Um dem Eindruck vorzubeugen, die Arbeit der Nationalen Aktivisten sei lediglich purer Aktionismus gewesen und eine wirkliche politisch durchdachte Konzeption habe gefehlt, soll auch kurz auf unsere strategisch-taktischen Überlegungen hingewiesen sein. Die große Verbotswelle gegen rechte Organisationen war zwar noch fern, trotzdem war es ja verschiedentlich schon zu spektakulären Verboten gekommen. Das Verbot der SRP (Sozialistische Reichspartei) im Oktober 1952 lag weit zurück und war eigentlich für uns junge Aktivisten kein Thema mehr; anders aber die auf Vereinsrecht basierenden Verbote von WSG-Hoffmann und gerade auch VSBD. Am Beispiel der Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands war klar geworden, daß der Staat ein offenes Auftreten nationaler und sozialistischer Kräfte nicht auf Dauer dulden würde; zumindest dann nicht, wenn die entsprechende Gruppierung Erfolge würde vorweisen können, und als Erfolg wertete das System bereits die in den Verbotsverfügungen späterer Tage so häufig zitierte "Sogwirkung" auf nationalrevolutionäre Kräfte aller Art. Wir setzten uns also damals zusammen und stellten fest, daß es wohl wenig Sinn habe, wieder eine neue bundeseinheitliche Organisation mit entsprechender Führung, Gliederung, Programm und Dienstanweisung ins Leben zu rufen. Die Konzeption der Nationalen Aktivisten sah daher die Gründung unabhängiger örtlicher Gruppen vor, die keiner einheitlichen Leitung unterstehen sollten, sondern unter einem örtlichen Führer ihre auf die lokalen Erfordernisse abgestimmte politische Arbeit leisten sollten. Etwas amüsiert verfolgte ich Jahre später eine Debatte darüber, wer denn die Konzeption der "Freien Nationalisten" entwickelt oder "erfunden" habe und damit nach der großen Verbotswelle gegen Rechts dem Nationalen Widerstand neue Aktions- und Organisationsformen eröffnet hat. Völlig zu Recht fallen hier die Namen Christian Worch und Thomas "Steiner" Wulff und ich habe nicht die geringste Absicht diesen beiden tapferen Altaktivisten irgendetwas streitig zu machen. Der historischen Wahrheit Rechnung tragend, muß aber doch darauf hingewiesen werden, daß bei den Nationalen Aktivisten zumindest in Ansätzen bereits 1982 jene konzeptionellen Überlegungen diskutiert worden waren, die dann später – nach der Verbotswelle – den Weg zur Neuorganisation des Freien Widerstandes ebneten. Interview in Harheim, 1982 So führte ich bereits im Herbst 1982 in einem Interview mit Dr. Heribert Schwan vom Deutschlandfunk aus: "...wir machen etwas anderes. Ich habe das ja vorhin auch erläutert, wie das in Zukunft aussehen soll, durch die Gründung von Aktivistenkreisen überall in Deutschland ohne bundeseinheitliche Führung, sondern Kameradenkreise, die für sich selbst im regionalen Bereich wirken. Keine bundesweite Organisation also auch deshalb bilden, weil die – wenn sie Breitenwirkung bekommt – sowieso verboten würde. Jeder soll in seinem Regionalbereich wirken." Das kann heute noch nachgelesen werden in dem Buch "Was von Hitler blieb" von Werner Filmer und Dr. Heribert Schwan, erschienen im Ullstein-Verlag, März 1983. In einer ebenfalls in diesem Buch abgedruckten Rede führte ich ergänzend aus: "Unser nächstes Ziel ist es deshalb, innerhalb eines Jahres in jeder größeren deutschen Stadt, in jeder größeren Stadt unseres besetzten Landes, einen Kameradenkreis nationaler Aktivisten zu gründen. Diese Kreise müssen in Eigenverantwortung tätig sein und in ihrer Region für unsere Sache arbeiten. Bei größeren propagandistischen Vorhaben werden sich dann jeweils mehrere Kameradenkreise zusammenfinden. Wir nehmen damit die Lehre aus dem Kampf der vergangenen Jahre an und brechen ausdrücklich mit dem Wunschdenken, man könne eine bundesweite Organisation oder Partei schaffen, zentral gesteuert mit Vorsitzendem, Statuten usw. Alle diese Versuche sind gescheitert. Zuletzt die große Hoffnung gerade vieler junger Kameraden: die VSBD. Wir haben vom politischen Gegner gelernt. Gerade was zum Beispiel die Flexibilität betrifft. Bei den großen Aufmärschen des politischen Gegners gehören nämlich auch keineswegs alle einer einzigen großen Organisation an. Aber der politische Gegner sucht in seinen Reihen nicht das Trennende, er sucht das Verbindende. Davon müssen wir lernen, das, was uns verbindet, ist Deutschland." Michael Kühnen Hier wird meines Erachtens schon sehr deutlich skizziert, wie es eigentlich weitergehen sollte und – viele Jahre später – auch tatsächlich weiterging. Daß aber zunächst allerdings eine völlig andere Richtung eingeschlagen wurde und in den nächsten Monaten doch wieder eine bundeseinheitliche Organisation bekennender Nationalsozialisten die Marschrichtung und damit auch in nie gekannter Weise die Schlagzeilen bestimmte, lag ausschließlich an jenem Mann, dessen Haftentlassung unmittelbar bevorstand und auf den so viele junge und alte Kämpfer der nationalrevolutionären Bewegung gewartet hatten: Michael Kühnen. Die Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) Hatten wir noch bei der HNG-Jahreshauptversammlung vergeblich auf das Erscheinen von Michael Kühnen gewartet, so war er nun doch endlich freigekommen und sollte zur Wintersonnenwende an den Feierlichkeiten in Mainz teilnehmen. Voller Erwartungen war ich mit meiner Fuldaer Truppe nach Mainz gekommen; auch andere Nationale Aktivisten , besonders aus Frankfurt, waren anwesend. Von keinerlei weltgeschichtlicher Bedeutung und mir trotzdem unvergesslich ist die Geschichte von meinem abgerissenen Uniformknopf, der mich Kühnen etwas später kennenlernen ließ, als die anderen. Gebannt hatten wir auf dem Thing-Platz und in der "Walhalla" getauften Unterkunft auf dem Gelände der Gärtnerei von Curt und Ursel Müller auf sein Eintreffen gewartet, als ich plötzlich feststellte, daß mir ein Knopf an meiner Uniformjacke fehlte.
Der fand sich zwar gleich wieder, da ich mich aber so nicht wohlfühlte, begab ich mich zu Ursel Müller ins am anderen Ende des Grundstücks gelegene Wohnhaus, mit der Bitte, mir den Knopf wieder anzunähen. Das tat die "Mutter der Kompanie" dann auch und ausgerechnet in dieser kurzen Zeit war Michael Kühnen eingetroffen. Begleitet von einem ganzen Troß überwiegend schwarz gekleideter Gefolgsleute seiner alten Hamburger ANS hatte er sich sofort in Richtung Thing-Platz begeben, um dort alte und neue Kameraden zu begrüßen. Als ich dann auch endlich dort eintraf, gab ihm einer der Anwesenden einen kurzen Hinweis und so kam er direkt auf mich zu, streckte mir die Hand entgegen und sagte laut und vernehmlich: "Du bist also der Thomas Brehl!? Mit Dir und dem Kameraden Marx muß ich dann gleich mal was besprechen!" Arndt-Heinz Marx, ehemaliger Libanonkämpfer der WSG-Hoffmann und Ex-VSBD-Mitglied war in bester germanischer Tradition von seinen Leuten zum Führer der Frankfurter Gruppe der Nationalen Aktivisten gewählt worden; mit ihm gemeinsam führte ich die bisher geschaffenen Strukturen an. In den letzten Monaten seiner Haftzeit hatte Kühnen nicht nur ausgiebig mit mir korrespondiert, er hatte auch immer wieder von unseren Aktionen gehört und gelesen und als er unmittelbar nach seiner Haftentlassung von Dr. Heribert Schwan für dessen Fernseh-Dokumentation "Die verdrängte Gefahr" interviewt und nach den Nationalen Aktivisten gefragt worden war, da hatte er einfach improvisiert, von guten Kontakten und einer geplanten Zusammenarbeit gesprochen. Die allerdings sollte ja jetzt erst jetzt zustande kommen... In den letzten Monaten seiner Haftzeit hatte Kühnen nicht nur ausgiebig mit mir korrespondiert, er hatte auch immer wieder von unseren Aktionen gehört und gelesen und als er unmittelbar nach seiner Haftentlassung von Dr. Heribert Schwan für dessen Fernseh-Dokumentation "Die verdrängte Gefahr" interviewt und nach den Nationalen Aktivisten gefragt worden war, da hatte er einfach improvisiert, von guten Kontakten und einer geplanten Zusammenarbeit gesprochen. Die allerdings sollte ja jetzt erst zustande kommen... Auf dem riesigen Gelände der Mainzer Gärtnerei war schnell ein ruhiges Plätzchen gefunden, eine von Kühnen abgestellte Wache sorgte zudem dafür, daß wir während unseres Gesprächs ungestört blieben. Der Organisationsgrad und die Disziplin von Kühnens alter Truppe war auch für die damalige Zeit beeindruckend. Da klappte alles wie am Schnürchen und das, obwohl er ja gerade erst aus über 4-jähriger Haft zurückgekehrt war. Überflüssig zu betonen, daß uns das mächtig imponierte. So sehr ich mich darum bemüht hatte, Kühnen kennenzulernen und mich mit ihm zu unterhalten, so wenig stand für mich schon vorher fest, daß wir eng zusammenarbeiten würden. Marx sah das – wie ich wußte – ganz ähnlich. Wir waren ja auch schon wer und hatten bereits bewiesen, daß wir eigenständig was auf die Beine stellen konnten. So ganz ohne Selbstbewußtsein und eigene Vorstellungen traten wir also nicht vor den bekannten "Neonazi-Führer".
Bereits bei diesem ersten Gespräch offenbarte sich mir jedoch die völlige intellektuelle Überlegenheit Kühnens und sein fast magisches Charisma. Hier stand ein Mann, der ganz genau wußte, was er wollte. Er hatte ein unglaubliches Hintergrundwissen, hatte sich mit allen möglichen politischen Strömungen der letzten Jahrhunderte eingehend befaßt. Er sprach mehrere Sprachen, war Bundeswehroffizier gewesen und verfügte über ein weltmännisches Auftreten, das uns allen damals fehlte. Solch einen Mann hatte nicht mal der politische Gegner aufzubieten, und so war das Beste an dieser ganzen Erscheinung: Er war überzeugter Nationalsozialist und ließ keinen Zweifel daran, daß er in dieser Weltanschauung die Zukunft Deutschlands sah. Ich mochte ihm bei seinen Ausführungen in nichts widersprechen. Alles, was er vorbrachte, erschien mir zwingend logisch und so war mir nach wenigen Minuten klar, daß es völlig unsinnig sein würde, sich diesem Mann und seinen Planungen zu verweigern oder gar gegen ihn arbeiten zu wollen. Das zeigte sich besonders im Zusammenhang mit dem einzigen Thema, bei dem wir tatsächlich andere Vorstellungen entwickelt hatten. Nämlich in der Frage, wie es weitergehen solle und ob es wirklich noch sinnvoll sei, eine bundeseinheitliche Organisation ins Leben zu rufen. Wir hatten diese Frage ja bereits mit einem eindeutigen "Nein!" beantwortet, Kühnen indes beantwortete sie mit einem ebenso eindeutigen "Ja!" und begründete dies so detailliert, daß wir noch am selben Tag seine Vorstellungen übernahmen und einem Zusammenschluß der alten Hamburger ANS mit unseren Nationalen Aktivisten zur neuen ANS/NA zustimmten und augenblicklich an die konkreten Vorbereitungen gingen. Zwar schloß Kühnen die von uns entwickelte Organisationsform nicht für alle Zukunft aus, aber zunächst – so erklärte er uns – müssten wir alle Kräfte bündeln, um aus der Isolation und aus der ständigen, ermüdenden und frustrierenden Defensive herauszukommen. Dies könnten unabhängige Kameradenkreise nicht leisten, sondern nur eine nach dem Kaderprinzip aufgebaute junge Kampfgemeinschaft mit dem eindeutigen Bekenntnis zum National-sozialismus. Er wisse, wie die Medien zu instrumentalisieren seien, deshalb könne er uns auch versprechen, daß wir mit unseren bereits vorhandenen und sicher noch schnell anwachsenden Kräften die Schlagzeilen der bundesdeutschen Medienlandschaft bestimmen würden. Er plane einen Paukenschlag, mit ständigen Aktionen, Aufmärschen, Demos und Saalveranstaltungen. Journalisten von SPIEGEL, „stern“ und anderen Printmedien würden ihn bereits mit Anfragen überschütten. Gerade jetzt sei die Chance da, mit minimalem Kräfteeinsatz eine maximale Wirkung zu erzielen. Nach höchstens einer halben Stunde fragte ich mich bereits verwundert, wie wir eigentlich auf diesen Blödsinn mit den unabhängigen Kameradschaften gekommen waren. Was Kühnen uns hier anbot, war ja nichts weniger als die aktive Teilnahme an einer – in aller Bescheidenheit – historischen Weichenstellung. Da wollten, nein, da mußten wir dabei sein. In aller Offenheit sprach Kühnen auch gleich das Thema "Verbotsgefahr" an und auch hier gab er sich keinen Illusionen hin. Wir werden mit der ANS nicht an die Macht marschieren können, aber wir können mittels dieser Truppe dafür sorgen, daß die nationalsozialistische Bewegung aus ihrer Isolation heraustritt und eine staunende Öffentlichkeit wie vom Donnerschlag erschreckt zur Kenntnis nehmen muß, daß es junge Nationalsozialisten in Deutschland gibt, die dem Verbot öffentlich trotzen, ihr Bekenntnis laut nach außen tragen und für ihren Glauben weitreichende Opfer zu bringen bereit sind. Bis das Verbot kommen würde, müßte der Gegner erstmal Material sammeln, uns beobachten, Spitzel einschleusen, Verfahren einleiten und derweil würde uns soviel Zeit bleiben, daß wir eine Entwicklung einleiten könnten, die in ihren Ergebnissen unumkehrbar sein würde. "Wir müssen die lange Nacht des Nationalsozialismus beenden!" schloß Kühnen seine Ausführungen und niemand wäre auf die Idee gekommen, ihm nun noch zu widersprechen.
So hatte ein einziges Gespräch dafür gesorgt, daß wir uns und unser Tun plötzlich in historischen Zusammenhängen betrachteten; ein unglaubliches Hochgefühl hat mich damals erfaßt, von dem ich noch lange zehrte. Hauptsächlich auch deshalb, weil Kühnen seinen theoretischen Ankündigungen sofort Taten folgen ließ. Binnen weniger Wochen standen wir im bundesweiten Medieninteresse, ganz wie es Kühnen versprochen hatte. Der Sonnwendfeier in Mainz, auf der Kühnen später auch noch zu allen anderen versammelten Kameradinnen und Kameraden gesprochen und auch hier große Begeisterung ausgelöst hatte, folgte wenig später ein Besuch bei Henry Baier in Frankfurt. Auf dessen alter Schreibmaschine tippte Kühnen dann den sogenannten "Frankfurter Appell", den Aufruf zur Einigung der nationalrevolutionären Kräfte in Deutschland. Diesen schickte er an die Medien und kündigte in diesem Kontext den Zusammenschluß seiner alten ANS mit den Nationalen Aktivisten zur ANS/NA an. In einer feierlichen Versammlung sollte dieser Zusammenschluß am 15. Januar 1983 stattfinden. Kühnens Freilassung, der "Frankfurter Appell" und die Ankündigung der ersten Versammlung der neuen Truppe hatte bereits zu einer Vielzahl von positiven Reaktionen aus den Kreisen jener geführt, die nur darauf gewartet hatten, daß es endlich richtig losgehen würde. Die Nachgeborenen mögen sich daran erinnern, daß es das alles vorher in dieser Form nicht gegeben hatte. Das war neu, das war dynamisch, das war revolutionär! Kurz: Wir alle waren vollends begeistert und wurden regelrecht mitgerissen. Das muß man einfach zur Kenntnis nehmen , um Kühnen und seine Pioniertat richtig einordnen zu können. In dieser Situation kam uns auch noch der Zufall zur Hilfe, denn zwei Tage vor unserer – von größtem Medieninteresse begleiteten – Versammlung, hatte die ARD ihre lange vorbereitete Dokumentation "Die verdrängte Gefahr" ausgestrahlt. Es gab damals nur zwei Hauptprogramme und wir kamen zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr im Ersten Programm. Kaum holten wir zur "Operation Paukenschlag" aus, da machte uns das Fernsehen schon mal vorab so richtig bekannt. Redeausschnitte und Interviews von Arndt-Heinz Marx und mir bildeten einen Schwerpunkt der Doku und auch das kurze, oben erwähnte Interview mit Kühnen wurde eingespielt. Es war herrlich. Natürlich erfuhr dieser Fernsehbericht auch eine entsprechende Nachbereitung in den Printmedien und so waren wir noch vor dem 15. Januar in aller Munde. Die offizielle Gründung der ANS/NA am 15.01.1983 Wie vorbereitet und angekündigt fand dann am 15.01.1983 in Frankfurt/M. die Vereinigung von Kühnens alter Hamburger Truppe – die aus dem "Freizeitverein Hansa" und dem "SA-Sturm "8.Mai"" hervorgegangene ANS – und unseren Nationalen Aktivisten zur legendären ANS/NA statt. Der Saal war mit schätzungsweise 80 Kameradinnen und Kameraden gut gefüllt, hinzu kamen in jenen Jahren ja auch immer zahlreiche Vertreter der schreibenden und der filmenden Zunft, wobei die Kamerateams mit ihrem ganzen technischen Gerät eine Menge zusätzlichen Platz benötigten, was bei der Auswahl der Räumlichkeiten immer berücksichtigt werden mußte. Damals war es üblich die Säle oder auch kleine Hinterzimmer unter der Firmierung "Klassentreffen" anzumieten, wobei die Wirtsleute dann am Abend des Geschehens schon manchmal erstaunt darüber waren, wer denn so alles zusammen in einer Klasse gewesen sein soll.
An diesem Abend sprachen Michael Kühnen, Arndt Heinz Marx und meine Wenigkeit, wobei es sich in den folgenden Wochen und Monaten einbürgern sollte, daß ich eine revolutionäre Brandrede hielt, während Kühnen dann in eher besonnen und ruhigen Worten über die gegenwärtige Lage, unseren Kampf und die Aussichten für die Zukunft referierte. Der "SPIEGEL" schrieb jedenfalls noch im Laufe des Jahres 1983, Kühnen sei der Vordenker der Truppe und ich "der Mann für's Grobe". Meist mußte der Chef im Anschluß noch diverse Interviews geben, während sich die Mannschaft – und hier nehme ich mich überhaupt nicht aus – bereits in gebührender Weise der Einnahme alkoholischer Getränke widmete. Das gehörte damals einfach dazu und Kritikern dieser Gepflogenheiten sei gesagt, daß auch die SA in der Kampfzeit so manches Faß aufgemacht hatte. Gerne ließen wir uns das natürlich immer wieder von alten SA-Männern bestätigen, so z.B. von Kamerad Wolfgang Teubert, der es als Alter Kämpfer bis zum SA-Standartenführer gebracht hatte und zu den Abonnenten der "INNEREN", später auch der "NEUEN FRONT" gehörte und auf der Liste derer stand, die Kühnen bei seinen zahlreichen Deutschlandfahrten immer wieder besuchte. Kühnen selbst trank wenig bis nichts, mit Alkohol hatte er nichts am Hut aber er rauchte starke filterlose Zigaretten und trank zum Essen Coca-Cola. Natürlich wurde auch das bisweilen immer mal wieder kritisiert, aber Kühnen wies dann mit schöner Regelmäßigkeit darauf hin, daß Coca-Cola im Dritten Reich sogar "NS-Musterbetrieb" gewesen sei (Anfänglich hielt ich das für einen Scherz, bis dann aus dem Hause des Dr. Frey ein Buch auf den Markt kam, das eine faksimilierte Zeitungsanzeige vom Anfang der 40er Jahre enthielt. Dort war eine Kino-Werbung für den Film "Jud Süß" abgebildet und darunter eine Coca-Cola-Reklame).
An diesem Abend des 15. Januar 1983 jedenfalls begann eine völlig neue Entwicklung; Kühnen ließ daran keinen Zweifel. Während ich es zunächst für reichlich großspurig hielt, daß Marx diesen Tag als "historisch" bezeichnet hatte, wurde mir spätestens bei Kühnens Rede klar, daß zumindest eine Wende eingetreten war und diejenigen im Saal, die bisher höchstens mal auf einer NPD-Veranstaltungen gewesen waren und nur das eingespielte Ritual der Distanzierung von Nationalsozialismus und Drittem Reich kannten, trauten ihren Augen und vor allem Ohren nicht, als Kühnen seine Rede mit den später noch oft zitierten Worten begann: "Ich war, bin und bleibe Nationalsozialist!" Das war es, was die jungen Nationalrevolutionäre hören wollten! Ein Satz, den sie sonst höchstens mal von alkoholisierten NPD'lern hinter vorgehaltener Hand gehört hatten oder aber in der abgeschotteten Atmosphäre kleiner Kameradschaftsabende. Hier aber liefen die Fernsehkameras, hier notierten Pressevertreter jedes Wort und Kühnen nahm kein Blatt vor den Mund. Daß er nicht sofort wieder verhaftet wurde, war alles, hatte aber rückblickend wohl zwei entscheidende Gründe: Erstens war man auf solch eine "Frechheit" von rechts gar nicht vorbereitet; das war neu. Zweitens wurde sehr wohl all das, was Kühnen sagte aufmerksam registriert, um es ihm dann in einem Sammelverfahren mit dem Ziel hoher Haftstrafen "um die Ohren zu hauen". Kühnen wußte das, er war sich in jeder Sekunde seines Handelns der daraus resultierenden Konsequenzen bewußt, aber er sah keinen anderen Weg, dem vollkommen in die Defensive geratenen nationalrevolutionären Widerstand zu Aufmerksamkeit und neuem Selbstbewußtsein zu verhelfen. Die anwesenden Kameradinnen und Kameraden waren durch die Bank begeistert und ich würde weiß der Teufel was dafür geben, wenn ich diese – oder eine der kurz darauffolgenden – Veranstaltung(en) noch mal miterleben könnte. An diesem Abend lief nochmal alles störungsfrei, wir hatten den Überraschungseffekt auf unserer Seite. Später sollte es immer schwerer werden, ungestörte Versammlungen im Großraum Frankfurt abzuhalten. Schlagzeilen wie "Zum Klassentreffen kamen Neo-Nazis" oder "Die Kühnen-Bande wurde aufgestöbert", gehörten bald zum Frankfurter Pressealltag. In der Folge des 15. Januar 1983 raschelte es jedenfalls im "Blätterwald" und auch das Fernsehen brachte immer wieder die Bilder dieses "Vereinigungsparteitages" und wer sie vielleicht mal irgendwann sehen sollte, der achte bitte auch auf den bereits damals anwesenden und unsere Aktivitäten von nun an stets begleitenden Kameraden Ritterkreuzträger Otto Riehs. Inhaltlich, das sei der Vollständigkeit halber noch angemerkt, hatte Kühnen die neue Konzeption in leichtverständlichen Worten nochmal dargelegt und alle zur Unterstützung unserer Arbeit aufgerufen. Der Abend endete in einem vorher von mir so noch nicht erlebten Gefühl des Aufbruchs, des revolutionären Schwungs, des endgültigen Zurücklassens jahrzehntealten Ballasts und vor allem in der mystischen Zuversicht, daß nunmehr eine Entwicklung begonnen habe, die erst mit dem Ende der morschen Nachkriegsordnung ihren Abschluß finden werde; jener Nachkriegsordnung, die wir aus tiefster Seele ablehnten.... Die "Belagerung" in Mainz:
Eine erste Bewährungsprobe für die neue Truppe sollte jene Belagerung des Anwesens von Curt und Ursel Müller werden, die die vereinigte Mainzer Linke zum 50. Jahrestag der Machtergreifung Ende Januar 1983 initiiert hatte. Die Gärtnerei unserer Kameraden Curt und Ursel Müller war den Berufsantifaschisten bis weit über's Rhein-Main-Gebiet hinaus ein steter Dorn im Auge. Nun endlich wollten sie im großen Stil zum Gegenschlag ausholen und so planten sie eine mehrtägige Belagerung des gesamten Geländes mit riesigem Rahmenprogramm wie Info-Tische, Podiumsdiskussionen, Musikabende usw. usf. Curt und Ursel hatten daher alle verfügbaren Kameradinnen und Kameraden gebeten, ebenfalls ein Zeichen zu setzen und so zahlreich wie möglich in Mainz zu erscheinen. Nun waren das natürlich nicht alles ANS'ler, die da unseren bedrängten Kampfgefährten zur Hilfe eilten, aber die gerade erst unter großem Mediengeheul gegründete ANS/NA stellte natürlich ein großes Kontingent der Wachmannschaften. Aus der gesamten Gärtnerei war innerhalb kürzester Zeit ein wahres Heerlager geworden. Der Thingplatz war Rückzugsgebiet, in der "Walhalla" standen Schlafplätze zur Verfügung und Ursel kochte riesige Kübel mit Eintopf. Fast alle Aktivisten waren militärisch gekleidet und ausgerüstet; so ähnlich mag es bei den Freikorps nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ausgesehen haben, als diese an den Grenzen Deutschlands zu Schutz und Schirm des Reiches angetreten waren.
Das Polizeiaufgebot war riesig, Zusammenstöße sollten verhindert werden. Vor allem aber erwartete man "neonazistische Provokationen", auf die man "in geeigneter Weise" reagieren wollte, was nichts anderes hieß, als daß man auf Straftaten aus dem Kameradenkreis wartete, um einen Grund zum rigorosen Einschreiten zu haben. Bei sovielen "Nazis" auf einem Haufen mußte es ja sowieso zu ständigen Verstößen gegen die einschlägigen Paragraphen kommen. Diese ganze Intension war natürlich auch dem Curt nicht verborgen geblieben, der darauf in einmaliger Weise reagierte: Statt verbotener Fahnen wehten am Grundstück und am Wohnhaus riesengroße Mainzer Karnevalsfahnen. Seit dem 11.11. um 11.11 Uhr hatte ja die neue Fastnachtssaison begonnen und so dröhnten auch statt der vom Gegner erwarteten verbotenen Kampflieder, plötzlich lustige Karnevalsschlager aus den eigens von Curt angebrachten großen Lautsprechern. Vorne am Tor, wo früher schon mal "böse Nazipropaganda" angebracht worden war, hing jetzt ein supergroßes Transparent mit der Aufschrift "Mai Rotzfan", was nicht – wie von vielen gedacht – die südhessische Bezeichnung für "Mein Taschentuch" symbolisierte, sondern die Abkürzung für "Mainzer-Rote-Zelle-Fastnacht" bedeutete. Bevor also der ganze Zinnober losging, waren wir alle schon bester Laune. Kamerad "Ente" aus Berlin hatte mal wieder seine "Quetschkommode" mitgebracht, sodaß wir auch ohne Strom für schönste Musikuntermalung sorgen konnten. Das paßte den versammelten Betroffenheitsspezialisten natürlich überhaupt nicht. 50. Jahrestag der Machtergreifung der Nazis, alles ganz furchtbar für diese Burschen und dann die "Neo's" mit bester Laune und Fastnachtsstimmung; das kann einem die Trauermiene aber auch wirklich nachhaltig verhageln. Na ja, eine Wunderwaffe hatten sie noch im Ärmel, die Gutmenschen aus dem linken Zeltlager. Überall hatten sie plakatiert: Heute kommt Leo Heidemann in seinem Ehrenkleid von Dachau. Mein Nachbar am Tor fragte mich dann auch mit gespieltem Erstaunen, wie die Linken es geschafft hätten, jemanden in SS-Uniform auftreten zu lassen, aber selbstverständlich wußten wir, was die mit dem "Ehrenkleid von Dachau" meinten; der Mann kam in seiner KZ-Kleidung. Ich schreibe das hier nun wirklich nicht, um irgendeinen übereifrigen Staatsanwalt zum Einschreiten zu zwingen oder sonstwen zu provozieren, aber was sich zugetragen hat, wird man nach fast 25 Jahren ja auch so berichten können. Pech für die Vergangenheitsbewältiger war, daß ausgerechnet in diesem Jahr ein schon älteres Lied von Vicky Leandros erneut die Runde machte und gerade auch im Karneval häufig und laut gesungen wurde. Es war ihr berühmtes "Theo, wir fahr'n nach Lodz", das bei unseren braunen Mainzer Hofsängern sehr schnell zum "Leo, wir fahr'n nach Lodz" wurde. Nicht nur, daß Heidemann ja Leo hieß, in Lodz hatte es ja auch ein recht bekanntes Ghetto gegeben...wahlweise wurde dann auch noch "Leo, wir fahr'n nach Litzmannstadt" gesungen, denn Lodz hieß von 1940 - 1945 Litzmannstadt, benannt nach General Karl Litzmann, der am 24. November 1914 mit dem Durchbruch bei Brzeziny die Schlacht von Lodz zu Deutschlands Gunsten entschieden hatte. Natürlich wird im Rückblick möglicherweise auch ein Linker die Belagerung vom Januar 1983 als Erfolg werten. Sie hatten ja ein immenses Medieninteresse auf sich gezogen – von dem wir allerdings auch wieder profitierten –, hatten die Bevölkerung in ihrem Sinne zu beeinflussen versucht, hatten Unmengen "antifaschistischen Materials" unter die Leute gebracht, ein reiner "Schlag ins Wasser" war es also auch für die Linken nicht, aber ihr erklärtes Ziel "Schließung des Nazi-Treffpunkts" hatten sie ebensowenig erreicht, wie eine strafrechtliche Verfolgung unserer Aktivitäten.
Mir ist nicht eine Verurteilung bekannt geworden, nicht einmal ein Strafverfahren im Zusammenhang mit unserer stimmungsvollen Gegenwehr gegen diese auch für uns einmalige Aktion. Wenn auch der vorzeitige Abbruch ihrer Belagerung nicht unser Verdienst war, so sorgte er doch für ein abschließendes Stimmungshoch bei allen beteiligten Kameraden. Denn während wir in stabilen Bauten hausten, hatten die Linken in Sichtweite vom Grundstück der Müllers eine Zeltstadt errichtet. Und als lange vor dem eigentlichen Ende der auf mehrere Tage veranschlagten Belagerung plötzlich ein Unwetter ungeahnten Ausmaßes losbrach, da konnten wir uns in geschützte Räume zurückziehen, während die Antifatzkes nur noch ihren davonfliegenden Zelten hinterherwinken konnten. Binnen Sekunden hatte der Sturm die Zelte aus ihrer Verankerung gerissen und die teure Musikanlage war den Unbilden der Witterung schutzlos ausgeliefert. Alles wieselte wie wild durcheinander, in kürzester Zeit hatten sich Sturzbäche gebildet und das gesamte Gelände in eine Morastlandschaft verwandelt. Selbst als sich die Wetterlage wieder beruhigt hatte, war aufgrund der großen Schäden an eine Wiederaufnahme der Aktion nicht mehr zu denken. Betröpfelt – im wahrsten Sinne des Wortes – zogen die Initiatoren und der Rest ihres Anhangs davon. Natürlich konnten wir nicht das Wetter beeinflussen oder waren da am Ende auf dem Thingplatz doch Germaniens Götter beschworen worden...? Es können an dieser Stelle natürlich nicht alle Veranstaltungen aufgezählt werden, die damals stattfanden. Als sei äußerste Eile geboten, hetzte Kühnen von Termin zu Termin, war praktisch auf permanenter Deutschlandfahrt, gründete Kameradschaften und sprach auf offiziellen und inoffiziellen Treffen. Ab Mai war ich dann fast überall dabei, da nämlich war ich arbeitslos geworden und hatte die Firma in gegenseitigem Einverständnis verlassen. Die Hürde mit der Ausstrahlung der "Verdrängten Gefahr" hatte ich noch nehmen können, denn als ich am darauffolgenden Montag an meinen Arbeitsplatz zurückgekehrt war, traf ich auf den obersten Chef des Unternehmens, der die Sendung zwar selber nicht gesehen hatte, von anderen aber selbstverständlich darauf aufmerksam gemacht worden war. "Na ja, sie sollen sich ja recht moderat geäußert haben...", kommentierte er den Vorgang und die Sache war zunächst mal erledigt. Nun bekam man in der Firma natürlich nicht alles von meinen politischen Aktivitäten mit, spätestens aber wenn wir wieder in Bad Hersfeld zur Ehre und zum Schutz der Waffen-SS Veteranen der Divisionen "Leibstandarte" und "Hitlerjugend" aufmarschieren würden, hätte die Fuldaer Lokalpresse groß berichtet, denn Bad Hersfeld liegt gerade mal 48 Kilometer von Fulda entfernt. Ich wollte dem ganzen die Spitze nehmen und die Firmenleitung vorab informieren. Dazu war ich natürlich in keiner Weise verpflichtet, aber ich wollte meine Arbeit behalten und dachte mir, wenn sie es vorher wissen, wird's nachher nicht so schlimm werden. Also sprach ich den Personalchef der Firma vor seinem Büro an und fragte ihn, ob er ein paar Minuten Zeit für mich habe. Freudig lächelnd bat er mich in sein Büro und als ich ihm sagte worum es ging, wich das verbindliche Lächeln sehr schnell aus seinem Gesicht. Ob ich bei der SS gewesen sei, fragte er süffisant und was mich das alles angehe? Ich versuchte ruhig zu bleiben, erklärte ihm mein Anliegen und wies auch darauf hin, daß ich lediglich beabsichtige meine Grundrechte wahrzunehmen und daß das die Firma ja eigentlich gar nichts anginge. Es half nichts, Herr A., der stolz darauf war, daß keiner seiner Brüder in der Hitler-Jugend gewesen war, riet mir dringendst ab, an dieser Sache teilzunehmen, andernfalls müßte ich die Konsequenzen tragen. Das war natürlich vergebliche Liebesmüh', die Entscheidung war ja längst gefallen.
Bad Hersfeld, die Zweite... Nachdem wir ja im Vorjahr – damals allerdings noch ohne Kühnen – geübt hatten, wollten wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, erneut in Bad Hersfeld Flagge zu zeigen, zumal der linke Widerstand gegen die SS-Veteranen-Treffen immer stärker und militanter wurde. Diesmal sollten auch wir das zu spüren bekommen... Auch in diesem Fall hatte ganz allmählich eine Wandlung eingesetzt, ähnlich wie bei den Treffen der WIKING-JUGEND in der Rhön. Auch die SS-Veteranen waren anfänglich von den Honoratioren der Stadt begrüßt worden. In einer Zeit als die ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS von Bundeskanzler Adenauer noch als "Soldaten wie andere auch...!" bezeichnet wurden und der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt – im Kriege selbst Offizier der Luftwaffe – noch auf Treffen der HIAG (Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS) Reden geschwungen hatte, wäre die später einsetzende Verunglimpfung dieser Tapfersten der Tapferen noch undenkbar gewesen, jetzt aber...
Die Vorbereitung für unsere Aktion, die insgesamt zwei Tage dauern sollte und aus einem offiziellen (Straßenaktion) und inoffiziellen Teil (Redebeiträge, Gründung der "ANS-Kameradschaft 8, Bad Hersfeld") bestehen sollte, lag in meinen Händen. Nicht zuletzt wegen der örtlichen Nähe zu Fulda. Ich besorgte mir erstmal einen Stadtplan und zeichnete alle Objekte ein, die bei unserem Unternehmen eine Rolle spielen würden oder könnten (es ist schon manchmal ganz gut, bei einer Polizeitruppe gedient zu haben). Zu diesen Objekten gehörten in erster Linie unser eigener Treffpunkt, also das Lokal, wo wir uns zunächst versammeln wollten, dann natürlich der Treffpunkt der Linken (Marktplatz) und das Hotel, wo die Veteranen ihre Tagung abhalten würden. Überdies die Polizeistation und die Verbindungswege zwischen allen Objekten. Bad Hersfeld war und ist eine Kleinstadt und so war die Lage rein theoretisch recht übersichtlich. Einige Tage vor dem eigentlichen Aufmarsch, machte ich mich mit den Örtlichkeiten vertraut, mein Fahrzeug hatte ich schon gegen linke Angriffe abgesichert, was sich am "Tag-X" noch als gute Idee herausstellen sollte. In "unserem" linken Fuldaer Buchladen hatte ich mich mit einer Unzahl von szenetypischen Aufklebern eingedeckt und diese hatte ich dann vorsichtig über die ganzen rechten an meinem Auto gepappt. Statt Odalrune prangte da plötzlich die "Anti-Atomkraftsonne", statt "Laßt Heß frei!" las man plötzlich "Nazi-Banden zerschlagen!" und ähnliches. Wenn die Antifa in Hersfeld Jagd auf Autos machen sollte, dann bitte nicht auf meines... Da ich allerdings befürchtete, der ganze Ort könnte sich im Zuge unseres geplanten Aufmarsches in einen "Hexenkessel" verwandeln, suchte ich uns auch einen ruhigen, rückwärtigen "Hauptgefechtsstand" aus, in den wir uns so oder so würden zurückziehen können. Aus meiner alten Fuldaer Stammkneipe, die auch das Stammlokal der Fuldaer Stadtbusfahrer war, kannte ich einen dieser Busfahrer und wußte, daß er nebenberuflich in einem kleinen Ort zwischen Hünfeld und Bad Hersfeld selbst eine Kneipe betrieb; in seiner Abwesenheit kümmerten sich seine Frau und der Rest der Familie um die kleine Gastronomie. Diese Kneipe sollte unser Versammlungslokal nach hoffentlich gelungener Aktion sein, ihr Name "Zum Kühlen Grund", der Name des kleinen Dorfes: Wehrda. Am Pfingstsamstag 1983, dem 21. Mai, trafen unsere Kameraden so nach und nach in der Bad Hersfelder Kneipe ein, nach Wehrda würden wir erst nachher fahren, das brauchte im Moment noch gar keiner zu wissen. Diesmal waren wir schon gut doppelt so viele wie im Jahr zuvor und einige der im Rückblick "alten Haudegen" lernte ich anläßlich dieser Aktion erst kennen. Besonders erwähnt werden muß hier die Münchner Gruppe um Fred Eichner, der mit Fug und Recht als einer von den Treuesten der Treuen bezeichnet werden kann und zu Kühnens Gewährsmann in der alten "Hauptstadt der Bewegung" werden würde. Die "Kameradschaft 16" der ANS/NA wurde zur Legende und über all die Jahre im stetigen auf und ab der politischen Turbulenzen, konnte sich Michael Kühnen immer auf "seine Münchner" und Fred Eichner verlassen. Auch nach Kühnens Tod sollte sich meine Kameradschaft zu Fred Eichner fortsetzen und das bis zum heutigen Tage. Ich war – gerade in den dunkelsten Stunden unseres Kampfes – immer froh, solche Mitstreiter zu meinen besten Kameraden zählen zu können. Mittlerweile war unser Treffpunkt gerammelt voll und wir hielten eine kurze Saalveranstaltung ab. Die Flugblätter wurden ausgegeben und alle wollten nur noch eines: Durch Bad Hersfeld marschieren, Flagge zeigen und ein Zeichen für die Veteranen der Waffen-SS setzen; allen Anfeindungen linker Berufsantifaschisten zum Trotz. Aber nicht nur unsere Anzahl hatte sich verdoppelt, auch der politische Gegner hatte in einer für diese Region bisher unbekannten Dimension mobilisiert. Das hatten wir den Gewerkschaften zu verdanken und da mittlerweile natürlich bekanntgeworden war, daß die Kühnen-Truppe marschieren würde, bot man auch auf der Gegenseite einiges an Prominenz auf. An vorderster Front waren dies die bekannten Schauspieler Eva Renzi (eigentlich: Evelyn Renziehausen) und Friedrich Schütter, ein begeisterter Anhänger der "Frankfurter Schule", der überwiegend linkes Theater spielte, der breiten Masse der Bundesbürger aber dennoch bestens bekannt war, weil er neben seiner Darstellung in einigen Krimirollen auch dem Bonanza-Darsteller Lorne Greene, alias Ben Cartwright, seine rauchige Stimme lieh. Schütter sollte sich an diesem Tag noch als Oberhetzer hervortun und auch Eva Renzi nahm kein Blatt vor den Mund, aber vorerst ahnten wir noch gar nicht, was uns bevorstand und so wollten wir guter Dinge und mit Michael Kühnen an unserer Spitze den Treffpunkt verlassen, um unseren "Marsch durch Bad Hersfeld" zu beginnen. Da hatten wir aber zunächst mal die Rechnung ohne den Wirt gemacht, der in Gestalt der Staatsmacht aufmarschiert war und binnen Minuten unser Versammlungslokal in der Hersfelder Innenstadt vollkommen abgeriegelt hatte. Für mich war ziemlich sicher, daß man uns solange wie möglich festhalten würde, schon allein um ein Zusammentreffen mit den Linken zu verhindern, deren Zahl im Radio mittlerweile mit 5.000 angegeben wurde (am Ende sollten es dann 8.000 sein und 60 Einzelgruppen rühmten sich anschließend der Organisation!), während wir es auf ca. 120 Aktivisten brachten. Für einen gewaltsamen Durchbruch gab es keine Chance, die Staatsmacht hatte nichts Gutes geahnt und so standen unüberschaubare Massen von Bereitschaftspolizisten in ihrer GSOD-Kleidung (GSOD = Großer Sicherheits- und Ordnungsdienst) vor dem Lokal, bereit, jede unserer Eigenmächtigkeiten im Keim zu ersticken. Einige Kameraden resignierten schon und auch ich neigte zur Aufgabe, wußte ich doch, daß wir uns in jedem Fall noch in die in Wehrda angemieteten Räumlichkeiten zurückziehen und dort einen zünftigen Kameradschaftsabend würden abhalten können. Doch so einfach war das mit Kühnen nicht zu machen; er bat um Begleitung und eilte vor die Tür. Ich teilte zwei oder drei Leute ein und folgte ihm mit diesen auf dem Fuß, die anderen erhielten den Befehl Ruhe zu bewahren und abzuwarten. Kaum war der Chef vor die Gaststätte getreten, da stürmten auch schon einige Beamte auf ihn zu. "Ich möchte bitte sofort den Einsatzleiter sprechen!" sagte Kühnen durchaus verbindlich, wohl aber in einer Tonart die seine Entschlossenheit unterstrich. Es dauerte einen Moment bis man den verantwortlichen Einsatzleiter hergerufen hatte und als er eintraf, bat ihn Kühnen zu einem Vieraugengespräch. Ich konnte die beiden sich unterhalten sehen, verstand aber trotz der Nähe durch die allgemeine, von den Polizeieinsatzkräften verursachte Geräuschkulisse, nicht, was da gesprochen wurde. Immer wieder sah ich Kühnen gestikulieren und den Polizeioffizier mit dem Kopf schütteln. Nach einigen Minuten wurde das Gespräch offensichtlich sachlicher und ruhiger, ich bemerkte kaum noch Gesten und das dauernde Kopfschütteln wich einem immer häufigeren Kopfnicken des Einsatzleiters. Nach schätzungsweise 10 Minuten kam Kühnen zu uns zurück und sagte: "Ich hab's geschafft, die lassen uns tatsächlich marschieren!" "Das gibt's doch gar nicht!" antwortete ich erstaunt und wir gingen zurück zu unseren Kameraden, denn es galt jetzt keine Zeit mehr zu verlieren. Möglicherweise hielt der Chef der Bereitschaftspolizei ja Rücksprache mit dem Innenministerium oder er überlegte es sich ganz einfach noch mal anders!? Diese Chance bekam er von Kühnen aber nicht... Nach einer kurzen, präzisen Befehlsausgabe nahmen wir als geschlossener Block Aufstellung vor der Kneipe und auf ein Zeichen Kühnens marschierten wir los. Begleitet wurden wir – in gebührendem Abstand – von einer nicht abzuschätzenden Zahl von Bereitschaftspolizisten und einem ganzen Troß von Journalisten – auch ein Kamerateam fand sich noch ein. Mit diesem Aufmarsch löste Kühnen wieder einen Teil seiner in Mainz gemachten Versprechungen ein, wieder würden wir mit minimalem Aufwand größtmögliches Aufsehen erregen. Leider sollte diesmal die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit teuer erkauft werden müssen....
Statt uns eine Marschroute vorzugeben, ließ man uns den Weg bestimmen, vielleicht dachte man auch, daß wir uns ja ohnehin nicht auskennen würden aber ich hatte mir den Stadtplan ganz genau eingeprägt und wußte wo der Marktplatz lag und daß sich da die ganzen Linken zu ihrer großen "antifaschistischen Kundgebung" versammelt hatten. Zunächst aber lenkte ich unseren Marsch zu dem großen Hotel, in dem sich die Veteranen trafen, deretwegen wir ja eigentlich hier waren. Ins Hotel ließ man uns aber nicht, das Personal hatte wohl den Auftrag alles abzuwimmeln, was da auftauchte, die alten Frontsoldaten rechneten ja auch gar nicht mit Sympathisanten, nur mit Gegnern. Als wir weitergingen, trafen wir dann aber doch noch auf eine Gruppe älterer Herren in Begleitung ihrer "besseres Hälften". Wir drückten ihnen unsere Flugblätter in die Hand, einige steckten sie gleich ein, andere begannen zu lesen. Wir setzten unseren Weg fort und als die Frau eines alten Kämpen begriffen hatte, daß wir für die Waffen-SS und nicht gegen sie demonstrierten kam sie uns nachgerannt und gab ihrer Freude und Begeisterung Ausdruck. Mit etwas wehmütigem Blick fragte sie mich dann noch, wo wir denn die ganzen Jahre gewesen seien und ich antwortete ihr, daß wir ja noch jung und jetzt ja auch da seien. Glücklich lächelnd ging sie zu ihrem Mann zurück. Ich fragte Kühnen sicherheitshalber nochmal, ob wir nun wirklich zum Marktplatz marschieren sollten und der Chef meinte nur, daß wir schon ausnutzen müßten, daß die von ihm liebevoll "Bullerei" genannte Ordnungsmacht uns gewähren lassen würde. So marschierte also die ANS/NA unter der Führung von Michael Kühnen mit ca. 120 wehrfähigen Männern auf 8.000 zum Teil höchst militante Linke zu. "Willkommen im Abenteuerland!" möchte man ausrufen. Wir konnten den Marktplatz noch gar nicht sehen, da brandete uns schon die gewaltige Geräuschkulisse der Gegendemo entgegen. Ben Cartwright, alias Friedrich Schütter stand wohl mit einem großen Megaphon oder einer Lautsprecheranlage im Zentrum des Geschehens und jene Stimme, die sonst bestenfalls mal sagte "Hoss, hol schon mal die Pferde!" oder "Hop-Sing, mach uns mal 'n Kaffee!" hetzte nun in groben Worten gegen die Veteranen der Waffen-SS und ihre "neofaschistische Kühnen-Hilfstruppe". Man muß zur Ehrenrettung dieses Mannes zwar noch vermerken, daß er kurze Zeit später, als der Sturm losbrach noch verzweifelt über die Lautsprecheranlage zur Mäßigung aufrief, aber er hatte schließlich die Geister gerufen, die er nun nicht mehr loswurde...
Als wir nun endlich in Sichtweite des Marktplatzes erschienen, kam sofort Bewegung in die militante Fraktion und die ersten Farbbeutel flogen. Betroffen war von diesem "bunten Treiben" aber zunächst mal nur die Polizei, die ersten Beamten sahen bald nicht mehr grün, sondern wie aufgescheuchte Papageien aus. Wäre es bei Farbbeuteln geblieben, wäre es ja auch gut gewesen... Plötzlich aber griffen die Roten an und zu unserem Entsetzen waren sie mit Schlagstöcken und sogar Eisenstangen bewaffnet. "Bleibt zusammen!" rief Kühnen "...sonst haben wir keine Chance!" und so versuchten wir in dem ganzen Tohuwabohu eine gewisse Ordnung zu bewahren und vor allem nicht die Nerven zu verlieren. Plötzlich prügelte alles durcheinander und es dauerte eine ganze Zeit, bis die Ordnungskräfte den polizeilichen Notstand wieder im Griff hatten. Trotz der letztendlich ja doch unerwartet heftigen Auseinandersetzung, gelang uns dann doch noch ein halbwegs geordneter Rückzug und zunächst glaubten wir, daß wir mit einigen Leichtverletzten davon gekommen seien. Leider war dem nicht so, einen norddeutschen Kameraden hatten die "gewaltfreien, linken Menschenrechtler" leider voll erwischt, zum ersten – und leider nicht zum letzten – mal hatten wir einen schwerverletzten Kameraden zu beklagen; er hatte eine Eisenstange über den Schädel bekommen und einen doppelten Schädelbasisbruch erlitten. Seinen Namen werde ich nicht vergessen, auch wenn ich ihm später nicht mehr begegnet bin. Es hieß Thomas Kettenacker und stammte aus Lüchow-Dannenberg. Erstmal raus aus dem bürgerkriegsähnlichen Geschehen, lief alles wieder nach Plan, jetzt zogen wir uns in die vorher von mir angemietete Kneipe in Wehrda zurück und ließen Bad Hersfeld hinter uns. Von einem lustigen Kameradschaftsabend konnte natürlich angesichts der Vorkommnisse nicht die Rede sein; eine gewisse lockere Stimmung kam erst später wieder auf, als Kühnen aus dem Krankenhaus die Meldung bekam, daß die Verletzungen des Kameraden Kettenacker zwar schwer, aber nicht lebensgefährlich seien. So blieb uns wenigstens ein weiterer Blutzeuge erspart.
Kühnen hielt dann noch eine kurze Rede und zog ein Resümee des Tages. Wir hatten mehrere demolierte Fahrzeuge, einige Leichtverletzte und den einen Schwerverletzten zu beklagen, aber auch einige Linke hatte es übel erwischt. Dafür war allerdings die Polizei verantwortlich, die sich gegenüber den Linken aber eindeutig in einer Notwehrsituation befunden hatte. Die Medien hatten jedenfalls wieder reichlich zu berichten und die meisten der Journalisten hatten wir in Bad Hersfeld zurückgelassen. Ein besonderer Schreiberling aber hatte uns in den "Kühlen Grund" begleitet, es war ein Herr Schütte von der "Quick", einer Illustrierten in etwa mit dem "stern" vergleichbar, wenn auch mit mehr barbusigen Schönheiten ausgestattet, als das Hamburger Pendant. Ich habe es ja im Laufe meines politischen Lebens mit einer Menge Journalisten zu tun gehabt, aber dieser Schütte ist doch einer der üblsten Vertreter seiner Zunft gewesen. In einer geradezu vertraulichen Art hatte er uns angesprochen und uns einen "fairen Bericht" versprochen. Nun waren wir auch damals nicht mehr so naiv, als daß wir das geglaubt hätten, aber Schütte überbot sogar noch unsere Lieblingsfeinde Kromschröder und Poelchau vom "stern". "Herr Kühnen, ich will endlich mal schreiben, wie sie wirklich sind, was sie denken, ihre Beweggründe, daß die Menschen sie verstehen..." mit solchen und ähnlichen Worten versuchte sich der Schreiberling einzuschleimen. Kühnen gab ihm dann ein Interview und als in der Woche darauf dann die neue "Quick" erschien, fielen wir aus allen Wolken. Schütte brachte ein "Interview", das er vom ersten bis zum letzten Satz erfunden hatte; da stimmte nichts und ich hätte es kaum geglaubt, wenn ich nicht während des Gesprächs zwischen Kühnen und Schütte daneben gesessen und jedes Wort mitgehört hätte. Einige Zeit später ist uns dann dieser feine Journalist nochmal begegnet. Als nämlich der große Münchner Prozeß gegen Friedhelm Busse und andere wegen der "Schießerei in Waldperlach" stattfand, war auch Herr Schütte im Gerichtssaal. Den allerdings zog er vor im Eiltempo zu verlassen, als er uns kommen sah. Ich habe dann auch nie mehr von ihm gehört...
Wie geplant verblieben wir weiter in Wehrda und führten am anderen Tag noch eine völlig geordnete Saalveranstaltung ohne weitere Störungen durch. Zwar überwachte uns die Staatsmacht, aber in der Kneipe selbst hielten wir unsere "Geschlossene Gesellschaft" ab, gründeten unsere "ANS- Kameradschaft 8, Bad Hersfeld" unter ihrem Kameradschaftsführer Klaus Bode und lauschten den Worten unseres Ritterkreuzträgers Otto Riehs, der natürlich auch wieder mit von der Partie war. Nach mir hielt dann auch Kühnen erneut eine Rede und konnte wieder gute Nachrichten aus dem Krankenhaus verkünden: Dem Kameraden Kettenacker ginge es den Umständen entsprechend gut, er habe das Bewußtsein wieder erlangt und sei auf dem Weg der Besserung. So kam allmählich doch wieder Stimmung auf... Diese Stimmung verbesserte sich in den nachfolgenden Tagen noch erheblich. Nicht nur, daß unser Aufmarsch eine riesige Medienresonanz erfahren hatte, nun waren sich auch noch die ganzen Gutmenschen unseretwegen in die Haare geraten. Die Junge Union (JU) Bad Hersfeld hatte einen wütenden Brief an den DGB-Kreisvorsitzenden Julius Klausmann geschrieben und darin hieß es: "Ihr Ziel, die Verhinderung von nationalsozialistischen Tendenzen, hat sich durch ihre Aktivitäten in das genaue Gegenteil umgekehrt. Sie haben durch Ihre Äußerungen und Taten (...) dafür gesorgt, daß das Ansehen und der Ruf der Kreisstadt Bad Hersfeld bis über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus in Mißkredit geraten ist. Mit diesem Schreiben fordert Sie die JU Bad Hersfeld auf, Ihr Amt niederzulegen." Es waren Äußerungen wie diese, die die JU erbost hatten: "...Wir haben durch die Aussagen von Kühnen nachweisen können, daß die Jungnazis finanziell von der Waffen-SS, durch die Leibstandarte, also durch die alten HIAG-Verbände finanziert werden. Damit wurde deutlich, daß neues kriminelles Gedankengut finanziert und unterstützt wird. Sonst könnte es sich nicht am Leben erhalten." Natürlich hatte Klausmann hier ins Blaue geschossen, das stimmte einfach nicht, aber dadurch, daß er nun auch "offiziell" eine Verbindung zwischen den Traditionsverbänden der Waffen-SS und unserer jungen Garde herstellte, war der Skandal umso größer. Eva Renzi bekam im Anschluß auch noch ihr Fett weg, sie hatte nämlich den damaligen Bundespräsidenten und vormalige Mitglied der NSDAP, Carl Carstens, als "alten Nazi" bezeichnet und bekam deshalb die fristlose Kündigung ihres Vertrages für die Bad Hersfelder Festspiele. Verantwortlich für diese Kündigung war der zuständige Intendant Hans Gerd Kübel, dem nun im Gegenzug das gesamte Ensemble vorwarf, er habe sich nicht von dem SS-Treffen distanziert. 35 Schauspieler entzogen Kübel das Vertrauen, die bundesweit bekannten Bad Hersfelder Festspiele gerieten in Gefahr. Also besser konnte es ja für uns gar nicht laufen... Wie nachhaltig das SS-Treffen und unser Aufmarsch auf diese kleine deutsche Stadt gewirkt haben, mag abschließend noch die Tatsache verdeutlichen, daß Hartmut Boehmer der im Jahre 1996 erneut Bürgermeister von Bad Hersfeld wurde, bei seiner Antrittsrede im Mai 1996, also 13 Jahre (!) nach den Vorkommnissen, noch einmal darauf einging. Regelrecht weinerlich bemerkte er: "Als Scherbenhaufen für unsere Stadt sehe ich besonders die Ereignisse vom Frühsommer 1983 an. Es ist der Stadt damals schwerer Schaden zugefügt worden. (...) Und deshalb entschuldige ich mich, soweit ich für die Ereignisse im Frühsommer 1983 Verantwortung getragen habe und versichere, alles zu tun, damit solches sich nicht noch einmal in unsrer Stadt abspielen wird." Die Gründung der ANS/BO in Bad Bergzabern Eine der schönsten und wegen des überlieferten Bildmaterials auch einprägsamsten Veranstaltungen, die die ANS/NA während ihres kurzen Bestehens durchgeführt hat, ist ohne Zweifel jene zur Gründung der ANS/BO in Bad Bergzabern am 30. April 1983.
War es in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen, daß unsere Kameraden aus den bestehenden Gewerkschaften geworfen wurden, wenn ihre politische Betätigung ruchbar wurde, so wollte Michael Kühnen diesen Umstand dazu nutzen, in altbewährter Politprovokation nach dem Vorbild der nationalsozialistischen Betriebszellenorganisationen (NSBO) auch eine solche unter der Schirmherrschaft der ANS ins Leben zu rufen. Kurze Zeit vorher war auch mein Stellvertreter als Fuldaer Kameradschaftsführer, der bereits mehrfach erwähnte Kamerad Dieter Weißmüller, aus der Industriegewerkschaft "Bau, Steine, Erden" ausgeschlossen worden. "Werden unsere Kameraden aus den bestehenden Gewerkschaften geworfen, dann gründen wir eben unserer eigenen!" war Kühnens Antwort auf dieses Vorgehen. Und welches Datum erschien besser geeignet für einen solchen Schritt als der 1. Mai, der alte Kampftag der Arbeiterbewegung. So rief also Kühnen die Mitglieder unserer Truppe dazu auf, am Vorabend des 1. Mai 1983 nach Bad Bergzabern zu kommen, um dort eine Vorläuferorganisation der neuzubildenden Freien Gewerkschaftsbewegung aus der Taufe zu heben. Das Medieninteresse war gewaltig und so oft später noch Bilder von ANS-Veranstaltungen in allen Medien erschienen, viele davon stammten von der Veranstaltung in Bad Bergzabern. Die Gaststätte, den eigentlichen Tagungsort also, hatten wir wie immer bis zuletzt geheimgehalten. Treffpunkt war eine Autobahnraststätte, von wo aus wir uns in Kolonne zu jenem verschlafenen Bad Bergzabern bewegten, wo seit 1945 wohl kein Schuß mehr gefallen war. Bei uns hieß das noch Mot.-Marsch und wurde mit "Beleuchtungsstufe Zwo" durchgeführt. Na ja, das mit der Verschlafenheit hatte sich in jenen Tagen grundsätzlich spätestens dann erledigt, wenn wir auftauchten, manchmal reichte auch die pure Ankündigung. Schon der Autobahnrastplatz wimmelte von Pressevertretern aller Art. Einige der Journalisten kannte man inzwischen durch die fortgesetzte "Zusammenarbeit", man sah sich ja ständig, denn es war immer was los. Aber auch die Anwesenheit eines englischen Fernsehteams wunderte niemanden wirklich, längst gehörten auch ausländische Pressevertreter zu den Berichterstattern über unsere Aktivitäten. Oft war ich bei Interviews Kühnens mit der Auslandspresse anwesend, manchmal mit mehreren Zeitungen an einem Tag. Dazu gehörte nicht nur die größte Tageszeitung Japans, später (1988) brachte es Kühnen sogar auf die Titelseite der Hürriyet. Nun aber bewegten wir uns Richtung Bad Bergzabern und irgendwo in der Nähe hatten die Linken eine große Demo zum 1. Mai angemeldet. Auch sie trafen sich am 30. April, da das – glaube ich – ein Samstag war. Hätte ich da schon gewußt, daß die "Antifaschisten" schon wieder Wind von unserer Veranstaltung gekriegt hatten, wäre es mir wohl weniger wohl gewesen. Bad Hersfeld war noch in unschöner Erinnerung. Vorerst aber waren wir ganz oben auf.
Unter ständiger Überwachung durch starke Polizeikräfte, in Begleitung eines riesigen Pressetroßes und bester Laune, so fuhren wir durch eine durchaus reizvolle, beschauliche Landschaft. Die Leitung des Mot.-Marsches hatte der ebenfalls schon erwähnte Matthias Becker aus Plochingen übernommen. Wie immer mit Flecktarnanzug und rotem Barett mit Totenkopf, sorgte er für eine reibungslose Anfahrt. Als nach einiger Zeit eine stark befahrene Bundesstraße unseren Weg kreuzte und dadurch die Gefahr bestand, daß unsere Kolonne geteilt würde, preschte Becker in seinem roten Passat vor, stellte das Fahrzeug kurzerhand quer auf die Bundesstraße und hielt mit erhobener Polizeikelle – die er immer mitführte! – den eigentlich vorfahrtsberechtigten Zivilverkehr einfach an und ließ unsere gesamte Kolonne passieren. Nun wird vielleicht mancher aus der geneigten Leserschaft den Verdacht hegen, daß ich hier etwas dick auftrage und die Polizei so etwas doch nie geduldet hätte, aber ich verbürge mich für diesen Ablauf; man ließ den Kameraden Becker gewähren und auch nachher ist ihm deswegen nichts passiert. Vermutlich war man ganz einfach froh, daß unsere Kolonne so ja viel früher am Zielort ankommen und wir wieder von der Straße verschwinden würden. Die Einsatzleitung nahm also vermutlich eine Güterabwägung vor und der reibungslose Ablauf des Geschehens war ihr wohl momentan lieber, als die Durchsetzung der Straßenverkehrsordnung oder die Ahndung diverser Ordnungswidrigkeiten. Außerdem hätte ein sofortiges Eingreifen der Ordnungsmacht lediglich einen Stau verursacht und das dann noch in Anwesenheit dieser Unzahl in- und ausländischer Pressevertreter, das wollte man wohl einfach nicht... Im Lokal angekommen, lief alles erstmal wie am Schnürchen. Wir dekorierten den Saal, an dessen Ende die "Stummelkreuzfahne", also die Traditionsfahne der alten Hamburger ANS befestigt wurde, daneben dann die ANS/NA-Fahnen der Stammkameradschaften Fulda (1), Frankfurt (2) und Nagold (3). Die Fernsehfritzen bauten ihre ganzen Gerätschaften auf und als Michael Kühnen leicht verspätet eintraf, konnte ich ihn schon vor laufenden Kameras begrüßen. Am Rednertisch saßen dann von links nach rechts: Meine Wenigkeit, Michael Kühnen, Arndt-Heinz Marx, Dieter Weißmüller (der als geschaßtes Gewerkschaftsmitglied die Führung der ANS/BO übernahm) und Veronika Alten, als Vertreterin des ebenfalls neugegründeten Mädelbundes, dessen Führung aber zunächst Andrea Kron übernommen hatte. Kaum eine Publikation über Neo-Nazismus aus jenen Jahren, die nicht ein Bild von der Maifeier in Bad Bergzabern gebracht hätte. Als ich dann schließlich die Veranstaltung eröffnete, konnte ich mir angesichts des Presseaufgebots einen kleinen Scherz nicht verkneifen. Ich gebrauchte die auch später immer wieder zitierten Worte: "Liebe Kameradinnen, liebe Kameraden, liebe Kameramänner...!" Kühnen sollte als letzter sprechen und so zog sich die Versammlung etwas in die Länge. Das wäre ja für sich genommen nicht schlimm gewesen, aber diese Zeit nutzten die Linken, um immer größere Kontingente von ihrer großen Mai-Veranstaltung nach Bad Bergzabern zu verlagern, wo sich also mit der Zeit eine ansehnliche Masse von Gegendemonstranten zusammenrottete. Die Einsatzleitung der Polizei wurde zunehmend nervös und versuchte nun ihrerseits auch das eigene Personal aufzustocken.
Die militantesten Linken waren jedenfalls unserem Veranstaltungslokal schon gefährlich nahe gekommen und als dann Michael Kühnen endlich zu sprechen begonnen hatte, hörte ich ein dumpfes Geräusch in Verbindung mit splitterndem Glas. Aus der zweiten oder dritten Reihe hatte dieser militante Mob begonnen, Stahlkugeln durch die Gaststättenfenster zu schießen. Die Kameradinnen und Kameraden die saßen, waren wohl weniger gefährdet, die Wirtin aber war schon mal vorsorglich in Deckung gegangen und mein alter Fuldaer Kamerad Norbert Veidt mußte sie trösten und beruhigen, indem er erstmal ein Schnäppschen mit ihr trank. Kühnen hingegen hatte nicht mal gezuckt. Er stand da wie die Eins und sprach ruhig, aber laut und eindringlich weiter. "Wir bestreiten ihnen das Recht auf den deutschen Arbeiter!" dröhnte er und an die Gegendemonstranten gerichtet fielen die dann später auch im Fernsehen gesendeten Worte: "Diese Leute haben in ihrem Leben nichts gearbeitet und die werden auch nichts arbeiten, es sei denn wir kommen an die Macht und stecken sie in die entsprechenden Lager hinein!" Da brach ein Sturm des Jubels los und obwohl den Demonstranten an Zahl hoffnungslos unterlegen, fühlten wir uns doch im Recht und damit geschichtlich auf der sicheren, weil richtigen Seite. Das Beschießen des Lokals war natürlich den Sicherheitskräften nicht verborgen geblieben. Wenn schon in dem Trubel kein Täter auszumachen war, so galt es für die Einsatzleitung doch, die Masse der Linken zurückzudrängen und damit auch außer Schußweite zu bekommen. Als sehr hilfreich erwies sich hierbei der in unseren Kreisen spätestens seit ihrer Ahnherrin "Blondi" sehr beliebte Deutsche Schäferhund. Als die Antifa den Aufforderungen der Polizei nicht gleich nachkam, ließ diese die Hundestaffel nach vorne. Es gab einige zerrissene Hosen und natürlich der Standard-Sprechchor jener Jahre: "Deutsche Polizisten schützen die Faschisten!" und – auch das durfte damals nicht fehlen – das obligatorische "Nazis raus aus uns'rer Stadt, wir haben den Faschismus satt!" Das war selten so fehl am Platz wie gerade in Bad Bergzabern, denn ich glaube nicht, daß unter den Demonstranten auch nur ein einziger Bewohner dieser schönen Kleinstadt war. Während sich jedenfalls die Örtlichkeiten um die Kneipe in einen wahren Hexenkessel verwandelt hatten, zogen wir unsere Veranstaltung mit der notwendigen Disziplin bis zum Ende durch. Der Beschuß hatte aufgehört, die Gegendemonstranten waren weit genug zurückgedrängt worden, trotzdem sollten wir ihnen beim Verlassen der Gaststätte nochmal bedrohlich nahekommen. Die starken Polizeikräfte verhinderten allerdings ein Spießrutenlaufen und geleiteten uns durch einen Korridor zu unseren ebenfalls bewachten Fahrzeugen. Auch hier wurde nochmal fleißig gefilmt und fotografiert und so hatten wir am Ende alles erreicht, was wir erreichen wollten. Gegen starke linke Kräfte hatten wir zum Kampftag der Arbeiterklasse unsere eigene Gewerkschaftsbewegung ins Leben gerufen. Wir hatten provoziert und das große Medieninteresse transportierte unsere Botschaft bis in die Wohnzimmer der trägen Bundesbürger. Das war ganz nach Kühnens Geschmack und so feierten wir den Erfolg noch ausgiebig, obwohl wir da noch gar nicht wußten, daß unser Auftritt für so spektakulär gehalten worden war, daß man uns sogar einen Sendeplatz in den abendlichen "tagesthemen" der ARD einräumte. Mit einem mehrminütigen Beitrag in der Hauptnachrichtensendung des Deutschen Fernsehens hatten wir unser selbstgestecktes Ziel aber auch wirklich übererfüllt. Ungewollte Provokation Mitunter sprengten wir auch schon mal eine Veranstaltung – ohne es zu wollen. So war es anläßlich eines Redeauftritts von Dr. Dregger in meiner Heimatstadt Fulda. Dregger, einstmals jüngster Oberbürgermeister der jungen Republik und damals Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, sprach eines Abends in der Fuldaer Orangerie. Ein Heimspiel sozusagen, denn von 1956 - 1970 war Dregger Fuldas OB gewesen. Im Kriege Hauptmann und Bataillonskommandeur an der Ostfront, war uns der Ritterkreuzträger weit weniger unsympathisch, als viele andere von der bundesdeutschen Politprominenz. Schon früher hatte ich gerne mit meinen Kameraden den Frühschoppen auf dem Fuldaer Schützenfest besucht, wo Alfred Dregger stets eine Rede hielt, die zumindest in Teilen nach unserem Geschmack war. Auch er wetterte gegen die Zonengrenze, schmähte den SPD-Vorsitzenden H.-J. Vogel, der spiele nämlich die Karte Moskaus und sagte dann auch schon mal so beiläufig, er sei stolz darauf, bis zum letzten Tage mit der Knarre in der Hand gegen den Iwan gekämpft zu haben. Und so verlief auch die Veranstaltung in der Orangerie völlig nach Plan und wir fielen auch nicht weiter auf, da wir in Zivil auftraten und uns unauffällig zurück hielten. Wir waren wohl mit 10 Leuten, alles Angehörige der Stammkameradschaft 1 - Fulda der ANS/NA und – unserem Gast – Michael Kühnen gekommen. Da wir aber zu jener Zeit ständig "im Schirm" waren, das heißt einer dauernden Beobachtung unterstanden, war auch der Herr Kriminalhauptkommissar von Keitz vom K 14 der Fuldaer Kripo anwesend, sozusagen als "Anstandswauwau". Nun passierte aber erstmal gar nichts und Dr. Dregger hielt in aller Ruhe seine immer wieder von Applaus unterbrochene Rede bis...., ja bis es vom Podium her hieß: "Wir beenden diese Wahlveranstaltung traditionsgemäß mit dem Absingen des Deutschlandliedes!" Alle erhoben sich und die Anwesenden begannen zu singen "Einigkeit und Recht und Freiheit...", während wir natürlich "Deutschland, Deutschland über alles..." anstimmten und dabei die rechte Hand zum "Widerstandsgruß" erhoben. Der später auch "Kühnen-Gruß" genannte "Widerstandsgruß" war zu diesem Zeitpunkt noch nicht verboten, das gleiche gilt übrigens auch für die erste Strophe des Deutschlandsliedes, das damals noch als Nationalhymne mit allen drei Strophen unter dem Schutz des Grundgesetzes stand. Das änderte erst ein Herr von Weizsäcker in seiner Eigenschaft als Bundespräsident und nun ist nur noch die dritte Strophe "Nationalhymne", verboten ist die erste deshalb aber noch lange nicht. Unsere ungewollte Begleitung von der Politischen Polizei in Fulda blieb deshalb auch ganz ruhig, was man allerdings von den Beamten der "Sicherungsgruppe-Bonn" nicht sagen konnte. Diese Personenschutztruppe des Dr. Dregger stürmte sofort los. Vom Podium aus hatten sie uns binnen Sekunden erreicht, schmissen uns zu Boden, legten uns die Hände auf den Rücken und führten uns im Polizeigriff aus dem Saal. Natürlich gab es ein heilloses Durcheinander, die meisten anderen Anwesenden hatten gar nicht begriffen, um was es überhaupt ging. Viele dachten an eine terroristischen Anschlag auf das Leben Dr. Dreggers oder ähnliches. Alles war in heller Aufregung. Michael Kühnen war zu Boden geworfen worden und sein Pullover wurde dabei zerrissen. Sicher werden einige erst aus der Zeitung erfahren haben, was eigentlich überhaupt los war. Als ich freilich am anderen Tag – man hatte uns wieder freigelassen – den Artikel in der Fuldaer Zeitung las, war ich so erbost, daß ich den Chefredakteur – Herrn Konze – anrief und mich beschwerte. "Sie sangen die verbotene erste Strophe des Deutschlandliedes", hatte man geschrieben, weil man sonst einer erstaunten Leserschaft den Einsatz der "Sicherungsgruppe-Bonn" gar nicht hätte erklären können. Daß damals alles noch ein wenig anders war als heute, mag die Tatsache beweisen, daß die Fuldaer Zeitung am Tag darauf – auf meine Intervention hin – tatsächlich eine Richtigstellung brachte und schrieb "...die nicht wie gestern irrtümlich berichtet "verbotene" erste Strophe des Deutschlandliedes..." Strafrechtlich blieb die Aktion natürlich ohne Folgen, publizistisch hatten wir wieder von uns Reden gemacht, diesmal freilich ohne es zu wollen... Die "Affäre Marx" Die Zusammenarbeit mit Arndt-Heinz Marx war anfänglich recht reibungslos verlaufen, obwohl immer wieder die abenteuerlichsten Geschichten aus dem Libanon die Runde machten. Mittlerweile hatte ich ja mehrere Kameraden kennengelernt, die mit Karl-Heinz Hoffmann nach dem Verbot der nach ihm benannten Wehrsportgruppe in den Nahen Osten gegangen waren und dort war es dann zu Folterungen, Quälereien und sogar zum Mord gekommen. Zu den Libanon-Kämpfern, die sich später der ANS/NA angeschlossen hatten, zählten neben Marx auch Steffen Dupper, der Kameradschaftsführer von Karlsruhe wurde und Walter Ulrich Behle, der schon mal mit seinem DKP-Ausweis herumwedelte und später als VS-Agent galt. Beim Aufbau der NATIONALEN AKTIVISTEN hatte es noch keine ideologischen Diskrepanzen zwischen Marx und mir gegeben und die Frankfurter Gruppe hatte ihn ja auch selber zu ihrem Führer bestimmt und arbeitete unter Marx auch ausgesprochen erfolgreich. Mit der Gründung der ANS/NA und seiner Berufung in die Organisationsleitung wurde Marx zunehmend schwierig. Er war im Umgang mit Untergebenen zunehmend herrisch und herablassend geworden, was zu einer zwar zunächst nicht offenen, dennoch aber vorhandenen Spaltung der Frankfurter Stammkameradschaft führte. Ich hatte Michael Kühnen mehrfach darauf hingewiesen, daß ich langfristig mit Marx nicht zusammenarbeiten können würde. Der Chef zögerte allerdings Schritte gegen Marx immer wieder hinaus. Auch mehrtägige gemeinsame Fahrten der Organisationsleitung, zum Beispiel zum Inspektionsbesuch der Nagolder Stammkameradschaft 3, führten zu keiner Verbesserung im Verhältnis zwischen Marx und mir. Trotzdem verharrte Kühnen noch lange auf seiner Position als neutraler Beobachter, der darauf zu hoffen schien, daß sich unsere Unstimmigkeiten im harten Alltag des politischen Kampfes schon verlieren würden. Zur offenen Fehde ließen wir es nicht kommen und auch der gesamte Kameradenkreis bekam von den internen Schwierigkeiten wohl nichts mit. Sicher hätte Kühnen viel früher reagiert, hätte er gewußt, daß Marx schon längst begonnen hatte, im Geheimen eine ganz eigene Politik zu betreiben, die den erklärten Zielen unserer Organisation zuwiderlief. So initiierte Marx z.B. ein "Fehmegericht" gegen einen Aussteiger. Mit Scheinerschießung und allem drum und dran; so etwas hätte Kühnen nie geduldet. Entgegen dem ausdrücklichen Befehl des Chefs hatte Marx zudem begonnen, einen nach innen aufklärenden Sicherheitsdienst aufzubauen und Dossiers über alle möglichen Kameraden anzulegen. Je mehr eingebildete oder auch tatsächliche Macht er in seiner Person vereinte, desto mehr Eigeninitiative entwickelte er; allerdings waren seine Bestrebungen mit unseren Zielen irgendwann nicht mehr in Einklang zu bringen. Obwohl Kühnen eine sog. "Innenaufklärung" verboten hatte und so über keinen eigenen "Geheimdienst" verfügte, blieb ihm trotzdem langfristig nicht verborgen, was Marx da hinter den Kulissen so ablaufen ließ. Lange scheute Kühnen den offenen Bruch, er befürchtete eine Spaltung unserer jungen und bis dato überaus erfolgreichen Bewegung, aber Marx trieb es zunehmend auf die Spitze und im September 1983 war es dann endlich soweit und das schönste war: Ich hatte nicht das geringste mit den Ereignissen von Frankfurt und Hanau zu tun. Ich saß an diesem Tag in unserem Fuldaer Sturmlokal, der Gaststätte "Zur Maulkuppe", wir hatten nämlich gerade Kameradschaftsabend, als ich plötzlich zum Telefon gerufen wurde. Am anderen Ende war Michael Kühnen und fragte mich, ob ich säße? Als ich verneinte, sagte er, ich solle mich mal lieber hinsetzen, er habe eine Nachricht größerer Tragweite zu verkünden. Was das wohl sein könne, fragte ich mich, mein Gewissen war rein und so sagte ich, er solle mich doch bitte nicht auf die Folter spannen. "Ich habe Arndt-Heinz Marx mit sofortiger Wirkung aller Ämter enthoben und aus der ANS/NA ausgeschlossen!" Kühnen erzählte mir, daß Marx einen ausgesuchten Personenkreis auf sich selbst vereidigt hätte und offenbar Putschpläne gegen den Rest der Organisationsleitung gehegt habe. Ob sich die Putschpläne verifizieren ließen, war dabei von untergeordneter Bedeutung, denn schon die Vereidigung auf seine Person war ein eklatanter Verstoß gegen einen Organisationsbefehl Kühnens, der besagte, daß nach dem Tode des Führers niemand mehr das Recht habe, eine Gruppe bekennender Nationalsozialisten auf eine lebende Person zu vereidigen, auf seine eigene schon gar nicht. Kühnen war in der Vergangenheit auch verschiedenen – sicher gut gemeinten – Versuchen entgegengetreten, Kameradenkreise auf ihn, auf Kühnen also, zu vereidigen. Auch das ließ er nicht zu, manchmal zum völligen Unverständnis jener, die das im guten Glauben hatten durchführen wollen. Darum hatte er ja auch diesen Organisationsbefehl herausgebracht. Wie abgedreht Marx zu diesem Zeitpunkt war, mag auch die Tatsache beweisen, daß er die angetretenen Kameraden nach der Originaleidesformel der SS vereidigen ließ, wobei es nur statt "Ich schwöre Dir, Adolf Hitler..." plötzlich hieß, "Ich schwöre Dir, Arndt-Heinz Marx..." Das war zuviel , hier war der Bogen überspannt worden und Kühnen mußte handeln. "Was wird wohl jetzt passieren?" fragte mich Kühnen dann am Ende des Gesprächs und ich antwortete ihm, daß er sich auf mich, die Fuldaer und viele andere Kameraden stets bedingungslos verlassen könne, "auch ohne, daß man uns auf Dich vereidigt hat!" ergänzte ich meine Ausführungen.
Passiert ist dann tatsächlich nicht viel, Marx verließ mit einigen wenigen Getreuen die ANS/NA und versuchte einen eigenen Laden aufzuziehen, was ihm aber mißlang. Später übernahm er dann nochmal einen untergeordneten Funktionärsposten in der FAP aber seine "große Zeit" war ein für allemal vorbei. 1993 tauchte er sogar nochmal in Langen auf, zusammen mit Inger Preßmar, der Ex-Verlobten von Wolfgang Hess, von dem auch noch zu reden sein wird. Wir führten ein ruhiges, sachliches Gespräch, die Ereignisse von 1983 lagen ja auch schon wieder 10 Jahre zurück und er versicherte mich sogar noch seiner Solidarität, da ich kurz zuvor Opfer eines von jungen Türken ausgeführten Überfalls geworden war. Auch davon wird noch zu berichten sein. Die Arbeit in Frankfurt konnte jedenfalls uneingeschränkt und sogar noch erfolgreicher als bisher fortgesetzt werden. Neuer Kameradschaftsführer wurde Peter Müller, ein absoluter Kumpeltyp und damit das charakterliche Gegenteil von Marx. Müller entwickelte immer neue Konzepte, seine Truppe war stets präsent und nahm auch immer an allen überregionalen Ereignissen teil. Und vor allem: Müller war auch bei den anderen Kameradschaften sehr beliebt, die Frankfurter Truppe sorgte überall für gute Stimmung. Hatte die Stammkameradschaft 2 bislang so ein diffuser Hauch von Ahnenerbe und Rasse- und Siedlungshauptamt umweht, so war Müller der Garant für die alte, von uns stets gepflegte SA-Tradition der "Radikalen mit guter Laune". Michael Kühnen und Erich Fried Durch Medienberichte aller Art reichlich verwöhnt, waren wir denn doch allesamt sehr erstaunt, als uns Michael Kühnen im Kreise Frankfurter Kameraden eines Abends im Jahre 1983 mit der Ankündigung überraschte, daß er von Radio Bremen für deren "Live-Talkshow" "Drei nach Neun" eingeladen worden war. Endlich einmal die Gelegenheit zu ungeschnittenen Aussagen vor großer Öffentlichkeit, endlich mal die Möglichkeit dem politischen Gegner in direkter Gegenrede zu antworten. Wir wollten es erst gar nicht glauben, nach all den schlechten Erfahrungen mit der von uns allen mittlerweile so titulierten "System-Presse" und den anderen gleichgeschalteten Medien. Nach zusammengeschnittenen Befragungen, mit aus dem Zusammenhang gerissenen Äußerungen, nach den durch übelste Kommentare verfälschten Berichten über unsere vielfältigen Aktivitäten bis hin zu völlig erfundenen Interviews, wie es ja der Journalist namens Schütte für die "Quick" verbrochen hatte. Nein, jetzt hatten sie einen entscheidenden Fehler gemacht: Michael Kühnen "live" auftreten zu lassen, das konnte für sie nicht gut ausgehen, der Schuß mußte für das herrschende System nach hinten losgehen. Unsere Vorfreude auf dieses denkwürdige Ereignis war riesengroß. Der Chef im Fernsehen, im direkten Streitgespräch mit einer handverlesenen Schar seiner Gegner. Das war die Art der Auseinandersetzung wie wir sie, wie Michael Kühnen sie immer wieder gesucht und sich gewünscht hatte. Nur zu oft war sie ihm bisher leider verweigert worden. So hatte sich denn am vorgesehenen Abend eine getreue Schar bei einem Aktivisten der Frankfurter Kameradschaft eingefunden. In dessen Wohnung im Rodgau saßen wir wie gebannt vor'm Fernsehschirm und warteten auf den Auftritt unseres Chefs. Der war mit dem Frankfurter Kameradschaftsführer Peter Müller schon früh nach Bremen aufgebrochen, damit auch ja nichts schief gehen möge, denn so eine Chance, das wußten wir alle, würden sie Michael Kühnen nach dessen Auftritt so bald nicht wieder geben, das war klar. So saßen wir also erwartungsfroh im Rodgau und wähnten unseren Organisationsleiter im fernen Bremen, als es plötzlich an der Haustüre klingelte. Und so froh wir ansonsten stets über sein Erscheinen waren, so perplex waren wir nun als Michael Kühnen und der ihn begleitende Kamerad plötzlich vor der Türe standen. Was war geschehen? Zunächst mal hatte die "Antifa" vom geplanten Auftritt Kühnens in der Talkshow Wind bekommen, vermutlich hatten sie ihre Leute in diesem ohnehin als "links" eingestuften Sender. Das führte dazu, daß das Sendegebäude, dessen Besetzung zwar mißlang, von hunderten herbeigetrommelter und von einem seltsamen Demokratieverständnis erfüllter Berufsdemonstranten belagert wurde. Die drohten für den Fall des Auftritts von Kühnen mit empfindlichen Übeln. Von Bombendrohungen war die Rede, vom Stürmen des Funkhauses, die Verantwortlichen wurden zum Rücktritt aufgefordert und bekamen recht schnell "kalte Füße". Kühnen hatte das Funkhaus noch unbemerkt betreten können, aber drinnen wurde ihm sehr schnell eröffnet, daß man ihn keinesfalls würde auftreten lassen. Auch die Polizei sprach von "Gefahr im Verzuge", vorm Sender herrschten mittlerweile beinahe bürgerkriegsähnliche Zustände. In aller Eile drückte man Kühnen ein Bündel Hunderter in die Hand, er hatte zu Recht auf seine Auslagen hingewiesen, aber einen Auftritt hätte er natürlich nicht erzwingen können und eine "Schutzhaft" wäre ebenfalls wenig sinnvoll gewesen. Es waren zwar noch mehrere Stunden bis zur eigentlichen Sendung und sicher hätte die Polizei mit starken Kräften die Ordnung wieder herstellen können, aber diesen Aufwand nur damit ein böser "Neo-Nazi" seine verfassungswidrigen Reden halten kann? Dafür wollte kein Entscheidungsträger die Verantwortung übernehmen und so fügte sich Kühnen ins Unvermeidliche und verließ auf Schleichwegen das Gebäude, den unwissenden Mob hinter sich lassend.
So saßen wir also nun – den Chef in unserer Mitte – im fernen Rodgau und überlegten, ob es nun überhaupt noch sinnvoll sein würde, die Sendung anzusehen. "Natürlich sehen wir uns das an", meinte Kühnen, "...ich bin zwar nun nicht mehr dabei, aber das Thema ist doch geblieben und was vor'm Sender los war, werden sie nicht totschweigen können." So erwarteten wir denn eine der üblichen demokratischen Selbstbeweihräucherungsdiskussionen, zumal ja unsere "alte Bekannte" und Jüdin von eigenen Gnaden, Lea Rosh, die Diskussionsleitung innehatte. Es fing auch alles an wie gewohnt, Lea Rosh schilderte kurz den "heldenhaften, antifaschistischen Widerstand" der mutigen Demokratieverteidiger vorm Haus, die wenige Stunden vorher noch mit der Sprengung des Gebäudes gedroht hatten. Na ja, der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel... Dann wurden die anderen Diskussionsteilnehmer vorgestellt und ich erinnere mich heute nicht mehr, wer das im einzelnen war. Nur einen freilich habe ich nicht vergessen und sein unerwarteter Auftritt stürzte Lea Rosh alsbald in die schwerste Nervenkrise seit sie "Drei nach Neun" moderierte. Es handelte sich um den Schriftsteller Erich Fried, bekennender Kommunist und Jude, der während der Zeit des Nationalsozialismus nach England emigriert war. Gerade als das "Wir-sind-unter-uns-Gefühl" um sich greifen wollte, polterte Fried plötzlich völlig überraschend los und das Gesicht, das Lea Rosh dabei machte, mag dem geähnelt haben, das sie aufsetzte, nachdem sie erfahren hatte, daß eine Tochterfirma der DEGUSSA Materialien für ihr geliebtes Holocaust-Mahnmal geliefert hatte. Es sei unmöglich, daß hier über einen neuen Nationalsozialismus gesprochen werde, meinte Fried, ohne einen Vertreter dieser Überzeugung am Tisch zu haben. Man habe ihm gesagt, der "Neo-Nazi-Führer" Kühnen sei heute da und nun habe man den wieder ausgeladen wegen einiger Spinner vor dem Tor. Das sei ein Skandal! Er habe mit Kühnen sprechen wollen! Wenn er das vorher gewußt hätte, dann hätte er sich den Flug auch sparen können usw.usf. Ich muß zugeben, daß unsere eigenen Gesichter sich nicht wesentlich von denen der anderen Diskussionsteilnehmer unterschieden haben mögen, auch wir waren völlig perplex. "Das gibt's doch nicht", meinte denn auch Kühnen, "ausgerechnet der Vorzeigelinke und Jude Erich Fried..."
So drehte sich die ganze Talkshow auch ohne Kühnens Anwesenheit nur um ihn und Fried hatte sich auch am Ende noch nicht beruhigt. Wir hatten uns zwar etwas anderes erhofft, waren am Ende aber doch ganz zufrieden, wußten wir doch, daß es am nächsten Tag mal wieder Schlagzeilen für die "Kühnen-Truppe" geben würde. Aber in Kühnen hatte es zwischenzeitlich schon längst wieder gearbeitet. Mit dem sicheren Instinkt für außergewöhnliche Menschen und besondere Situationen rief er plötzlich laut: "Und jetzt setz' ich noch einen drauf, ich ruf' den jetzt im Sender an!" So geschah es und Dank "Mithörtaste" wurden wir alle Ohrenzeugen des ersten Gesprächs zwischen den Antipoden Kühnen und Fried, wobei es sehr schwer war, diesen überhaupt noch ans Telefon zu bekommen. Der Telefondienst im Sender hatte nämlich nur gesagt, die Herrschaften seien bereits aus dem Studio und möglicherweise in die Kantine gegangen. Tatsächlich konnte Kühnen die Vermittlung dazu bewegen, das Gespräch in die Kantine durchzustellen, aber dort wollte man Fried nicht ans Telefon holen. Kühnen sagte daraufhin: "Also passen Sie mal auf, mein Name ist Michael Kühnen und die ganze heutige Sendung hat sich nur um meine Person gedreht und nun geben sie mir bitte Herrn Fried ans Telefon!" Das saß, Sekunden später war Erich Fried am Telefon. Ich schätze heute im Rückblick, daß das erste Gespräch ca. eine halbe Stunde gedauert haben mag und kann mich noch an einige bemerkenswerte Sätze von Fried erinnern. So sagte er z.B. er könne sich vorstellen, ein guter SS-Mann geworden zu sein, wenn er nicht wegen seiner jüdischen Abstammung hätte emigrieren müssen. Wir bekamen alle Augen und Ohren nicht mehr zu. Da plauderte der bekennende Nationalsozialist Michael Kühnen seelenruhig mit jenem Mann, dessen Gedichte uns die linken Gegendemonstranten mitunter in's Ohr grölten, der 1938 als Kommunist und Jude nach England emigrierte und nach dem Krieg die österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen; in Wien war er 1921 auch geboren worden. Fried war zeitlebens eine Ikone der Linken gewesen und hatte sich ebenso als Literat einen Namen gemacht wie durch zahlreiche Übersetzungen der Autoren T.S. Eliot, Graham Greene und Dylan Thomas. Ein Skandal bahnte sich an... Freilich dauerte es nicht lange und man kam zu jenem Thema, um das ich schon allein aus strafrechtlichen Gründen einen weiten Bogen machen muß: Die zum Dogma erhobene, fabrikmäßige Massenvernichtung von Menschen im Dritten Reich. Ich befürchtete, daß Fried das Telefonat spätestens bei diesem Thema abbrechen würde, aber auch hier war dieser bemerkenswerte Mann für eine Überraschung gut. "Wir müssen uns noch viel öfter und eingehender unterhalten, Herr Kühnen," sagte Fried am Ende "...und wenn sie mich davon überzeugen können, daß die Geschichte von der fabrikmäßigen Ermordung von Menschen zumindest so nicht stimmt, werde ich nicht zögern öffentlich für eine Revision der Geschichtsschreibung einzutreten!" Mit einem Schlag war uns allen klar geworden, welche ungeheure Chance für uns in der Person von Erich Fried unerwartet aufgetaucht war. Ein Szenario entstand vor unserem geistigen Auge, daß die Säulen der Nachkriegsordnung hätte erschüttern können, aber es sollte leider alles anders kommen und es scheiterte letztendlich weder an Michael Kühnen noch an Erich Fried. Bald nach diesen aufwühlenden Ereignissen ging Michael Kühnen ins französische Exil, in Paris festgenommen, wurde er ein Jahr später an Deutschland ausgeliefert, wo ihm wieder einmal ein großer Prozeß bereitet wurde. Diese Ereignisse hatten den Kontakt mit Erich Fried trotz seiner großen Bedeutung wieder in den Hintergrund treten lassen, vergessen war er indes nicht! Völlig unerwartet rückten Fried und Kühnen plötzlich wieder ins öffentliche Interesse. Nachdem Kühnen auch in seinem zweiten großen Prozeß nur wegen seiner Meinungsäußerung und nicht wegen irgendwelcher Gewalttaten vor Gericht stand und eine mehrjährige Haftstrafe drohte, lud der Hessische Rundfunk zu einer über mehrere Sender ausgestrahlten Podiumsdiskussion ein. Thema: "Darf man einen Mann nur wegen seiner Worte einsperren?" Als Gast unter anderem: Erich Fried! Auch hier lehnte sich Fried wieder mächtig aus dem Fenster, stellte die freie Meinungsäußerung außerhalb jedweder Strafverfolgung und ergriff unmißverständlich für Michael Kühnen Partei. Wohlgemerkt wegen der zu befürchtenden Verurteilung, nicht aus ideologischen Gründen. Den Linken aber reichte das. Ein Aufschrei ging durch die Republik und viele Altlinke fielen nun über ihre Ikone her, was den freilich nicht erschüttern konnte. Vor Prozeßbeginn hatte Fried bereits öffentlich erklärt, wenn es Kühnen nutzen würde, wäre er bereit auf eigene Kosten als Entlastungszeuge nach Frankfurt zu kommen. Das hatte schon für Entrüstungsstürme in einschlägigen Kreisen gesorgt, in Kreisen freilich die sich ihrerseits sehr um die wegen schwerster Gewaltdelikte verurteilten RAF-Angehörigen sorgten. Diese doppelte Moral prangerte Fried nun auch in der Podiumsdiskussion an und die Presse war anderntags voll damit. Um das Maß voll zu machen und allen seine Bereitschaft zu konsequentem Handeln unter Beweis zu stellen, besuchte Fried Michael Kühnen dann nach der Verurteilung zu knapp vier Jahren Haft sogar in der Zwingburg Butzbach, wo der Chef seine Strafe bis auf den letzten Tag verbüßte. Für die Zeit nach dem Ende der Haft wurde die Fortsetzung des außergewöhnlichen Dialogs vereinbart, aber im Jahre der Freilassung Michael Kühnens, 1988, starb Erich Fried plötzlich und unerwartet, nur drei Jahre später starb auch Kühnen. So müssen wir rückblickend feststellen, daß der Nationale Widerstand und besonders auch der Revisionismus um eine große Chance beraubt wurden. Was genau geschehen wäre, wissen wir natürlich nicht, aber daß zwei völlig unterschiedliche Menschen einen für die Herrschenden höchst unangenehmen Dialog begonnen hatten, das wissen wir. Daß jeder den anderen für subjektiv ehrlich und für einen aufrechten Charakter hielt, auch das wissen wir und so wollen wir abschließend noch einmal Erich Fried zu Wort kommen lassen, der sein Eintreten für Michael Kühnen gegenüber seinen Gesinnungsgenossen und der Öffentlichkeit mit den Worten verteidigte: "Was ich geschrieben habe, ist: daß er in dieser Diskussion mit mir nicht nur ein vorbildlich ehrlicher Diskussionspartner war, sondern auch weit entfernt von jeder Unbelehrbarkeit. Und daß ich nach dieser Begegnung ihm jederzeit mein Leben anvertrauen würde. Das war mein Eindruck. Und ich habe keine andere Möglichkeit als dazu zu stehen!" Die AAR Die Versuche durch die Gründung immer neuer Untergliederungen unseren Aktionsradius zu vergrößern und unsere Möglichkeiten zu erweitern, ließ uns im Sommer 1983 auch einen parteipolitischen Arm der ANS/NA gründen, dessen Bundesvorsitzender ich wurde.
Wieder war es auf dem Grundstück der Müllers in Mainz, als wir am 26.06.1983 die "Aktion Ausländerrückführung – Volksbewegung gegen Überfremdung und Umweltzerstörung“ kurz AAR genannt, ins Leben riefen. Nicht zufällig war das Symbol dieser Organisation der auf einem Schwert sitzende Adler, der als deutsches Wappentier in Dichtung und Sagenwelt auch Aar genannt wird. Auch mit der AAR setzte Kühnen gänzlich auf Provokation. Seit dem Verbot der SRP (Sozialistische Reichspartei) im Jahre 1952, sollten endlich wieder bekennende Nationalsozialisten an einer Wahl in Deutschland teilnehmen. Es boten sich hier die hessischen Landtagswahlen an, die am 25.09.1983 stattfanden und obwohl man uns behördlicherseits alle denkbaren Steine in den Weg legte, mußte die "Fuldaer Zeitung" am 16.08.1983 vermelden, daß "die Kandidatur Brehls nicht zu verhindern" gewesen sei. Ich wundere mich im Rückblick immer wieder selbst darüber, wie viel wir in diesem knappen "ANS-Jahr" auf die Beine gestellt haben und mit welch bescheidenen Mitteln dies geschah. Dauernd Veranstaltungen, dauernd Gründungen, sowohl von Kameradschaften, als auch von Untergliederungen und Vorfeldorganisationen, wobei diese nie nur auf dem Papier bestanden, sondern mit dem Tag ihrer Gründung sorgte Kühnen dafür, daß sie mit Leben erfüllt wurden. Wir haben damals wirklich mit "einer Handvoll Leuten" wochenlang die Republik beschäftigt und auf Fragen nach unserem Privatleben konnten wir stets guten Gewissens antworten: "Privatleben? – Wir haben keines!"
Kühnen war ja sowieso auf permanenter Deutschlandfahrt und oftmals begleitete ich ihn. Meine Anwesenheit in Fulda war nicht immer vonnöten, denn mein Stellvertreter Weißmüller hatte den Laden gut im Griff. Die Fuldaer Kameradschaftsabende waren gut besucht, ein Kern von 10-15 Leuten sah sich ohnehin fast täglich, aber seit der Gründung der Kameradschaft Bad Hersfeld nahmen die dortigen Kameraden auch gelegentlich an unserem K.-Abend teil und da brachten wir es schon mal locker auf 30-40 Mann. So brauchten wir für den Wahlkampf der AAR in Fulda auch praktisch keine Unterstützung von außen, die Fuldaer selbst waren damals allerdings quasi "rund um die Uhr" im Einsatz. Die Plakate der AAR mit meinem Konterfei und der Aufschrift "Deutschdenkende und denkende Deutsche wählen am 25.09.1983 – AAR" hatten die Gemüter zwar schon ein wenig erhitzt, da man mich als bekennenden Nationalsozialisten und ehemaligen Chef der "Wehrsportgruppe Fulda" kannte. Als wir aber dann während des Wahlkampfes ein weiteres Motiv plakatierten, sozusagen die Wunderwaffe des Landtagswahlkampfes, da ordnete der Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Hamberger die Entfernung unserer Plakate an. Das war sicher rechtswidrig aber für einen Prozeß fehlten uns Zeit und Geld und so leisteten wir uns lieber eine Plakatierschlacht mit den städtischen Arbeitern, die tagsüber die Plakate entfernten, während wir sie Nachts wieder überall aufhingen. Ich habe wenig geschlafen in jenen Tagen, aber wir waren jung und beseelt von unserer Weltanschauung und froh unter Kühnens Leitung auch endlich was zu ihrer Durchsetzung unternehmen zu können. Was aber hatte die Gemüter der Stadtoberen so erhitzt, daß sie aktiv in den Wahlkampf eingriffen und unsere Plakate entfernen ließen? Nun, es war ein Plakat, das man sicher heute nicht mehr öffentlich verwenden dürfte, und auch damals war es ein "Schocker". Es zeigte ein weißes Mädchen über das sich ein Farbiger in offenbar blutschänderischer Absicht beugte, dazu die Aufschrift: "Mit 15 in – mit 18 hin!, Wählt AAR!" Das brachte die Gutmenschen natürlich auf die Palme und uns ins Gespräch. Leider habe ich keinen Kontakt mehr zu unserem damaligen Drucker, dem heute noch für seine Wahlkampfunterstützung gedankt werden muß, denn seine Druckmaschine, die gute alte "Heidelberger", stand überhaupt nicht mehr still und die Baumärkte verkauften wohl selten soviel Tapetenkleister wie in jenen Tagen dieses denkwürdigen Landtagswahlkampf. Ich habe auch später nur einmal noch eine solche Einsatzbereitschaft so vieler Aktivisten erlebt wie 1983, dem Kampfjahr der ANS/NA. Sicher kam es auch später immer wieder vor, daß sich einzelne oder auch kleine Gruppen in bemerkenswerter Weise engagierten, aber einen solch bewundernswerten Dauereinsatz so vieler Kameradinnen und Kameraden, gab es außer 1983 nur noch 1988 beim Wahlkampf der NATIONALEN SAMMLUNG. Um auch im Alltag aufzufallen, hatten wir große AAR-Buttons aus Plastik anfertigen lassen. Weißer Adler und weiße Umschrift auf pechschwarzem Grund. Diese 3,5 cm großen Anstecker gingen weg wie die buchstäblichen warmen Semmeln. Besonders bei den Motorradclubs des Fuldaer Umlandes. Wo immer auch die Leute der AAR – die ja bis auf wenige Ausnahmen gleichzeitig auch alle ANS'ler waren – bei politischen Veranstaltungen auftauchten, waren heiße Debatten und anschließende Schlagzeilen sicher. So besuchten wir mit schöner Regelmäßigkeit die Wahlveranstaltungen der Etablierten und genossen die deutlich spürbare Unsicherheit, die unser Erscheinen stets auslöste. Wir haben nicht einmal randaliert, sind niemals unsachlich oder laut geworden und trotzdem starrten uns die Wahlkämpfer der bürgerlichen Parteien an, als seien wir ihr fleischgewordener Albtraum und für manchen waren wir das sicher auch. Aber eigentlich gab es ja für die Herrschenden keinen realen Grund zur Aufregung. Ein riesengroßer Wahlerfolg wurde nicht mal von uns selber erwartet. Die pure Teilnahme war unser Erfolg, dazu die vage Hoffnung von nun an vielleicht auch die Privilegien des Parteienrechts genießen zu können. Kühnen hatte jedenfalls über die Presse die gesamte demokratische Öffentlichkeit instrumentalisiert und durch unsere ständigen Aktionen in allen Teilen unseres besetzten Landes erweckte der Chef auch den Eindruck unserer Allgegenwärtigkeit, die in keinem Verhältnis zu unseren tatsächlichen Mitgliederzahlen stand. Viele Medienvertreter waren aber auch hin- und hergerissen zwischen der Informationspflicht einerseits und der Erkenntnis, daß man Kühnen bei aller Kritik – und nicht selten auch Hetze – doch auch behilflich war. Der Journalist Rainer Fromm beschreibt das Dilemma in seiner Dissertation wie folgt: "Michael Kühnen hat bis kurz vor seinem Tod am 25.04.1991 über 15 Jahre hinweg die Berichterstattung über den Rechtsextremismus bestimmt. Kühnen, der weiß, was er den Medien zu verdanken hat, bekennt Ende der 80er Jahre gegenüber einem Journalisten: "Die Medien haben mich erst bekannt gemacht und bewirkt, daß man mich ernst nimmt." Diese Einschätzung teilt der Publizist Giovanni di Lorenzo: "Haben nicht wir Journalisten, angezogen durch seine photogenen Uniformen und die markigen Hetzparolen, Kühnen für einen Teil seiner Kameraden erst richtig attraktiv gemacht? Die Replik auf die Frage ist uns durchaus bewußt: Einer wie Michael Kühnen konnte gar nichts anderes als ein riesiges Medienecho auslösen." Doch zurück zur AAR. Endlich kam dann mit dem 25.09.1983 der große Tag der Wahl. Das für mich zuständige Wahllokal lag nur ca. 50 Meter von meiner Wohnung und wenig mehr von unserem Sturmlokal entfernt. Bester Laune unterbrachen wir unseren Frühschoppen, um mit einer ca. 15-köpfigen Personengruppe das Wahllokal heimzusuchen. Als man mir den Wahlzettel ausgehändigt hatte, bat man mich doch in die Kabine zu gehen, da die Wahl ja schließlich geheim sei. Ich sagte dem guten Mann, daß ich mein Kreuzchen gleich hier vorne zu machen gedenke, denn wenn ich nicht AAR wählen würde, wer dann? Schließlich sei ich ja der Bundesvorsitzende. Ich hatte dann das Kreuz mit meinem eigenen Kugelschreiber gemacht und den in der ganzen Hektik im Wahllokal liegen gelassen. Schon auf dem Weg vom Wahl- ins richtige Lokal kam uns der brave Wahlhelfer hinterhergerannt und rief laut über die ganze Straße: "Herr Bundesvorsitzender, Herr Bundesvorsitzender, ihr Kugelschreiber!" Wir haben uns köstlich amüsiert. Als dann wenig später die Wahlergebnisse veröffentlicht wurden, hatte ich immerhin 0,4 Prozent in meinem Wahlkreis geholt. Mit 227 Stimmen hatten mich damit nur in meinem kleinen Fuldaer Wahlkreis (nur einer von mehreren in Fulda) fast soviele Leute gewählt, wie die ANS/NA zu diesem Zeitpunkt bundesweit Mitglieder hatte. Wir werteten das damals durchaus als Erfolg und waren auch aus purem Lokalpatriotismus stolz auf uns. Denn in den anderen Wahlkreisen, in denen die AAR angetreten war, so zum Beispiel in Frankfurt, in Groß-Gerau oder im Main-Kinzig-Kreis wurden nur Prozentergebnisse von 0,2 (Frankfurt) bis 0,3 (Groß-Gerau) erreicht, die Fuldaer Gruppe hatte also das höchste Ergebnis eingefahren... |