Die Zeiten, da die USA zur Durchsetzung ihrer verbrecherischen Ziele mal so eben einen Krieg angezettelt haben, sind seit dem Irak-Desaster ein- für allemal vorbei. Und keiner weiß das so ganau, wie das potentielle nächste Opfer des us-amerikanischen Wirtschaftsimperialismus: der Iran.
Es kann wirklich das Glück eines Landes und Staates sein, in Krisenzeiten von einer nervenstarken, zielsicheren und dem eigenen Volk verbundenen und verpflichteten Führung geführt zu werden.
Der iranische Staatschef Ahmadinedschad verkörpert eine solche Führung und bietet der "Supermacht" die Stirn. Daß die westlichen Regierungen darüber aufheulen und ihn die gleichgeschaltete Presse dieser Länder mit Attributen versieht, die aus der Mottenkiste eines Sefton Delmer oder eines Illja Ehrenburg zu stammen scheinen, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Völker Europas auch diese Frage anders beurteilen, als ihre jeweiligen Regierungen.
Spätestens seit dem gescheiterten "Irak-Abenteuer" des Mr. Bush kennt man die Lügen und Verdrehungen, die Falschmeldungen und Räuberpistolen nur zu gut, um ihnen schon wieder Glauben zu schenken.
Die Kriegsgründe gegen den Irak waren -wir wissen es heute und es ist keine rechtsextreme Propaganda, sondern historisch gesicherte Tatsache- allesamt herbeigelogen worden, weder gab es "Massenvernichtungswaffen" im Irak, noch bastelte Saddam Hussein an solchen und selbst der Ankauf spaltbaren Materials in Afrika, erwies sich als Geheimdienst-Ente. Als letzte propagandistische Rückzugslinie blieb nurmehr die Legende, man habe die Region von einem blutrünstigen Diktator befreien müssen.
Als aber der Konflikt mit der Beendigung des regulären Waffengangs und der Verkündung des Sieges von "Menschlichkeit, Freiheit und Demokratie", eben nicht endete, sondern noch heute Tag für Tag unschuldige Opfer fordert, fragt sich nicht nur der Zyniker verzweifelt, wie alt Saddam Hussein hätte werden müssen, um eine solche Anzahl von Irakern ums Leben zu bringen?
Nach einer Welle des Antiamerikanismus im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg, nach der gegen die USA gerichteten südamerikanischen Witschaftsallianz mit Hugo Chavez an der Spitze und Fiedel Castro, dem us-amerikanischen Erzfeind an seiner Seite, nach dem wirtschaftlichen Erstarken Chinas und der wachsenden Destabilisierung im Innern der USA, können sich die US-Imperialisten nicht mehr viele Fehlschläge leisten. Noch ein milliardenverzehrender militätrischer Fehlschlag und das Imperium geriete ins Wanken...
Das weiß man in den USA, das weiß aber auch Ahmadinedschad und dieses Wissen stärkt ihn und schwächt die USA. Und noch etwas weiß man im Iran: Deutschland, dessen Freundschaft mit den arabischen Völkern und Ländern geradezu legendär ist, bestimmt heute nicht selbst über sein Schicksal und seine Zukunft. Es ist nicht das wahre Deutschland, das sich in hündischer Ergebenheit an seinen ehemaligen Kriegsgegner klammert, um notfalls in falsch verstandener Nibelungentreue mit ihm unterzugehen. Nein, die Welt dreht sich und alles bewegt sich und es scheint, als könne die Macht der Plutokratie, die Macht der internationalen Kapitalsverbrecher und Völkervernichter, doch noch gebrochen werden und das vielleicht sehr viel schneller, als wir es uns heute noch vorzustellen in der Lage sind.
Die gewaltigste Militärmacht der Neuzeit ist an ihre Grenzen geraten und jeder weitere Waffengang wird zun unkalkulierbaren Risiko. In dieser Lage behält Ahmadinedschad die Nerven und legt nach, er hält den USA den Spiegel vor´s haßverzerrte Gesicht ihrer Machthaber und schleudert dem ewig grinsenden Grenzdebilen im Weißen Haus seine unwiderlegbaren Wahrheiten ins Gesicht.
Unter: http://portale.web.de/Schlagzeilen/Iran lesen wir dazu im Weltnetz:
Ahmadinedschad, der vehement das Recht seines Landes auf Nuklearforschung verteidigt, führt US-Medien zufolge genüsslich die Fehleinschätzungen und "Lügen" der US-Regierung vor dem Irakkrieg aus. Besonders bitter für Bush: Er verweist auf die enormen Kriegskosten und den Blutzoll für die USA. "Was haben denn all die Hunderte von Milliarden Dollar für den Irak-Krieg... den Bürgern (ihres) Landes gebracht?", fragt der iranische Präsident mit einem Verweis auf die vielen "Armen und Obdachlosen" in den USA, wohl wissend, dass sich solche Fragen inzwischen auch viele Millionen Amerikaner stellen. Geschickt spielt Ahmadinedschad auch auf die Verschwörungstheorien an, denen zufolge die US-Geheimdienste vielleicht doch in die Anschläge vom 11. September 2001 verwickelt sein könnten.
Das Schreiben aus Teheran ist für Bush eher eine Provokation. Zwar wird in den USA inzwischen heftig über Kriegspläne gegen den Iran diskutiert - aber nur einige Neokonservative und wenige Senatoren plädieren offen für Krieg. "Die Chancen für Lösungen werden klein und kleiner. Wir können aber einen Iran mit Atomwaffen nicht tolerieren..., und Israel kann es auch nicht", meinte als einer der wenigen "Falken" der republikanische Senator Steve King. Denn im Kongress gibt es allgemein ein großes Unbehagen in der Frage eines neuen Waffengangs.
Aber trotz aller Beteuerungen von Bush und Rice, Teheran auf friedlichem Wege von der Atombombe abhalten zu wollen, fürchten US-Diplomaten, dass es letztendlich doch zu Militärschlägen - mit höchst ungewissem Ausgang - kommen wird. Die Ratlosigkeit in Washington ist unübersehbar. Wie Ahmadinedschad es vorausgesagt hatte, sind am Montag in New York die US-Bemühungen um eine gemeinsame Iran-Politik der Mitglieder im UN-Sicherheitsrat vorerst gescheitert.
Und Teheran wird wissen, dass ein US-Präsident im Popularitätstief und die im Irak gebeutelten US-Streitkräfte nichts weniger wollen als eine militärische Front im Iran. Die USA haben im Falle eines Scheiterns der diplomatischen Bemühungen im Rahmen der UN aber nur zwei Optionen, eine Atommacht Iran zu verhindern. Zum einen, wie von Rice schon mal formuliert, mit einer "Koalition der Willigen" den Iran in die Knie zu zwingen, im Extremfall mit militärischen Mitteln.
Oder aber in - bisher strikt abgelehnten - direkten Gesprächen mit Teheran die letzte Chance für eine friedliche Lösung zu suchen. Dafür gibt es trotz aller Skepsis über die Erfolgsaussichten eine wachsende Zahl von Befürwortern. Der potenzielle Präsidentschaftskandidat der Republikaner, US-Senator John McCain, deutet jüngst an, dass dies zumindest einen Versuch wert sein könnte, "damit wir ihnen nicht noch eine Art Legitimation" geben.
Allerdings ist in Washington parteiübergreifend der Widerwille gegen den Staat der Mullahs und "seine täglichen Beleidigung der USA, der Demokratie und der Freiheit" (McCain) groß. Zumindest in diesem Punkt wird sich Bush von dem Brief bestätigt fühlen. Denn Ahmadinedschad verhöhnt den Liberalismus und die westliche Demokratie als unfähig und dem Untergang geweiht. Zudem stellt er erneut das Existenzrecht Israels in Frage - und fordert nach ausschweifenden Ausführungen über die biblischen Wurzeln der drei großen monotheistischen Religionen schließlich Bush, den praktizierenden Christen der Methodistenkirche, etwas nebulös auf, sich der weltweiten Strömung hin zur "Macht des Allmächtigen Gottes" anzuschließen.
© dpa - Meldung vom 09.05.2006 17:28 Uhr